Acht Akkus vertreiben die Finsternis

Photovoltaik-Anlage für die Kirche in Mkuza.
Photovoltaik-Anlage für die Kirche in Mkuza.
Foto: privat

Kredenbach..  Und wieder stand Luise Flender im Dunkeln, und mit ihr ihre Gastgeber in der evangelischen Kirche in Mkuza, keine 50 Kilometer von der schnell wachsenden Metropole Daressalam entfernt, der Hauptstadt Tansanias. Die Kirchentür wurde geöffnet, jemand fuhr sein Auto heran und schaltete das Fernlicht ein. „Das passierte nicht nur einmal“, erzählt Luise Flender von ihrem Besuch bei den Partnern der evangelischen Kirchengemeinde Ferndorf/Kredenbach.

Das war 2009. Die Idee ist da, wächst und wird mit zweieinhalb Jahren Spendensammlung realisiert. Ende vorigen Jahres ist die Photovoltaikanlage in Betrieb gegangen. Zwölf Kollektoren laden die acht Akkus mit einer Leistung von 1250 Kilowatt auf. Das reicht, um den Bedarf der Kirche und ihres regen musikalischen Lebens zu decken. Der ist nämlich groß: Vier Stunden sind nichts für den Sonntagsgottesdienst in der lutherischen Gemeinde, dem sich um 11 Uhr noch die Versteigerung mitgebrachten Hausrats und gespendeter Lebensmittel zugunsten der Kirchenkasse anschließt. 600 bis 700 der 1400 Gemeindeglieder kommen dazu allemal zusammen.

10 000 Euro gesammelt

Ein imposantes Gemeindeleben, das dazu führt, dass gerade eine neue, größere Kirche gebaut wird. Da zahlt sich die Entscheidung aus, die Solarmodule nicht aufs (alte) Kirchendach zu setzen, sondern auf ein eigenes Gerüst. So, das war die Überlegung in Mkuza, kommt man bei Reparaturen einfacher dran. Denn dass die Gemeinde sich selbst um Betrieb und Wartung der Anlage kümmert, war eine der Bedingungen des Kreuztaler Engagements. Die andere: Die Anlage sollte von örtlichen Herstellern gebaut werden – „auch wenn es ein paar Euro mehr kostet“, sagt Luise Flender. Einen kleinen Kostenbei­trag für die Unterhaltung der Anlage können die Christen in Mkuza übrigens sogar selbst einspielen: indem sie gegen Gebühr, die Smartphones der Dorfbewohner ans Akku lassen. „Bisher mussten die Leute dazu mit dem Bus ins nächste Dorf fahren.“ Das Stromnetz...

10 000 Euro hat der Partnerschaftskreis der Kirchengemeinde schließlich gesammelt: mit Benefizkonzerten und Spenden von Geburtstagsfeiern, mit phantasievollen Aktionen der Konfirmanden und dem Verkauf von Kirchenmäusen, die der Kredenbacher Bäcker Bernhard Fischer gebacken und gespendet hat, vor allem aber natürlich mit dem Klingelbeutel, der vier Mal im Jahr sonst für diakonische Zwecke der eigenen Gemeinde herumgeht.

Herausgekommen ist dabei auch so etwas wie ein Geburtstagsgeschenk: Der Partnerschaftsgottesdienst im Herbst, wie immer gleichzeitig an beiden Orten mit gleichen Bibeltexten und gleichen Gebeten, ist ein Jubiläumsgottesdienst. Zum 20-Jährigen sollen die Partner noch präsenter sein: „Wir könnten eine Telefonkonferenz schalten“, überlegt Luise Flender, „ich weiß nur noch nicht wie.“ Am Strom wird’s jedenfalls nicht scheitern.

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