Wie viel Gas gibt’s da unten?

Probebohrungen zur Gasexploration.
Probebohrungen zur Gasexploration.
Foto: Anja Cord

Rheinberg/Alpen. Es ist ein weites Feld. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn das Feld „WeselGas“ zieht sich von Wesel bis nach Alpen. Und ein Teil davon liegt auf Rheinberger Stadtgebiet, ein kleines Stück nur, nördlich von Borth. Dort möchten zwei Firmen nach Gas bohren.

Mit Mehrheit hat sich der zuständige Ausschuss in Rheinberg dafür entschieden, die Bohrungen zuzulassen - weil die Firmen auf die umstrittene Fracking-Methode verzichten wollen.

Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien in den Bohrschacht gepresst und das Gestein so gesprengt. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind bei diesem Verfahren höchst umstritten, unter anderem weil ein Teil des Gemisches im Boden bleibt und sich auch die Landschaft nachhaltig verändert. Da das Fracking zurzeit generell untersucht wird, haben das NRW-Wirtschaftsministerium und die Bezirksregierung Arnsberg ohnehin mitgeteilt, nur noch Bohrungen ohne Fracking zuzulassen.

Was passiert jetzt im Feld „WeselGas“? Fünf Jahre dauert die gesamte Prozedur, sechs Arbeitsschritte sind geplant. Anfangs werden die vorhandenen Daten analysiert, dann, in Phase 3 die Bohrpunkte bestimmt, in Phase 4 folgt eine Untersuchungsbohrung, deren Ergebnisse in Phase 5 ausgewertet werden sollen. Hier soll das Vorhandensein wirtschaftlich nutzbarer Kohlenwasserstoffe, vor allem Methan, nachgewiesen werden. In Phase 6 entsteht der Abschlussbericht, fällt der positiv aus, ist davon auszugehen, dass die Unternehmen die notwendigen Anträge stellen, um das Feld zu erschließen.

In Bergbaugebieten, so der Technische Dezernent Dieter Paus, sei Fracking ohnehin relativ sinnlos, da die Erdschichten durch den Kohleabbau bereits aufgebrochen sind. Das Gas sei ohnehin freigesetzt und wurde auch in den Gruben bislang abgesaugt, um Explosionen zu vermeiden.

Kommunen mehr beteiligen

In ihrer positiven Stellungnahme zu den Probebohrungen weist die Stadt Rheinberg ausdrücklich daraufhin, dass bei weiteren Genehmigungen und Bewilligungen das Thema Formationswasser, also das Wasser in den Gesteinsporen, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen müsse. Dazu schreibt die Stadt: „Insbesondere die Aussage der Antragsteller, dass eine mögliche Radium-Belastung der zu fördernden Formationsgewässer zu keiner gesundheitlichen Belastung der Bevölkerung führen kann, wird alleine durch die Ergebenisse eines Gutachtens zur radioaktiven Belastung der Fossa Eugeniana in Rheinberg und Kamp-Lintfort belegt.“ Folglich lehne es Rheinberg ab, die belasteten Wasser über oberirdische Gewässer in den Rhein ableiten zu lassen. Und: Die betroffenen Kommunen sollten in den Fragen der Gasgewinnung weit mehr informiert und beteiligt werden, als es der Gesetzgeber in diesem Fall vorsieht.

 
 

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