Brandstiftung im alten JVA-Gebäude am Unteren Schloss in Siegen

Brandstiftung im Unteren Schloss in Siegen: Die Feuerwehr löschte das Feuer im früheren JVA-Gebäude.
Brandstiftung im Unteren Schloss in Siegen: Die Feuerwehr löschte das Feuer im früheren JVA-Gebäude.
Foto: Jürgen Schade
Brandstiftung ist höchstwahrscheinlich die Ursache für das Feuer im leer stehenden Gebäude der ehemaligen JVA in Siegen. Das ergaben die Ermittlungen der Kripo. In der früheren Pförtnerloge im Unter Schloss brach vergangene Nacht das Feuer aus. Der Schaden wird auf 100.000 Euro geschätzt.

Siegen. Bei einem Brand im Wittgensteiner Flügel des Unteren Schlosses sind in der Nacht auf Mittwoch rund 100 000 Euro Sachschaden entstanden. Die Feuerwehr hatte Probleme ins Gebäude zu gelangen. Das ehemalige Gefängnis ist noch immer stark gesichert. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Feuerwehr hat Brand schnell unter Kontrolle

Mit Äxten versuchten die Feuerwehrmänner, Fensterscheiben aus Sicherheitsglas einzuschlagen – vergeblich. Mit einem Trennjäger frästen sie schließlich die eisernen Gitterstäbe durch und schnitten die Scheiben heraus. „Es war schon tricky“, sagte ein Feuerwehrmann. Die Feuerwehr hatte den Brand dann schnell unter Kontrolle. Um den Qualm aus dem Haus zu blasen, wurden Hochleistungslüfter eingesetzt.

Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen von Brandstiftung aus. „Ein technischer Defekt kann ausgeschlossen werden“, sagte Polizeisprecher Georg Baum. Wie die Täter ins Gebäude kamen, teilte die Polizei am Mittwoch nicht mit „Das ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Baum.

Womöglich drangen sie über den hinteren Teil ins Haus ein. Seit Herbst habe es mehrere kleine Sachbeschädigungen an den leerstehenden Gebäuden am Unteren Schloss gegeben. „Das war alles im Bereich von kleineren Straftaten. Wir prüfen jetzt einen Zusammenhang“, so Baum.

Hinweise auf Brandstiftung in ehemaliger Pförtnerloge

Im Bereich der ehemaligen Pförtnerloge fanden die Brandermittler Hinweise, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Dort ist der Ab größte Schaden entstanden. Weitere Komplexe sind mehr oder weniger durch Ruß beschädigt.

Womöglich wurde Brandbeschleuniger benutzt. Die Polizei setzte einen Brandmittel-Spürhund von der Landespolizeischule Schloß Holte-Stukenbrock ein, der dafür ins Siegerland gebracht wurde. Der Belgische Schäferhund Kimba wurde 15 Minuten durch das Gebäude geführt. Das Tier schnüffelt an Stellen, zu denen ein Mensch kaum vordringen kann, und bellt, wenn es etwa Terpentin, Petroleum oder Benzin riecht. Mit Sicherheit kann die Polizei erst am Donnerstag sagen, ob die Täter Brandbeschleuniger benutzten.

Die Polizei in Siegen bittet mögliche Zeugen, denen am Dienstagabend bzw. in der Nacht zu Mittwoch verdächtige Personen im Bereich der ehemaligen JVA oder des unteren Schlosses aufgefallen sind, um Hinweise unter der Rufnummer 0271-7099-0.

Eigentümer zieht erste Bilanz - Einzug der Uni nicht gefährdet

Nach Abschluss der polizeitechnischen Untersuchung gab die Staatsanwaltschaft das Gebäude frei, und eine Delegation des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW, der Eigentümer des Gebäudes, konnte sich ein erstes Bild machen. Der Bereich der ehemaligen Pförtnerloge ist völlig zerstört. Die umliegenden Räume sind durch Ruß stark verschmutzt, andere Komplexe nur leicht beschädigt.

Der Wittgensteiner Flügel steht unter Denkmalschutz. Er soll saniert und künftig von der Universität Siegen genutzt werden. „Durch den Branschaden entsteht natürlich eine zusätzliche Belastung“, sagte BLB-Sprecher Jörg Fallmeier. Nach einer ersten Bewertung gehe er aber davon aus, dass sich der Einzug der Uni nicht weiter verzögere, da im Inneren zunächst Abrissarbeiten anstehen.

Uni zieht erst im April 2016 ein

Der ursprüngliche Bauzeitplan kann wegen eines Verzugs im Genehmigungsverfahren ohnehin nicht mehr gehalten werden. Statt zum Wintersemester 2014/2015 zieht die Uni erst im April 2016 ein. Der BLB will jetzt eigene Gutachter beauftragen, die prüfen sollen, ob Schadstoffe freigesetzt wurden.

 
 

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