Anklage wirft Frau aus Wilnsdorf Meineid vor

Siegen..  Jeder Zeuge bekommt die Belehrung vor seiner Aussage zu hören, dass er die Wahrheit sagen muss und sich im Falle einer Lüge selbst einem möglichen Verfahren aussetzt. Und das unabhängig, ob eine Vereidigung erfolgt, oder nicht. Tatsächliche Folgen sind allerdings vergleichsweise selten. Aber nicht unmöglich, wie am Dienstag im Siegener Schöffengericht zu beobachten war. Am Ende des Meineid-Verfahrens stand schließlich aber ein Freispruch.

Der Grund für das Verfahren

Eine junge Frau aus Wilnsdorf hatte vor einigen Monaten vor Gericht erklärt, von ihrem inzwischen geschiedenen Mann übel beschimpft worden zu sein, als sie am Abend des 27. Oktober 2013 ihre Kinder bei ihm abholen wollte. Außerdem habe er ihre Mutter geschubst und sie selbst am folgenden Morgen gewürgt und geschlagen. Ausgerechnet ihre Mutter wies alle diese Angaben in ihrer Aussage zurück. Anja Maria K. (30) beschwor ihre Angaben, das Gericht glaubte jedoch der Mutter und sprach den Mann frei. Anja Maria K. bekam ein Verfahren wegen Meineids.

Zur Folge-Verhandlung reiste die Angeklagte aus Hessen an und bekräftigte ihre damalige Darstellung: „Ich habe nicht gelogen.“ Für das Verhalten ihrer Mutter hatte sie eine einfache Erklärung. Die sei immer gegen eine Trennung gewesen. „Mein Ex-Mann hat mir damals versprochen, es werde ihm garantiert gelingen, meine Mutter auf seine Seite zu bringen. Sie ist ihm hörig, ich weiß nicht, warum“, sagte die Angeklagte hörbar betroffen. Sie besuche ihre Tante im Siegerland noch regelmäßig und lasse die Kinder zur Oma. Ihr eigenes Verhältnis zur Mutter beschränke sich auf ein „Hallo und Auf Wiedersehen“.

Im Zeugenstand äußerte sich schließlich die 51-Jährige Mutter nicht zur Sache. „Ich sage nichts“, machte sie mehrfach in einem Ton deutlich, den Staatsanwältin Bettina Dickel als „schnippisch“ bezeichnete. Der frühere Ehemann wurde nicht mehr gehört.

Gericht berät nur kurze Zeit

Sie könne nicht sagen, was tatsächlich geschehen sei, fasste die Staatsanwältin kurz zusammen. Sie beantragte Freispruch. Verteidiger Steffen Reppel stimmte zu, das Gericht nach kurzer Beratung ebenfalls. Das Verfahren sei ein Beispiel, wie „ein Pipifax zu einem Verfahren mit Verbrechensvorwurf“ werde, das nicht so einfach vom Tisch zu bekommen sei, stellte Richter Uwe Stark abschließend kritisch fest.

EURE FAVORITEN