Denkmal "Gruftenweg" in Siegen verrottet ohne Pflege

Statuen, Ornamente, Zierrat: Auch zugewachsen haben die Kunstwerke am Gruftenweg Charme und Zauber.
Statuen, Ornamente, Zierrat: Auch zugewachsen haben die Kunstwerke am Gruftenweg Charme und Zauber.
Foto: WP
Wohlhabende Siegener Familien bestatteten ab Ende 19. Jahrhunderts ihre Toten über Jahrzehnte hinweg in den kunstvollen Pracht-Gräbern des alten Gruftenwegs.

Siegen. Still und leise rotten weite Teile des Gruftenwegs auf dem Lindenbergfriedhof vor sich hin. Weniger leise beklagt die Stadt seit längerem den Verfall des denkmalgeschützten Ensembles. 2014 sollen die bisherigen Bemühungen sichtbar Bewegung in die Sache bringen: Ende Mai kehrt das restaurierte Christus-Mosaik an seinen Platz an der Luyken-Grabanlage zurück – und für November ist die Broschüre angekündigt, die Sponsoren und Käufer für einzelne Gruften begeistern soll.

Tradition wieder mit Leben füllen

„Das Thema geht weiter“, betont Stadtbraurat Michael Stojan im Gespräch mit der Redaktion. Eine Arbeitsgemeinschaft des Heimatvereins befasse sich intensiv mit der Historie des Gruftenwegs. Die Ergebnisse fließen in eine Broschüre ein, deren Veröffentlichungszeitpunkt nicht zufällig gewählt ist.

Im November 2014 ist der Gruftenweg „Denkmal des Monats“ im gleichnamigen Kalender der Arbeitsgemeinschaft historische Stadtkerne in NRW, Ausgabe Ostwestfalen-Lippe. „Das wollen wir nutzen“, sagt Stojan. „Wenn wir das Vorhaben öffentlichkeitswirksam präsentieren, denken sich bestimmt einige Menschen in der Region, dass es etwas für sie wäre.“

Idealerweise finden sich Privatleute, die die alten Grabanlagen als so genannte Erbbegräbnisstätte nutzen wollen. Zwar wäre je nach Zustand der jeweiligen Anlage der einmalige finanzielle Aufwand zu ihrer Restaurierung hoch. Bei dauerhafter Nutzung und Pflege aber seien die Kosten mittel- und langfristig überschaubar, ist der Stadtbaurat sicher.

Der Gruftenweg würde damit auch wieder die Funktion erfüllen, die ihm dereinst zugedacht war. Wohlhabende Siegener Familien bestatteten ab Ende 19. Jahrhunderts ihre Toten über Jahrzehnte hinweg in den kunstvollen, hochästhetisierten Pracht-Gräbern. Nur noch wenige sind heute aber in Gebrauch und werden erhalten. Viele Familien gibt es nicht mehr, oder das Interesse oder die finanziellen Möglichkeiten zur Unterhaltung der Bauten erlosch. Die Areale fielen an die Stadt – und die hat nicht das Geld, um alle zu retten.

Viele Schätze auf 300 Metern

Immerhin ließen sich im Haushalt 37.000 Euro für die Restaurierung eines besonderen Objekts mobilisieren. Das Christus-Mosaik am Luyken-Grabmal, vor einigen Monaten noch vom Verfall bedroht, kann in wenigen Wochen restauriert an seinen Platz zurückkehren. Schätze wie diesen gibt es im Gruftenweg reichlich. „Wir haben da ein hammermäßiges Zeugnis der Geschichte und Tradition", findet Stadtbaurat Stojan.

 
 

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