Armin Halle hat Geschichte miterlebt

Stunde zum Tag der Deutschen Einheit in Dahlbruch
Stunde zum Tag der Deutschen Einheit in Dahlbruch
Foto: WR

Hilchenbach-Dahlbruch.. Armin Halle hat ein bewegtes Leben hinter sich: als einer der ersten Bundeswehrsoldaten, als Journalist und enger Mitarbeiter eines Bundeskanzlers. Der 75-Jährige repräsentiert eine Generation, die den 2. Weltkrieg erlebt und auch die Nachwirkungen professionell verfolgt hat – bis hin zur Wiedervereinigung vor 21 Jahren.

Am Beispiel eines heute 30-Jährigen machte Armin Halle am Montag bei der Feierstunde der Stadt Hilchenbach zum Tag der Einheit im Dahlbrucher Gebrüder-Busch-Theater deutlich, wie leicht der 3. Oktober in den Hintergrund treten kann: „Es ist nicht mehr als ein historisches Datum. Beinahe so weit weg wie für meine siebenjährige Enkelin Groschen und D-Mark.“

Den Prozess der deutschen Wiedervereinigung reflektierte Halle aus seiner ganz persönlichen Sicht, gibt es doch nicht sehr viele Zeitgenossen, die so nah dran waren. Oder wie er sagte: „Manche Abschnitte der deutschen Geschichte habe ich hautnah miterlebt.“

Erste Schritte zur
Rüstungskontrolle

Weil er als Journalist über Sicherheitspolitik schreiben wollte, ging Armin Halle zur Bundeswehr. Danach kam er zum Bayerischen Rundfunk, von dort warb ihn die Süddeutsche Zeitung ab. Für das Blatt war Halle auch 1967 beim Sechs-Tage-Krieg in Israel und Ägypten unterwegs.

Zu der Zeit galt der Atomwaffensperrvertrag als umstritten. Armin Halle erkannte darin einen ersten Schritt zur Rüstungskontrolle und Abrüstung. Weil er sich darüber Gedanken machte, wurde der damalige Verteidigungsminister Helmut Schmidt auf ihn aufmerksam und berief Halle als Pressesprecher.

Insiderwissen verrät Halle, der heute als Medientrainer Politiker berät, wenn er über die neue Ostpolitik der sozialliberalen Koalition nach 1969 berichtet. Offiziell war dies für die Opposition indiskutabel. Nur hinter den Kulissen erlebte Armin Halle eine andere CDU: Der seinerzeit führende Politiker Rainer Barzel habe durchaus Sympathien für eine Annäherung zwischen NATO und Warschauer Pakt gezeigt.

Andere Sicht auf strittige Themen

Später, als Redenschreiber bei Bundeskanzler Helmut Schmidt, hatte Halle naturgemäß in den 1980er Jahren eine gänzlich andere Perspektive auf den NATO-Doppelbeschluss, der die Friedensbewegung groß machte und Anlass für Großdemonstrationen gewesen ist. Tatsächlich sei niemals eine amerikanische Pershing II-Rakete in Deutschland stationiert worden.

Den Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung erlebte Halle dann als Chefredakteur von Sat 1. Dies sei das Ergebnis eines Prozesses gewesen, für den er Ostpolitik und Doppelbeschluss als entscheidende Voraussetzungen sah. Jetzt müsse es um die Einheit Europas gehen – über eine gemeinsame Währung hinaus müsse die wirtschaftliche Einheit hergestellt werden.

 
 

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