Das Schulbuch im Jahr 2020 ist ein Tablet

Siegen..  Eine Studie der Universität Siegen hat sich mit den Anforderungen an das elektronische Schulbuch beschäftigt. Dr. Michael Schuhen, Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung (ZöBiS), und sein Team haben dazu Lehrer und Studenten gebeten, den Klassenraum von morgen zu konstruieren. Künftig wird es demnach kleinere Lerngruppen mit 15 bis 20 Schülern geben, der Lehrer wird zum Berater. Das Tablet wird von 54 Prozent der Befragten als Leitmedium gesehen. Auch der herkömmliche Computer wird auf Dauer vom Tablet abgelöst. Drei Thesen der Siegener Wissenschaftler im Überblick.

Z Der Unterricht der Zukunft wird über Tablets vernetzt.
„Das Konzept Schulbuch sah und sieht meist vor, dass die Schüler nicht machen, sondern nur mitmachen. Der Lehrer sagt an, wo es langgeht, und verlässt sich dabei auf die wohl durchdachte Struktur und die inhaltliche Korrektheit des Schulbuchs“, erklärt Dr. Schuhen. In den kommenden Jahren würden Lehrer dazu übergehen, Schüler anzuleiten und Aufgaben individuell und elektronisch zur Verfügung zu stellen. So können ganze Aufgabenkomplexe von jedem Einzelnen je nach Wissensstand und Lerntempo bearbeitet werden. Es kann auch in der Gruppe interaktiv über ein Thema mit vernetzten Tablets diskutiert und kooperiert werden – im Klassenraum, unterwegs und zu Hause. Der Lehrer kann sich jederzeit dazu schalten. Die Tafel wird durch interaktive Projektionsflächen ersetzt, Inhalte der elektronischen Schulbücher werden visuell und auditiv ergänzt. Lesen, Textarbeit und persönliche Gruppendiskussionen verschwinden aber nicht komplett.


Z Bis zum Jahr 2020 gibt es die neue Lernkultur.
Prof. Dr. Hans Jürgen Schlösser, Vorsitzender des ZöBiS, geht davon aus, dass bis 2020 eine neue Lernkultur in den Klassenzimmern Einzug gehalten haben wird. Jüngste empirische Studien belegen, dass mit elektronischen Schulbüchern ein effektiveres Lernen möglich ist.


Z Die neuen Medien erhöhen die Motivation der Schüler und führen zu mehr Lernerfolgen. Die Wissenschaftler Michael Weyland und Manuel Froitzheim vom ZöBiS haben zum Thema „Experimentelle Lernarrangements für das elektronische Schulbuch im Fach Sozialwissenschaften“ geforscht und sind zum Ergebnis gekommen, dass durch den Einsatz virtueller ökonomischer Experimente im Vergleich zum klassischen Unterricht nicht nur die Motivation bei Schülern gestiegen ist. Es wurden auch substanzielle Lernzuwächse in den Bereichen „Wissen und Verstehen“ sowie „Anwendung und Transfer“ nachgewiesen.

Bisher gebe es sehr wenige qualitativ gute elektronische Schulbücher, sagt Prof. Schlösser. Häufig finde man das klassische Buch als pdf-Datei mit wenigen weiteren Funktionen. „Es ist nicht unser Ansinnen, mehr Technik um ihrer selbst willen in den Unterricht zu bringen“, sagt Prof. Schlösser. Es solle vielmehr eine neue Lernkultur ermöglicht werden, die für jeden Einzelnen einen Mehrwert schafft.

 
 

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