Der Einwanderungskreis Siegen-Wittgenstein

Zuwanderung birgt Chancen:
Zuwanderung birgt Chancen:
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Der Kreis Siegen-Wittgenstein zieht so viele Zuwanderer an wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im vergangenen Jahr kamen laut Statistischem Landesamt fast 6200 Menschen nach Siegen-Wittgenstein. Wir wissen, warum.

Siegen-Wittgenstein.  Ein Grund für den Boom ist die Eurokrise. Der weitaus größte Teil (3500) kommt zwar aus anderen Bundesländern. Viele Menschen stammen aber auch aus Südost- oder aus Südeuropa.

In 2012 fanden knapp 5900 Menschen den Weg in die Region. Zwischen 2000 und 2010 pendelte die Zahl stets zwischen 4900 und 5200. Damit bestätigt sich in Siegen-Wittgenstein der Bundestrend. Deutschlandweit ist die höchste Zuwanderung seit 20 Jahren festgestellt worden. Franz J. Mockenhaupt, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen, nennt wirtschaftliche Gründe als Triebfeder für die Entwicklung. Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe zum Beispiel Spanien noch voll im Griff: „Diese Menschen sind auf Arbeitsplatzsuche. Ich würde da gar nicht von Zuwanderern sprechen.“ Denn unter diesen Umständen gewinne der Grundsatz der Freizügigkeit in der Europäischen Union an Attraktivität.

Die Statistik gibt Mockenhaupt recht. Aus Rumänien zogen im Jahr 2005 gerade einmal 19 Menschen nach Siegen-Wittgenstein. Dem EU-Beitritt 2007 folgte ein steiler Anstieg mit dem vorläufigen Höhepunkt im vergangenen Jahr (siehe Grafik). Aus Kroatien kamen 2013 zwölfeinhalb mal so viele Einwanderer in die Region wie 2005. Für Bulgarien liegt der Faktor bei 4,3, für Ungarn bei 1,5.

Hohen Zuwanderungs- stehen hohe Abwanderungszahlen gegenüber: „Diese Menschen kommen nicht, um hier zu leben, sondern um zu arbeiten.“ Nach erledigtem Auftrag verlassen viele Deutschland wieder, so Mockenhaupt. Saisonarbeiter, Pflegekräfte und Helfer im Gastgewerbe: „Gerade die Gastronomie hat erhebliche Probleme, offene Stellen zu besetzen.“

Den steigenden Zuwanderungstrend sieht Mockenhaupt insgesamt positiv: „Wir als Wirtschaft sind daran interessiert, dass diese Menschen zu uns kommen.“ Dahinter verbergen sich die Folgen der alternden Bevölkerung: „Es ist absehbar, dass wir beim Beschäftigungspotenzial aufgrund der demografischen Entwicklung Probleme bekommen werden.“

Türkei: Negative Zuwandererbilanz

Im IHK-Bezirk macht der Anteil ausländischer Beschäftigter mit 31 000 rund sechs Prozent aller Arbeitnehmer aus. Allein ein Viertel davon stammt aus der Türkei. Allerdings: Für 2013 stehen 89 Anmeldungen aus der Türkei 100 Wegzügen gegenüber. Zuwandererbilanz: negativ. „Wir brauchen eine neue Willkommenskultur“, fordert Mockenhaupt. Das bedeute, dass Neuankömmlinge besser eingebunden werden müssten: „Das fängt bei der Sprache an, betrifft aber auch die Integration im nachbarschaftlichen Umfeld.“

 
 

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