Diakonie Klinikum Kredenbach wird Ende 2017 geschlossen

Das Gebäude will die Diakonie weiterhin nutzen.
Das Gebäude will die Diakonie weiterhin nutzen.
Foto: Nils Balke
  • Rund 100 Mitarbeitern soll Arbeitsplatz in Diakonie angeboten werden
  • Geriatrie ins Jung-Stilling-Krankenhaus, dort Erweiterung auf 80 Betten
  • Vermutlich sind tiefrote Zahlen im Wirtschaftsplan der Auslöser

Kredenbach.. Die Diakonie in Südwestfalen gibt das Krankenhaus in Kredenbach auf: Die Nachricht macht seit Dienstagmittag die Runde — nach den Mitarbeitervertretungen am Vortag erfuhren im Laufe des Tages alle Mitarbeiter in Informationsveranstaltungen, welche Einschnitt bevorstehen: in Hagen die Übergabe das Krankenhauses Elsey an einen katholischen Träger; im Siegerland die Schließung in Kredenbach.

Geriatrie geht nach Siegen

Am heutigen Mittwoch will die Diakonie-Geschäftsführung die Medien informieren — vorher mochte Sprecher Stefan Nitz sich nicht zu Details äußern. Allen knapp 100 Mitarbeitern, so wurde auf der Versammlung mitgeteilt, wird ein neuer Arbeitsplatz innerhalb der Diakonie angeboten. Die Geriatrie-Abteilung zieht ans Jung-Stilling-Krankenhaus nach Siegen um und wird dort von 30 auf 80 Betten erweitert, die Innere Medizin wird in Kredenbach geschlossen. Das Gebäude wird die Diakonie auch über die Schließung des Krankenhauses Ende 2017 hinaus nutzen, gedacht ist unter anderem an ein ambulantes Ärztezentrum.

„Völlig verfehlt“ habe die Diakonie-Führung ihr Ziel, Kredenbach mit der Konzentration der Altersmedizin zukunftssicher zu machen, sagt Jürgen Weiskirch, Geschäftsführer der Gewerkschaft Ver.di: „Eine Bankrotterklärung“. Letztlich eingetreten sei die ­Voraussage des damaligen Sprechers der Mitarbeitervertretung im Jahr 2013, dass die heftig umstrittene Schließung der Chirurgie „der Anfang vom Ende“ des Hauses bedeute: „Er hat Recht gehabt.“

Schwierigkeiten Ärzte zu gewinnen

Auch die Bürgermeister der Städte Kreuztal und Hilchenbach hatten sich damals an die Spitze des Protests gestellt; mit ihnen nahm die Diakonie-Geschäftsführung am Dienstag ebenfalls Kontakt auf. Tiefrote Zahlen im Wirtschaftsplan sollen den Ausschlag für die Entscheidung gegeben haben, die Gesellschafterversammlung und Verwaltungsrat am Montagabend getroffen haben. Aber nicht nur: Offenkundig wird es gerade für kleine Häuser im ländlichen Raum zunehmend schwierig, Ärzte zu gewinnen.

Wohl keine hellseherische Fähigkeiten hatte der Verband der gesetzlichen Krankenkassen, als er in seinem im Juli veröffentlichten „Kliniksimulator“ Kredenbach einfach wegließ – ein Krankenhaus ohne Akutchirurgie ist aus Sicht der Versicherung anscheinend kein richtiges Krankenhaus mehr. Monatelang war schon 2012 auch innerhalb der Kirche der Konflikt um das Kredenbacher Krankenhaus ausgetragen worden. Dr. Heinrich Weiss, Inhaber der SMS Group, hatte die Übernahme des Hauses angeboten, wurde aber abgewiesen. 2014 löste sich der Förderverein des Krankenhauses auf, zum 1. Januar 2015 legte das Haus den Namen „Bernhard-Weiss-Klinik“ ab — die Unternehmerfamilie hatte darum gebeten.

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Hintergrund: Anfänge vor 70 Jahren

Dr. Hans Stebrink eröffnete 1946 in einer Villa der Familie Weiss eine Privatklinik. 1956 übernahm die Innere Mission die Trägerschaft.

1965 zog das evangelische Krankenhaus in seinen Neubau ein. 1999 gründeten Diakonisches Werk und Krankenhausverein die „Diakonie im Siegerland“

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