Das Zuhause der Zukunft denkt mit

Nico Vitt vom Smartlive-Projekt erläutert Konfigurations-Möglichkeiten eines Smarthome-Systems. Je nach Einstellung reagiert es auf Informationen. Das System schaltet beispielsweise Elektrogeräte aus, wenn niemand in der Wohnung ist.
Nico Vitt vom Smartlive-Projekt erläutert Konfigurations-Möglichkeiten eines Smarthome-Systems. Je nach Einstellung reagiert es auf Informationen. Das System schaltet beispielsweise Elektrogeräte aus, wenn niemand in der Wohnung ist.
Foto: Florian Adam
  • Uni Siegen erforscht mit Partnern Smarthome-Systeme
  • Probehaushalte testen Technik und geben Feedback
  • Wissenschaftler arbeiten an Lösungen zur Akzeptanzsteigerung

Siegen..  Die Stimme ist männlich, klingt freundlich, aber entschlossen. „Sie liegen ungewöhnlich lange im Bett“, stellt sie fest. „Ist alles in Ordnung?“ Wenn ja, reicht die Berührung eines Displays. Bleibt diese aus, alarmiert das Smarthome-System Angehörige, damit jemand nach dem Rechten sieht. Technik wie diese soll es Menschen künftig ermöglichen, auch im Alter in der eigenen Wohnung zu leben – und unabhängig vom Alter soll sie den Alltag komfortabler, sicherer, energiesparender machen.

Forschung

Das Smarthome, also das intelligente Zuhause, erforschen Wissenschaftler der Uni Siegen gemeinsam mit Partnern im Projekt „Smartlive“. Dies geschieht nicht hinter verschlossenen Labortüren, sondern im Praxistest. In rund 15 Haushalten hat das Team Smarthome-Lösungen verschiedener Hersteller installiert, um Erfahrungen von Nutzern im Alltag ermitteln zu können. Daraus lässt sich nämlich ableiten, was in der Praxis funktioniert – und was nicht.

Nutzen

Bereits heute sind Hard- und Software-Lösungen erhältlich, die eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten abdecken. Die Uni Siegen hat Showrooms eingerichtet, in denen Privatpersonen und Vertreter von Unternehmen sich in lebensnaher Szenerie Ein- und Überblick verschaffen können. Wesentliche Einsatzbereiche sind:

- Beleuchtung und Klima. Licht schaltet sich automatisch an und ab, je nachdem, ob jemand im Zimmer ist – wobei diverse Farben, Helligkeiten und Lichtstimmungen zur Auswahl stehen. Auch die Temperatur lässt sich so steuern.

- Sicherheit. Mittels Sensoren erkennt das System, ob in Abwesenheit der Bewohner Fenster oder Türen geöffnet werden oder ob sich jemand in der Wohnung bewegt. In solchen Fällen wird Alarm ausgelöst und eine Nachricht an die Bewohner rausgeschickt, die dann sogar via Kamera Livebilder aus der Wohnung auf dem Smartphone sehen können. Ein anderer Sicherheitsaspekt: Das System erkennt, wenn der Herd noch eingeschaltet ist, obwohl sich niemand in der Wohnung aufhält – und schaltet ihn ab.

- Energie. Sensoren zeigen dem System an, dass ein Fenster geöffnet wurde, woraufhin die Heizungen abgestellt werden. Oder der Rechner schaltet sämtliche Elek-trogeräte aus, sobald die Bewohner das Haus verlassen. Außerdem liefert die Technik Daten über den Energieverbrauch einzelner Geräte und entlarvt Stromfresser.

- Leben im Alter. Ein Smarthome-System könne alte Menschen „bei einem autonomen Leben unterstützen“, sagt Projekt-Mitarbeiterin Corinna Ogonowski. Drucksensoren an der Matratze erkennen etwa, wenn jemand sehr lange im Bett liegt. Andere technische Vorkehrungen registrieren, ob die Kaffeemaschine wie gewohnt benutzt wird oder ob in der Wohnung Bewegung stattfindet. Wenn nicht, erhalten Verwandte oder Pflegedienste eine Mitteilung. Es gibt sogar Pillendosen, die Meldung geben, ob sie planmäßig geöffnet wurden, oder Blutdruckmesser, die Werte ans System und an Angehörige übermitteln. „Es ist Kontrolle, aber möglichst ohne dass die Leute sich kontrolliert fühlen“, sagt Ogonowski. Das klinge in der Theorie gruseliger als in der Praxis, immerhin könne eine solche Technik den Umzug ins Heim ersparen.

Probleme

Die Forscher haben in den bisher zwei Jahren des insgesamt dreijährigen Projekts vier Hauptprobleme im Zusammenhang mit Smarthome-Systemen identifiziert – und arbeiten an Lösungen:

- Information. „Es gibt viele Insellösungen auf dem Markt“, sagt Tim Piereck vom Team. Verschiedene Anbieter konkurrieren mit ihren jeweiligen Systemen, was es für Laien unübersichtlich macht.

- Pairing. Das System muss alle Geräte, mit denen es kommunizieren soll, erkennen. Je mehr Arbeit das vom Nutzer erfordert, umso geringer die Akzeptanz.

- Szenarien. Nach Erkennen der Geräte muss das System wissen, wie es auf Information reagieren, sprich, was es tun soll. Die Wissenschaftler arbeiten an so genannten Szenarien, also Komplettpaketen, die Usern die Einstellung erleichtern – damit nicht für jede Eventualität eine Reaktion eingegeben werden muss.

- Visualisierung. Unterschiedliche Systeme stellen ihre Inhalte unterschiedlich dar. Das Team arbeitet an einer Software, die alle Daten erfasst und über eine einzige Oberfläche gleichzeitig darstellen kann.

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