Deuzer planen Bürgerpark Bühlgarten

Ein Personenwaggon aus den 1930er Jahren wird im Frühjahr auf Gleis 2 aufgestellt,
Ein Personenwaggon aus den 1930er Jahren wird im Frühjahr auf Gleis 2 aufgestellt,
Foto: WR

Deuz. „Bürgerpark Bühlgarten“: Das ist die Deuzer Idee für das Gelände zwischen dem Dorfplatz, der vor dem Alten Bahnhof entstanden ist, und dem Lokschuppen, den die Stadt der Kreisbahn vor ein paar Jahren für einen Euro abgekauft hat. Bouleplatz, Halfpipe und Trimmgeräte, viel Grün und ein Teich — „das könnte relativ kostengünstig gemacht werden“, sagt Berthold Daub, der das Projekt jetzt auf der Bürgerversammlung vorstellte. Eine Alternative zu dem Gewerbegebiet, das die Stadt sowieso nicht realisieren kann, solange sie den als Denkmal geschützten, verfallenden Lokschuppen nicht abreißen darf.

Die Idee kommt aus dem Netzwerk Deuz, das Matthias Rickert der Versammlung als „Projektplattform“ vorstellte, die sich in diesem Jahr formiert hat und bewusst auf Vereinsstrukturen verzichtet. Unter ihrem Dach arbeiten die Willkommenskultur, die die Geflüchteten unterstützt, der Arbeitskreis Kölner Straße, der den schon wieder verschobenen Ausbau der Straße begleiten will, die „Agenda 2030“ mit ihren Zukunftskonzepten — und eben die Arbeitsgruppe, die sich den Bürgerpark ausgedacht hat. „Wir möchten euch herzlich einladen, die Zukunft unseres Ortes mitzugestalten“, sagte Rickert. Einige Ideen sind schon angekommen: zum Beispiel die, den Bewuchs an der Sieg zu lichten, damit eine Sichtverbindung zwischen Bahnhof und dem Kälberhof mit seinem Einkaufszentrum entsteht.

Einfahrt auf Gleis 2

Studierende der Uni erarbeiten einen Vorschlag, was aus dem Lokschuppen werden kann. Mehrgenerationenwohnen ist ein Stichwort. Für ein kleines Gewerbegebiet, das an den Bahnhof anknüpft, kann sich Berthold Daub eine Bäckerei mit Café vorstellen: „Der Einzugsbereich wäre groß, es lohnt sich, darüber nachzudenken.“ Gewinnen wird das Gelände auch, wenn der von Netphen über den ehemaligen Bahndamm geführte Radweg dort fortgesetzt wird. Bisher verläuft die Trasse noch an der Feuersbacher Straße entlang hinter dem Bahnhof, eine provisorisch angelegte Rampe verkürzt den gefährlichen Weg derzeit. So viel Engagement wie für das Außengelände wünscht sich Ortsbürgermeister Dr. Herbert Kneppe auch für den Bahnhofs-Trägerverein selbst: „Ich habe das Gefühl, das blutet aus.“

Einfahrt auf Gleis 2: Rüdiger Honig und Dieter Mockenhaupt haben einen Eisenbahnwaggon gekauft, „Nicht nur diesen kleinen“, betont Honig, als er der Versammlung das Model in H0 zeigt. Das Original, 14 Meter lang, steht noch in Osnabrück. Anfang nächsten Jahres wird es nach Netphen geschafft und als Blickfang auf das kurze Schienenstück von Gleis 2 gestellt, das beim Dorfplatz-Bau übrig gelassen worden ist — die letzte echte Bahn, die Deuz noch hat, ist die Irle-Werksbahn, die in gehörigem Abstand vom Bahnhof zwischen den beiden Irle-Werken in der Waldstraße und der Marburger Straße hin- und herfährt. An Ort und Stelle werden Honig, Mockenhaupt und Helfer den Personenwaggon aus den 1930er Jahren einrichten. „Wir werden sicherlich noch ein Vierteljahr zu tun haben“, glaubt Honig. Wer Lust hat, ob Verein oder Privatperson, wird sich den Waggon mieten können. Vielleicht findet sich auch jemand, der dort sonntags nachmittags Kaffee und Kuchen anbieten möchte. „Ich denke, ihr freut euch alle auf das Dingen.“

Westtangente als Wunsch für 2030

In der Netzwerk-Arbeitsgruppe „Agenda 2030“ ist die Idee einer Westtangente als Ortsumgehung entstanden, die von der Kläranlage am Weiherdamm auf die Feuersbacher Straße führt. „Irgendwann gibt es wieder ein Konjunkturpaket“, sagt Berthold Daub. Davon könnte das Vorhaben finanziert werden, „wenn wir dann ein Plänchen in der Tasche hätten“. Der Grunderwerb für die 1,8 Kilometer lange Straße wäre einfach: „Man braucht nur mit fünf Leuten zu reden.“

 
 

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