Autos zertrümmern, ganz legal - Test auf dem Schrottplatz

Die Frontscheibe besteht aus Verbundglas und geht deshalb nicht so leicht zu Bruch.
Die Frontscheibe besteht aus Verbundglas und geht deshalb nicht so leicht zu Bruch.
Foto: Jennifer Wirth
Autos zertrümmern auf einem Schrottplatz – In Eiserfeld unter der Siegtalbrücke ist das möglich. Das Angebot der Utsch Recycling GmbH in Test.

Eiserfeld.. Erdnussflips und Griechischer Joghurt, der extra fette. Am 15. Januar 2015 kaufte die Corsafahrerin im Olper Lidl Nervennahrung. Vielleicht hatte sie – es war bestimmt eine sie – einen schlechten Tag... Der Kassenbon, er steckte im Seitenfach, weckt mein schlechtes Gewissen. Der rote Corsa B, dem ich gerade mit Wonne die Seitenscheibe zertrümmert habe, hat eine Geschichte. Er fuhr seine Besitzerin treu von Olpe in die weite Welt. Nach Wenden oder Welschen Ennest...

Seemannsfluchen und klopfende Geräusche stoppen mein Kopfkino. Kollegin Wirth hackt mit einem Montiereisen auf die Frontscheibe ein. Klitzekleine Löcher entstehen. Mehr nicht. „Das ist Verbundglas. Das hält eine Menge aus“, erklärt Christoph Neuser, Geschäftsführer der Utsch Recycling GmbH, mit einem breiten Grinsen. Die sicherheitsbebrillten Frauen, die im Nieselregen versuchen ein Kfz zu zerstören, scheinen ein amüsanter Anblick zu sein. Keinen Schimmer warum. Unterdessen entwickelt die Kollegin einen gewissen Ehrgeiz und hackt im Selbstgespräch weiter. Glas gegen Wirth.

Sprüche kloppen

Auf dem Kofferraum pappt ein Schalke-Aufkleber. Ich schwinge den Vorschlaghammer und kloppe die Scheibe kaputt. Kein Verbundglas. Yeah. Jetzt die Rücklichter. Krawumm. Kaputt. Der Seitenspiegel! Ein Kinderspiel. Wie zwei kleine Kinder laufen wir grinsend um den roten Flitzer, kloppen auf Blech, kloppen hier, mal da. Ein Abenteuerspielplatz auf vier Rädern mit einem wippenden Pina-Colada-Duftbaum am Rückspiegel.

Allerdings – und da muss ich ganz ehrlich sein – sieht der 16 Jahre alte Corsa auch nach 30-minütiger Wirth-und-Wiese-Bearbeitung eher nach Park- als nach Totalschaden aus. Was ja einerseits beruhigend ist, schließlich soll uns ein Auto ja auch bei einem Unfall schützen. Aber andererseits, möchten wir hier doch schon Spuren hinterlassen. Beulen, Krater, Splitter. Vielleicht liegt es an der Technik, anders kann ich mir Neusers Satz ehrlich gesagt nicht erklären: „Den Hammer kannste ganz hinten anfassen, der ist ganz bezahlt.“

Rauf aufs Autodach

Aber auch die Kollegen vom Schrottplatz kloppen Sprüche. Selbst Schuld, wenn man einen Termin zur Mittagszeit ausmacht: „Den mach’ ich mit einer Hand kaputt“, sagt der Harald. Pffft. „Immer auf die weichen Stellen beim Auto. Dann geht das ganz fix“, rät der Thorsten. Weiche Stellen beim Auto? Die Rückbank, oder was? Scherzkeks.

Mit einer ungemeinen Eleganz krabbel ich auf das Autodach. Das wollte ich ja schon immer mal machen. Ich liebe meinen Beruf. Los! Los! Los! Man reiche mir den Hammer! Den HAMMER! Ich recke die Arme nach oben und komme mir vor wie eine Mischung aus Thor und Rocky. Hier so unter der Siegtalbrücke, im Regen. Wie ein harter Hund. Also fast. Ein bisschen vielleicht. Aua, ich habe Rücken. „Mir tun die Arme weh“, sagt Kollegin Wirth. Reicht ja jetzt auch mit Zerstörung, oder?

Was noch?

150 Euro kostet es für eine Gruppe mit bis zu fünf Personen, die ein Kfz zertrümmern möchte. Kontakt zu Utsch Recycling, 0271/25 09 39 15. Oder hier .

2000 Autos bereiten die Mitarbeiter pro Jahr auf dem Gelände An der Siegtalbrücke 16 für die Zerschrottung vor. Zur Zeit der Abwrackprämie waren es 11 500 Autos. Die krassesten Fälle damals: Ein Seat Arosa, der nur 23 000 Kilometer auf dem Tacho hatte und ein topgepflegter Buckelvolo, den ein junger Mann von seinem Opa geerbt hatte. Autofan Christoph Neuser: „Da blutete mir das Herz.“

20 Mitarbeiter zerlegen auf dem 11 000 Quadratmeter großen großen Firmengelände in Eiserfeld fach- und umweltgerecht bis zu 25 Karosserien am Tag.

Folgen Sie uns auch bei Facebook .

 
 

EURE FAVORITEN