„Die Diakonie betreibt ein unwürdiges Spiel“

Kritisiert die diakonie: Rudolf Biermann
Kritisiert die diakonie: Rudolf Biermann
Foto: Otmar Kuhn

Kreuztal..  Auch der Förderverein für das evangelische Krankenhaus Kredenbach setzt sich kritisch mit der Haltung der Diakonie in Südwestfalen zur Zukunft der Bernhard-Weiss-Klinik auseinander: „Die Diakonie betreibt ein unwürdiges Spiel“, sagte Vorstandsmitglied Rudolf Biermann, früherer Kreuztaler Bürgermeister, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gemessen an den in den letzten Jahren gemachten Zusagen, die Geriatrie als „unterstützendes Element der Akutversorgung“ anzugliedern, werde jetzt Schritt für Schritt alles zurückgefahren. Und das mit der beschwichtigenden Aussage, dass die Akutklinik beibehalten werde. Was aber übrig bleiben werde, nennt Rudolf Biermann eine „Schmalspurakutklinik“, die ab 17 Uhr geschlossen sein wird.

Gemessen an den in der Vergangenheit von Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer gemachten Zusicherungen spricht Biermann, der den gesamten Fördervereinsvorstand hinter sich weiß, von einem „Vertrauensverlust in die Redlichkeit der Verantwortlichen der Diakonie“. Das werde täglich erkennbar.

Was derzeit geschehe, sei eine „Politik der Rücksichtslosigkeit gegenüber Personal und Patienten“, die im Widerspruch zu allen Beteuerungen und Versprechungen stehe. „Aber das Allerschlimmste“, so Rudolf Biermann, seien die Kompetenzverluste im Krankenhaus Kredenbach, entstanden durch „willkürliche Personalentscheidungen, die unseres Erachtens bewusst eingeleitet worden sind“. Biermann nennt in dem Zusammenhang Absetzungen, Versetzungen und Kündigung von Ärzten und Klinikleitung. Wer nicht gekündigt wurde, musste mit verschleppten Vertragsverhandlungen leben, sodass letztlich ein „Gefühl der Ohnmacht“ entstanden sei. Zwangsläufige Folge der Verunsicherung sei ein Ansteigen des Defizits und eine Reduzierung der Bettenzahl.

Der Förderverein appelliere an die Diakonie, dass sie „ihre Hartnäckigkeit aufgibt“ und gegenüber SMS Siemag das Vertrauen aufbringe, dass ein großes Unternehmen mit fachspezifischer Beratung auch ein Krankenhaus führen kann.

Unverhohlen verweist Biermann auf die Zielsetzungen des Fördervereins, der vor elf Jahren gegründet wurde, um dem Krankenhaus die technische Ausstattung zu verschaffen, die aus dem Jahresbudget nicht finanziert werden können. Denn die 230 Mitglieder, die bislang schon 470 000 Euro aufgebracht und noch 210 000 Euro auf dem Konto haben, wollen vermeiden, dass all diese Spenden „in der Finanzmasse unter Holding untergehen“. In dem Fall, so Biermann, „sehen wir keine Möglichkeit, unsere Satzungsziele einzuhalten und das würde bedeuten, dass letztlich keine Zahlungen mehr stattfinden“.

Wie die Diakonie in Südwestfalen und vor allem das Krankenhaus Kredenbach vom Engagement des Fördervereins profitiert haben, zeige ein Vergleich mit dem fast genau so lange aktiven Förderverein des Jung-Stilling-Krankenhauses in Siegen: Dort belaufe sich die Spendenbilanz nach zehn Jahren auf lediglich 100 000 Euro.

 
 

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