Zum ersten, zum zweiten....

Rheinberg.. Rheinberger Canal-Aktie kommt am 5. November in Würzburg unter den Hammer. Das Mindestgebot liegt bei 10 000 Euro.

Wer mindestens 10 000 Euro hat, könnte am 5. November in Würzburg eine kleine Rheinberger Kostbarkeit ersteigern. Die kann man vorher in den Greisingsälen in Würzburg eingehend bewundern, bevor das historische Wertpapier ab 12 Uhr versteigert wird. Sollte der Hammer des Auktionators zuschlagen, könnte das Stück Papier Ihnen gehören: Eine Aktie des „Alten Rhein-Canals zu Rheinberg“ aus dem Jahr 1847.

Eigentlich handelt es sich eher um ein Anteilpapier zu einer Anleihe des Rheinberger Rates. Der wollte mit dem Geld im Bett der alten Fossa Eugenia und des Altrheins einen Kanal vom Rhein bis in die Stadt bauen. Die Stadt steckte vermutlich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Da tat es Not, in der von der Infrastruktur nicht verwöhnten Stadt Transportmöglichkeiten für größere Güter zu schaffen. Die Eisenbahn war zwar schon erfunden, doch den Bahnanschluss erhielt Rheinberg erst 1904.

Kanal zur Belebung der Stadt

Der Rhein, eine Haupttransportader von Gütern in der damaligen Zeit, hatte sich längst einige Kilometer weiter östlich ein neues Bett gesucht. Da lag es für Bürgermeister und Stadtrat nahe, einen Stichkanal zu bauen. Dazu bot sich die schon 1626 begonnene Trasse der Fossa Eugeniana an. Die zu einem schiffbaren Kanal auszubauen war die Absicht der Stadtoberen. Das war im Jahre 1839, wie Stadtarchivarin Sabine Sweetsir herausfand. „Zur wirtschaftlichen Belebung der Stadt sollte ein Rheinkanal her.“ Dafür brauchte man Geld, legte „Aktien“ auf, die eher Anleihen waren. Auf ihnen ist vermerkt, dass es fünf Prozent pro Jahr Zins gab. Alles genehmigt von der königlichen Regierung in Düsseldorf. Die Existenz der Aktien war nicht bekannt, bis eine dem Historischen Wertpapierhaus von Matthias Schmitt aus Zorneding in Bayern zur Auktion angeboten wurde. Für Rheinberg ersteigern? „Nicht bei dem Preis“, so Sabine Sweetsir.

Interessant ist die Aktie auch für die Aufarbeitung der Stadtgeschichte. „Da könnte man einmal Forschung betreiben“, schmunzelt die Archivarin. Das Ausgabedatum der Aktie 29 („Ich vermute, dass nur 40 bis 45 ausgegeben wurden“, so Schmitt) ist 1841, handschriftlich auf 1847 geändert, von Bürgermeister und Ratsherren unterzeichnet. Zu der Zeit ging es Rheinberg wirtschaftlich schlecht. Auch das Alte Rathaus muss in katastrophalem Zustand gewesen sein. „Man versuchte an Geld zu kommen“, so Sweetsir. So für den Kanalbau, der der Stadt bescheidenen Handel über einen Hafen bei der Fossaschleuse bringen sollte. Der wurde tatsächlich samt Kanal gebaut, 1842 begann man, war 1846 fertig. Schiefer, Kohle, Zement, Bauholz kamen so vom Rhein in die Stadt. Durch Bau der Eisenbahn Krefeld-Geldern-Kleve 1862 wurde es stiller auf dem Kanal, 1894 schloss man ihn. 3,2 Kilometer lang von Momm bis zur Wassermühle am Stadtrand war er, bei einer Sohlenbreite von 7,5 Metern wurde er zu teuer, weil er immer wieder verschlammte.

Zur Zeit der Auflage der Aktien war das Alte Rathaus wohl eine Bruchbude. „Unser Rathaus macht einen ekelhaften Eindruck“, heißt es, die Treppe sei kaputt und halsbrecherisch, man befürchte, dass das Rathaus zusammenbreche. Vielleicht brachte die Schifffahrt doch noch ein wenig Wohlstand, der das Rathaus rettete. Als „Highlight“ bezeichnet Matthias Schmitt die Aktie. „Ausgerechnet eine Eisenbahn, die dem Kanal das Aus brachte, ist auf der Aktie abgebildet. Neben Schiffen.“

 
 

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