Bewährung für jungen Einbrecher

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Siegen.  Am 7. August 2012 treffen sich drei Männer in einer Bar in Polen und sprechen die Einzelheiten eines Einbruchs ab. Zwei Tage später führen sie ihn aus. Im Siegener Karstadt. Warum ausgerechnet die Krönchenstadt, blieb gestern im Schöffengericht ungeklärt. Aber ein Mitglied des Trios bekam ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, wegen schweren Einbruchs unter Mitführung einer Waffe.

Der 24-Jährige sitzt seit August in Attendorn, war als einziger auf der Flucht gefasst worden. Er selbst hatte am 9. August gegen 3 Uhr morgens mit einem schweren Vorschlaghammer ein Fenster neben der Tür des Kaufhauses eingeschlagen. Einer seiner Komplizen, von denen der junge Pole nur die Vornamen kennen will, zertrümmerte mit einem spitzen Zimmermannshammer diverse Vitrinen. Gemeinsam packten die Täter dann Schmuck im Wert von rund 44.000 Euro in eine Tasche, die sie jedoch zurückließen, als plötzlich starker Rauch auftrat.

Die Sicherungsmaßnahmen veranlassten die Männer zur Flucht, der Angeklagte wurde etwas später von der Polizei aufgegriffen. Der Schmuck wurde sichergestellt, allerdings entstand zusätzlicher Sachschaden von 38.000 Euro. Er sei von den anderen beiden angerufen worden, sagte der Gefasste aus. Er habe die Mittäter durch „gemeinsame Bekannte aus dem Gefängnis“ kennengelernt. Ihm sei ein Anteil aus dem Erlös versprochen worden, Einzelheiten habe er nie gekannt. Von weiteren geplanten Taten wisse er nichts.

„Ich komme für so was nicht mehr nach Deutschland“, wehrte sich der unruhig wirkende junge Mann gegen den Vorwurf, Teil einer Bande zu sein. „Sie haben die Arschkarte gezogen, die anderen haben Sie mit dem Hammer vorgeschickt“, machte ihm Richter Uwe Stark in gewohnter Deutlichkeit klar.

Das mit dem Hammer war dem Angeklagten ein Rätsel. Das sei doch keine Waffe, wunderte er sich. „Nach dem deutschen Recht schon, wenn sie so etwas mitführen und möglicherweise jemandem begegnen und ihm den Schädel modellieren“, erklärte Stark. Dann müssten doch alle Handwerker auf einer Baustelle bewaffnet sein, blieb der 24-Jährige dennoch skeptisch.

Staatsanwältin Bettina Dickel verlangte 22 Monate ohne Bewährung, auch wenn der Angeklagte eher das „kleine Licht“ des Einbrechertrios gewesen sei. Verteidiger Uli Schmidt stimmte ihr in dieser letzteren Einschätzung zu und plädierte für eine Bewährung. Die Untersuchungshaft sei bereits eine Lehre für den Mandanten gewesen. Das Gericht folgte dieser Anregung.

Er hoffe auch, dass der Angeklagte es ihm Gefängnis nicht schön gefunden habe, sagte Richter Wolfgang Stark.

 
 

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