Wenn’s ihm zu doll wird, geht der Prinz angeln

Karnevalsprinz Rene de Lattre - er führt die Rhinberkse Jonges in die Session.
Karnevalsprinz Rene de Lattre - er führt die Rhinberkse Jonges in die Session.
Foto: WAZ Fotopool
Rene de Lattre führt die Rhinberkse Jonges durch die Session. Er kommt aus einer Rheinberger Karnevalsfamilie, lebt heute in Veen. Und sein großes Hobby ist Angeln. Dann kann er entspannen.

Rheinberg..  Das Prinzen-Dasein in der närrischen Session ist nicht nur eitel Sonnenschein, das weiß René de Lattré nur zu gut. Der 43-Jährige wurde im November inthronisiert, repräsentiert in der diesjährigen Session die Rhinberkse Jonges bei zahlreichen Auftritten als Prinz René, „Der Verbindliche“. Dabei wollte der gelernte Industriemechaniker eigentlich kürzer treten.

Im Karnevalsgeschäft ist René de Lattré schon seit seiner frühsten Kindheit, aktiv wurde er im Alter von zehn Jahren, schätzt er, „da habe ich meinem Vater das erste Mal beim Saalbau geholfen.“ Papa Peter ist kein Unbekannter, auch er lebt für den Karneval, lange bevor sein Sohn René geboren wird. Denn Peter de Lattré ist ebenfalls Prinz, genau 45 Jahre vor seinem Sohn.

Einmal Prinz zu sinn...

Ein aktives Mitglied wird der junge de Lattré erst mit 18 Jahren, als er bei der Stadtwache eintritt, es folgt die Prinzengarde und später der Elferrat, bevor er sich aus der aktiven Mitgliedschaft eigentlich verabschieden möchte. „Ich wollte mehr Zeit für meine Familie haben.“ Ganz aufhören, darum sei es nie gegangen. „Ich wollte nur nicht mehr jeden Termin besuchen.“ Doch der Wunsch, einmal als Prinz den Rheinberger Karneval zu regieren, bleibt.

Im vergangenen Jahr ist es dann soweit, der Verein entscheidet sich für den 43-Jährigen, der dem Karneval bereits seit 25 Jahren treu ist. „Es war ein sehr freudiges Ereignis, aber ich wusste auch, die Situation als Prinz macht einiges anderes.“ Sein wahres Ich auszuleben, das sei als närrischer Royal nicht möglich. „Man muss zum Beispiel auf sein Kostüm aufpassen. Einfach durch die Meute rennen, wie man es gewohnt ist, geht dann nicht mehr.“Hinzu kämen die zahllosen Termine und „als Prinz muss man jeden Termin wahrnehmen“, weiß der langjährige Karnevalist, der bereits im Dreigestirn als Zeremonienmeister vertreten war.

Besuche in benachbarten Städten, im Kindergarten und Alteneinrichtungen – ein Prinz muss präsent sein. „Es macht Spaß, aber es ist auch anstrengend.“ An Schlaf sei kaum zu denken. Termine endeten um halb 5 Uhr morgens, um 7 Uhr ginge es weiter. „Es ist aber eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte“, beteuert der Familienvater. Doch eine Kandidatur sollte gut überlegt sein. Reden schreiben, Empfänge organisieren seien nur einige der Verpflichtungen in der Session.

Hin und wieder nimmt er sich eine Auszeit von der närrischen Welt und widmet sich seiner zweiten Leidenschaft, dem Angeln, so gar nicht laut und bunt. „Das Angeln ist mein Ruhepol. Ich sitze in der Natur und starre Stunden nur aufs Wasser.“ Seit seinem siebten Lebensjahr gönnt er sich diese Auszeit. Zum Ausgleich geht es zum Sport, seit zwei Jahren spielt René de Lattré Volleyball oder Fußball mit seinem neunjährigen Sohn Jan. Auch wenn das nicht mehr so gut geht.

Und das Kostüm sitzt perfekt

1994 gerät er mit seinem Motorrad in einen Unfall, die Ärzte denken darüber nach, seinen Fuß zu amputieren – doch de Lattré hat Glück, auch wenn er noch heute unter den Spätfolgen leidet. „Der Vorfall hat meine Sicht auf den Straßenverkehr geändert. Ich fahre jetzt viel vorausschauender und rechne mehr mit Fehlern von anderen Autofahrern.“ Schuld an seinem Motorradunfall hatte er nicht, ein ortsunkundiger Fahrer erwischte ihn beim Linksabbiegen.

Doch unterkriegen lässt sich der 43-Jährige nicht, im Gegenteil. Jetzt möchte er sich auf seine Prinzenkarriere konzentrieren. Der Urlaub beim Arbeitgeber ist bereits eingereicht, die Familie – Frau Alexandra, Sohn Jan und Tochter Luisa (3) – stehen hinter ihm. „Es ist eine spannende Zeit.“ Auf eins ist der Wahl-Veener besonders stolz: „Wann hat man denn mal das Glück, ein maßgeschneidertes Kostüm zu bekommen?“

 
 

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