Dialekte – Sorge um Sejerlänner Platt

Die Expertenrunde diskutierte die Zukunft der Mundart.
Die Expertenrunde diskutierte die Zukunft der Mundart.
Foto: Max Amos
In der Aula des Kulturhauses Lyz erwartete den Besucher ein ungewöhnliches Ambiente: Männer und Frauen älteren Semesters stehen da in altertümlicher Kleidung zwischen heute kaum noch bekannten Küchengeräten. „Nodda“, „Riewekooche“ oder „Lälles“ – die Worte stehen auf Plakaten an einer Wand.

Siegerland..  Der „Uswärdije“ findet sich in diesem Jargon freilich nicht gleich zurecht, Einheimische erkennen dagegen schnell, worum es geht.

Beim 2. Siegerländer und Wittgensteiner Mundartforum wird die Frage diskutiert, wie das Siegerländer Platt zu erhalten ist. Dazu gibt eine Reihe von Vorträgen, Gesangsdarbietungen und eine Diskussionsrunde mit Sprachexperten. „Man sagt, dass mit jeder Generation zehn Prozent der Mundart verloren geht“, betont Dirk Niesel, Vorsitzender des Arbeitskreises „Mundart, Brauchtum und Volkskunde“ im Heimatbund Siegerland-Wittgenstein und Moderator der Veranstaltung. „Wir wollen das erhalten. Das hat etwas mit Identität zu tun, mit Wurzeln. Wenn man nichts tut, stirbt das irgendwann aus.“

Dazu setzt Niesel vor allem auf die Jugend: „Die Heimatvereine haben Nachwuchsprobleme. Den Nachwuchs gilt es daher abzuholen. Mein Job ist es, die Stimme der Jüngeren einzubringen“. Auch bei der Podiumsdiskussion steht die Nachwuchsfrage im Zentrum. Kritische Stimmen sind zu hören: „Es hilft nichts, wenn hier nur alte Leute zusammensitzen und sich in ihre Jugend zurückführen lassen“, sagt einer. Man müsse die Kinder einbinden, so der Tenor. In die Runde mischt sich auch Pessimismus. Die Hoffnung, alte Dialekte für die Zukunft erhalten zu können, schwindet.

Echte Perspektive fehlt

So bleiben auch die Vorschläge der Experten letztlich eher oberflächlich, zeigen keine echte Perspektive auf. Warum das so ist, demonstrieren sie selbst: Nach einer launigen Einstiegsrunde, in der alle Teilnehmer „ihre“ Mundart in ein paar Sätzen zum Besten geben, schwenken alle schnell ins Hochdeutsche um. In einer öffentlichen Diskussion ist schließlich kein Platz mehr für Dialekte.

So bleibt es bei einer heimeligen Veranstaltung im kleinen Kreis, die mit Auftritten wie dem „Schnellkurs: Sejerlänner Platt för Uswärdije“ von Bruno Steuber oder dem „Riewekooche-Leed“ der Gitarrengruppe Oberdielfen zu unterhalten vermag. Konkrete Vorschläge zum Thema des Tages bleiben indes rar.

 
 

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