Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Die Schul.Mensa hat nicht ausreichend Platz.
Die Schul.Mensa hat nicht ausreichend Platz.
Foto: WAZ FotoPool
Die Cafeteria im Keller des Amplonius-Gymnasiums ist für die 950 Schüler nicht ausreichend. Deshalb will die Schule eine Mensa, doch die Stadt Rheinberg will derzeit keine finanzieren

Rheinberg..  In der Cafeteria in den Kellerräumen des Amplonius-Gymnasiums wird die Bedeutung des Sprichwortes „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ deutlich. Um 13.15 Uhr beginnt die einstündige Mittagspause für die Schüler, die noch Nachmittagsunterricht haben. Und dann herrscht im Keller Chaos. Fehlt nur noch das Schild: „Wegen Überfüllung geschlossen“.

Nichts geht mehr

Denn in der Hauptstoßzeit geht in der Cafeteria nichts mehr, der Flur ist voll. Schüler stehen in einer endlos langen Schlange, um etwas Essbares zu ergattern. Und wer es geschafft hat, eines der zwei angebotenen Gerichte zu bekommen, muss erstmal einen Platz finden. Auch das ist nicht wirklich einfach. Viele essen im Stehen oder suchen sich auf dem Flur auf einer Bank einen Platz, aus dem Schoß wird der Essenstisch. „Es sind einfach zu viele Schüler, die hier in 60 Minuten essen müssen, der Platz ist nicht ausreichend“, beklagt Schulleiter Heinz Pannenbecker. „Wir haben immer mehr Schüler, die ein ordentliches Mittagessen brauchen.“

Die Fünft- und Sechstklässler haben einmal pro Woche Nachmittagsunterricht. Dann wollen 252 Schüler essen. Hinzu kommen noch die Mittelstufen und rund 350 Oberstufenschüler, die viermal pro Woche die Cafeteria nutzen. In der Summe nutzen rund 950 Schüler die kleinen Cafeteriaräume.

Und wer 20 Minuten zu spät kommt, hat meistens nicht einmal die Wahl zwischen den zwei angebotenen Gerichten, da das „Schnitzel zum Beispiel schon weg ist“, wie Oberstufenschüler Fabrice Sell anmerkte.

Ein Antrag an die Stadt, die auch das Catering-Unternehmen stellt, eine Mensa einzurichten, hat sie vorerst abgewiesen, ein Beschluss solle nach Beratung in der nächsten Sitzung formuliert werden. Die jetzige Begründung: „Haushaltsmittel für den Bau einer Mensa sind im Haushaltsplan 2014 nicht vorgesehen“. Grund sei die schlechte Haushaltslage.

Dafür gab es einen Vorschlag, es so wie das Gymnasium Adolfinum in Moers zu machen. Schüler suchen dort die Mensa im Klassenverband auf und haben eine vorgegebene Essenszeit.

Die Stadt schreibt dem Amplonius-Gymnasium, dass die Schule in Moers die Nutzungszeit jeder Klasse klar strukturiert hat. Die Nutzung der Mensa der Europaschule sei übrigens nicht möglich, da diese bereits ausgelastet sei. „Eigentlich hieß es damals, dass wir diese mitnutzen dürfen“, erinnert sich Heinz Pannenbecker.

Keine gute Qualität

Aber nicht nur, dass die Schüler keinen Platz zum Essen finden oder dass die Gerichte, die sie wollen, meist schon vergriffen sind – für die 3,50 Euro, die die Schüler zahlen, erhalten sie nicht einmal eine gute Qualität. „Das Essen wird ja nicht frisch gekocht, sondern nur warmgehalten – und das noch nicht einmal richtig“, bemängelt Carmen Hussmann, Schulpflegschaftsvorsitzende. Sie kritisiert zugleich, dass die Räumlichkeiten nicht die Möglichkeiten bieten, frisches Essen zuzubereiten.

Die Cafeteria hat nicht einmal Kücheneinrichtungen, die das ordentliche Warmhalten der Gerichte ermöglichen. „Mein Essen war oft schon kalt“, kritisierte Alena Janßen aus der Jahrgangsstufe zwölf. Die 17-Jährige holt sich lieber Brötchen. „Das Essen ist auch nicht immer gesund – es fehlt beispielsweise Obst. Die Salatportionen sind meist vergriffen und sowieso zu klein.“

Und das ungesunde Essen hat Folgen: Dass regelmäßig ein Pizzataxi die Schule ansteuert, ist auch nicht unüblich. Wenig gesund und teuer - dazu essen die Schüler zu dieser Jahreszeit die Pizza auch noch draußen in der Kälte. „Hier unten dürfen wir auf Vorgabe der der Catering-Firma ja nicht essen“, erklärt Fabrice Sell. Das Essen mit in die Cafeteria-Räume zu nehmen sei nämlich verboten. Delali Abbey stochert derweil in ihrem Hühnerfrikassee herrum.

„Das Essen schmeckt nicht wirklich“, sagt Fabrice Sell. Außerdem sei das Essen viel zu teuer, dafür die Qualität schlecht. „Die Portionen sind auch viel zu klein.“

 
 

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