Bürgerinitiative Burbach – Demontage bei der Gründung

Boris Schopperund Hendrik Schulz
Gründungsversammlung der Bürgerinitiative für Sicherheit und Gemeinsamkeit in der Flüchtlingsunterkunft.
Gründungsversammlung der Bürgerinitiative für Sicherheit und Gemeinsamkeit in der Flüchtlingsunterkunft.
Foto: Hendrik Schulz
Die Bürgerinitiative für Sicherheit und Gemeinsamkeit in Burbach hat sich am Dienstagabend auf ihrer Gründungsversammlung im Bürgerhaus der Gemeinde Burbach zwischen den Interessenfronten zerrieben. Dem Sprecher der Initiative, Frank Quandel, glitt die Veranstaltung mit zunehmender Dauer durch die Hände.

Burbach.  Schließlich wurde einer der Mitinitiatoren aus dem Publikum – fast 100 Bürger waren gekommen – beschuldigt bei Facebook mit der rechtsextremen Partei Pro NRW sympathisiert zu haben und dort selbst rechtsnationale Statements gepostet zu haben.

Dabei hatte Frank Quandel, der Wortführer der Initiative, zuvor allen rechtsextremen Tendenzen eine deutliche Abfuhr erteilt. Fünf Skinheads wurden gestern erst überhaupt nicht in den Saal gelassen. Aus der Facebook-Gruppe, aus der die Bürgerinitiative hervorgehen sollte, habe er 19 Personen ausgeschlossen, die rechten Gruppen nahe stehen, deren Posts lösche er aus der Chronik. „Wir distanzieren uns ganz klar von rechtem Gedankengut“, hatte Quandel betont.

Ziele vorgestellt

Diese Distanzierung nimmt man Quandel selbst ab. Mit der Gründung einer Bürgerinitiative, die das prekäre Thema Flüchtlinge in Burbach und damit einhergehende Problem im Ortskern aufgreift, war der Burbacher aber überfordert. Einen mehrere Punkte umfassenden Plan hatte der Gründungsausschuss, der nach eigenen Angaben aus fünf Personen besteht, von denen aber drei öffentlich nicht genannt werden möchten, aufgestellt. Im Kern fordert die Initiative eine Mitbestimmung darüber, welche Nationen in die Flüchtlingsunterkunft nach Burbach verwiesen werden, eine Unterrichtung in „Verhaltensregeln und Umgangsformen“ und ein Alkoholverbot im Ortskern. Dazu soll die Bürgerinitiative sich für die Schaffung von Freizeitmöglichkeiten in der Burbacher Notunterkunft einsetzen. Die Bürgerinitiative hatte sich zusammengefunden, weil ihrer Meinung nach ein Teil der Asylbewerber im Ort für Unruhe sorgt: Diebstähle, exzessiver Alkoholgenuss oder Pöbeleien. „Es ist nur ein ganz geringer Teil der Flüchtlinge“, sagt Quandel immer wieder. Das haben auch die schärfsten Kritiker der Notunterkunft verstanden.

Viele Bürger möchten sich aber nicht mehr weiter einsetzen, keine Spielplätze bauen oder Kleidung spenden – hier sind auch Kirchen und viele andere bereits in Burbach sehr aktiv. „Jetzt sind unsere Interessen an der Reihe“, ruft einer erregt nach langer Diskussion. Quandel, eigentlich noch mitten in der Vorstellung seines Konzepts, versucht zu vermitteln: Nur wenn sich die Situation in der Unterkunft bessert, die Menschen dort etwas zu tun haben, tut sich auch im Ortskern etwas. Den Burbachern fehlt ein Sprachrohr für ihre Interessen, sie setzten ihre Hoffnungen in die Initiative. Offenbar wird: Es fehlt an Information und Aufklärung.

Der Ärger der Bürger

Quandel wollte eigentlich die Interessen der Burbacher bündeln, ihre Situation verbessern, als Moderator auftreten: Indes: Er wird selbst zur Zielscheibe. Irgendwo muss sich der Ärger Luft machen. Zwischen den politischen Interessen mehrerer Lager ist die Initiative eingekeilt, bevor es losgeht. Eine Demontage auf der Gründungsversammlung. Manche Bürger wollen die Problemfälle unter den Asylsuchenden gleich aus ihrer Gemeinde verbannen, ein anderer fordert: „Die sollen doch selbst putzen oder in ihrem Dreck leben.“ Wie lange man denn noch mit der Flüchtlingsunterkunft leben müsse, will ein anderer wissen. „Das können fünf Jahre werden“, sagt Quandel, der das von offizieller Seite gehört haben will. Gegrummel. „Hier wird man nur belogen“, ruft ein Bürger. Die Notunterkunft war ursprünglich für einige Monate seitens der Bezirksregierung als Provisorium konzipiert. Dass in einer dauerhaften Lösung eine Chance steckt, sieht der Mann nicht: Denn würde Burbach den Status einer dauerhaften Einrichtung erhalten , könnte dort investiert werden. Das käme auch den Burbachern bei ihrer Situation vor Ort zugute.