Blick zurück auf eine kreative Zeit

Rudolf Biermann wird heute 70 Jahre alt
Rudolf Biermann wird heute 70 Jahre alt
Foto: Otmar Kuhn

Kreuztal-Krombach..  Rudolf Biermann hat seinen Frieden geschlossen mit den Kreuztalern. Vor knapp drei Jahren wählten sie den ersten hauptamtlichen Bürgermeister aus dem Amt. Schwer fiel ihm der Abschied, lange brauchte er, um es zu verkraften: „Ein Jahr lang habe ich darunter gelitten“, blickt Rudolf Biermann auf die Zeit nach Oktober 2009.

Dass er das nur „geliehene“ Amt einmal wieder zurückgeben müsste, war ihm von vornherein klar. Nur: Die Trennung war schmerzhaft. „Die Halbwahrheiten und Verspottungen“, wie er manche Aussagen im Kommunalwahlkampf vor drei Jahren empfunden hatte, hinterließen doch länger anhaltende Verletzungen.

Quälend lange Namensdiskussion

Dass auch die politische Großwetterlage ihn aus der geliebten Funktion vertrieb, hat Rudolf Biermann im Nachhinein für sich analysiert. Da war der in der Bevölkerung kritisierte Verkauf der Erler-Siedlung an einen Investmentfonds, den die damalige CDU/FDP-Landesregierung veranlasst hatte, oder das umstrittene Kinderbildungsgesetz mit seiner unvollständigen Finanzierungsregelung und als Kreuztaler Besonderheit die 2008 von den Grünen initiierte quälend lange Diskussion über die Namensgebung für das damalige Friedrich-Flick-Gymnasium.

Biermann hatte sich in seiner eigenen Partei, der CDU, wegen seiner Haltung in dieser Frage eine Menge Feinde gemacht: „Es ging nicht gegen Flick und seine Verdienste für die Stadt, sondern darum, ein öffentliches Gymnasium nicht mit dem Namen zu belasten.“ Die Quittung bekam er Ende August 2009 in den Wahlkabinen: „Viele haben mir deshalb die Stimme versagt“, weiß der Ex-Bürgermeister.

Aber Rudolf Biermann, der an diesem Samstag das 70. Lebensjahr vollendet, kann längst unbelastet auf diese zehn Jahre schauen, die er eine „schöne, kreative Zeit“ nennt. Dazu fallen ihm das Bündnis für Familie, der Kulturbahnhof oder die Entwicklung des Heugrabens ein. Dass es mit dem Mehrgenerationenwohnen nicht geklappt hat, bedauert Biermann ausdrücklich: „Wir hatten die Hoffnung, dass diese Wohnform sich durchsetzt.“

Als umtriebiges Stadtoberhaupt versuchte er, jegliche parteipolitischen Dünkel aus seiner Arbeit herauszuhalten, stimmte nicht selten mit der „Opposition“. Die Nähe zu den Bürgern war ihm immer wichtig. Besonders die Ehrungen am Jahresende, bei denen Ehrenamtler und einfache Bürger, die in ihrem Umfeld Gutes tun, eine städtische Anerkennung bekamen, sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen. „Das waren oft bewegende Momente“, erinnert sich Rudolf Biermann.

Seit der unfreiwilligen Pensionierung mit immerhin 67 Jahren kümmert sich Biermann um Haushalt und Garten. Politik betrachtet Rudolf Biermann nur noch aus der Ferne, vermisst aktuell eine gewisse Lebendigkeit nach den bewegten Jahren, in denen er dem Rat vorsaß. Am meisten konnte seine noch junge Tochter Elena dem Abschied vom Bürgermeisteramt abgewinnen, da Rudolf Biermann seither viel Zeit mit ihr verbringen kann: „Papi, gut dass du jetzt immer zu Hause bist.“ Am heutigen Geburtstag sind die Biermanns in der Ferienwohnung an der Nordsee. Silke Biermann hat ihrem Mann eine Schnellbootfahrt nach Helgoland geschenkt. Hausmann Rudolf Biermann sieht es praktisch: „Da kann ich billig einkaufen.“

 
 

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