Zwischen Auskiesung und Naturschutz

Das Kieswerk der Firma Hülskens in Eversael.
Das Kieswerk der Firma Hülskens in Eversael.
Foto: WAZ FotoPool
SPD-Bundestagskandidat Hans-Ulrich Krüger besichtigte das Groß-Kieswerk im Eversaeler Rheinvorland

Rheinberg..  Am Ende stand der Appell an den Wahlkreiskandidaten der SPD für die bevorstehende Bundestagswahl, Dr. Hans-Ulrich Krüger, sich positiv für den Kiesabbau am Niederrhein einzusetzen. Der hatte gemeinsam mit dem Rheinberger SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Jürgen Madry die Kiesabgrabungen im Eversaeler Rheinvorland besichtigt. Jörg Hüting, Geschäftsführer des Weseler Kiesunternehmens Hülskens, führte über 500 Hektar Rheinvorland und durch die gigantische Kiessortieranlage. Auf weiträumigen Flächen zwischen Rhein und dem inzwischen weit zurück gelegten neuen Deich findet der Besucher unterschiedliche Stationen der Kiesgewinnung und der Renaturierung. Was Krüger, derzeit Staatssekretär im Düsseldorfer Innenministerium, von hoch oben, der Spitze des Sortierwerks, vergleichen konnte.

10 000 Tonnen pro Tag

Nahe am Werk die wie ein Kanal wirkende Einfahrt vom Rhein in die weitläufige Seenlandschaft, in der nicht nur ein gigantischer Eimerkettenbagger, ein Eigenbau der Weseler Firma, dümpelte, sondern mehrere große Rheinschiffe warteten, mit wertvollen Rohstoffen wie Sand und Kies beladen zu werden. „Eimerfähiger Schwimmbagger“ hieß die riesige stählerne Fabrik, die da schwamm. „Ein Bagger ohne Verbindung zum Land“, so Hüting. Mit einer eigenen Sortieranlage, an dem die Kunden über die Rheinschiffe direkt ihr Material, kaum aus dem Wasser gebaggert, in die Laderäume bekommen. „Was sie dort hinten sehen, sind schon die ersten renaturierten Flächen“, erläuterte der Geschäftsführer. Eine modellierte Landschaft in unterschiedlichen Höhen sah man von Oben. „Das wird nicht so bleiben“, so Hüting. Bei Hochwasser werden die Flächen künftig überschwemmt. „Dann moduliert sich der Rhein selbst sein Ufer.“

Damit war der Kiesfachmann beim eigentlichen Zweck des gigantischen Kiesabbaus und der anschließenden Renaturierung im Hasenfeld und am Milchplatz. „Das sind 500 Hektar Retentionsflächen, die künftig dem Rhein bei Hochwässern zur Ausdehnung zur Verfügung stehen.“ Das habe vor Jahrzehnten die Landesregierung geplant, den maroden alten Deich, auch durch Bergbau abgesenkt, aufgegeben, mit dem Deichverband Orsoy weit gen Eversael zurück gelegt einen neuen Deich gebaut.

„Das ist einer der höchsten Deiche Europas“, so Hüting. Er nannte gleich eine weitere Superlative: „Hier ist eines der größten Kieswerke Deutschlands.“ Vier große Rheinschiffe verlassen es täglich beladen, bis zu 10 000 Tonnen Sand und Kies werden aus zwölf Silos unterschiedlich sortiert täglich abtransportiert. Im Gegenzug bringen Schiffe Bodenaushub, der an anderen Ecken der großen Baggerseen wieder abgekippt wird. Denn es soll keine Seenfläche verbleiben.

„Das Projekt läuft bis 2025“, erklärte Hüting. „Auskiesung und Wiederauffüllung laufen schon länger. Am Ende soll eine Auenlandschaft geformt werden, so wie es am Rhein früher einmal war.“ Die Retentionsfläche soll den Unterliegern des Rheins eine Senkung des Hochwasserspiegels bringen. „Hier geschieht eine Nachfolgenutzung für den Hochwasserschutz mit dem Naturschutz.“ Dabei berate die Biologische Station Wesel. Hüting klagte, dass das Planungsrecht den Kiesabbau, der nötig sei, um hochwertiges Baumaterial zu liefern, enorm einenge. „Wir brauchen Investitionssicherheit“, trug er dem Politiker vor. „Dieses Werk hat 17 Millionen Euro gekostet. Die müssen wir erst verdienen.“ Hülskens habe viel geleistet. „Ich möchte ihnen das mitgeben“, appellierte er an den Politiker. „Wir haben bewiesen, dass wir tolle Projekte im Naturschutz umgesetzt haben.“ Dass der am Ende gewährleistet werde, beeindruckte den. „Es ist schön zu sehen, dass der Mensch später wieder Räume zur Erholung nutzt, wo früher Kiesabbau war.“

 
 

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