Dickes Ende nach vier Jahrzehnten

v.l.: Hans-Wilhelm Lohre, Martin Salzmann, Hans-Joachim Klein an der neuen L 728.
v.l.: Hans-Wilhelm Lohre, Martin Salzmann, Hans-Joachim Klein an der neuen L 728.
Foto: WR

Hilchenbach.. Früher wohnte Joachim Klein in mittlerer bis schlechter Lage und in einem schlechten, durch Verkehrslärm belasteten Umfeld. Heute, an derselben Adresse in der Rothenberger Straße, hat sich am Umfeld nichts geändert. Wohl aber gilt die Wohnlage, gekennzeichnet durch Besonnung, Belichtung und Parkplätze, nun als „mittel“. Macht sieben Euro und 50 Cent.

Die muss Klein als „Ausgleichsbetrag“ für die Stadtsanierung bezahlen – und zwar für jeden Quadratmeter seines Grundstücks. Macht zusammen rund 1600 Euro. „Ich habe erst einmal einen Schrecken bekommen“, sagt Klein. Denn die Stadtsanierung, die nun abgerechnet wird, hat ihm aus seiner Sicht eigentlich keinen Gewinn gebracht: „Ich muss neue Scheiben haben, um mich ein bisschen vor dem Lärm zu schützen.“

Auch Hans-Wilhelm Lohre hat das über 30 Seiten dicke Gutachten für sein Grundstück bekommen, in dem ihm vermittelt wird, wie die Wertsteigerung berechnet worden ist. Dabei spielen Umgehungsstraßen und Fußgängerbereiche ebenso eine Rolle wie das Entstehen eines Einkaufszentrums und die Kosten für Gehwege und Straßenbeleuchtung, zu denen Grundstücksbesitzer außerhalb des Sanierungsgebietes sowieso herangezogen werden. „Ich bin ganz normaler Facharbeiter“, sagt Lohre, „ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll.“

Martin Salzmann hat in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Punkt für Punkt aufgelistet, dass die Stadtsanierung ihm keinen Vorteil gebracht hat – er wohnt nun nicht mehr in der beschaulichen Gerberstraße, sondern an der Trasse der neuen L 728: „Der Hauptverkehr ins Sauerland führt nun direkt an unserer Haustür vorbei.“ Geschäfte gebe es weniger als zuvor, und vom neuen Leben auf dem Marktplatz bekomme er auch nur die Schattenseiten mit: „Highlight war ein menschlicher Kothaufen auf unserem Grundstück, wobei sich der Unhold mit einem auf der Wäscheleine trocknenden Strumpf gesäubert hatte.“

Manche zahlen nichts, andere, mit Häusern am Marktplatz, über 5000 Euro. „Das sollen die mal vernünftig erklären“, fordert Joachim Klein. „Der Bodenwert ist eher gesunken“, glaubt Hans-Wilhelm Lohre. Und Martin Salzmann hat mit Maklern gesprochen: „Bei denen gilt Hilchenbach als eher ungünstiges Pflaster.“

Die ersten 22
Rechnungen sind da

Von Nord nach Süd, so erklärt es Baudezernent Michael Kleber, wird das Sanierungsgebiet in diesen Wochen mit Post bedacht. 60 der rund 140 Gutachten sind fertig, 38 Anhörungsbögen sind zugestellt, 22 Bescheide erteilt. „Die machen das scheibchenweise, damit man sich nicht zusammenschließt“, überlegt Hans-Wilhelm Lohre. „Ich rechne nicht damit, dass das ohne Klage abgeht“, sagt Michael Kleber. Welchen Betrag die Stadt insgesamt einnehmen wird, sei noch nicht abzusehen.

Hans-Wilhelm Lohre und Martin Salzmann wären übrigens um ein Haar nicht dabei gewesen: Ihre Häuser gehörten zu den 67, die zum Beginn der Stadtsanierung im Jahre 1972 noch auf der Abbruchliste gestanden haben.

 
 

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