Weniger Wespen in Rheinberg und Alpen

Franziska Gerk
Wespen sind nicht immer nur die bösen Stecher, sie dienen auch als wichtiges Glied der Natur. In diesem Jahr sind sie allerdings nur spärlich zu finden.
Wespen sind nicht immer nur die bösen Stecher, sie dienen auch als wichtiges Glied der Natur. In diesem Jahr sind sie allerdings nur spärlich zu finden.
Foto: dpa-tmn
Wespen und Mücken tauchen in diesem Jahr seltener auf, als nach dem milden Winter vermutet.Experten versuchen mögliche Ursachen zu finden

Rheinberg/Alpen.  Es summt und brummt an den Tischen im Eiscafé. Draußen zu sitzen, ist bei diesen Temperaturen ja ganz schön, wenn da nicht diese kleinen Wespen wären. So geht es derzeit vielen Menschen. Dabei hatten Experten nach dem vergangenen milden Winter mit noch viel mehr Insekten gerechnet. Eine Plage ist bisher allerdings ausgeblieben.

Woran das liegt? Dazu haben selbst die Experten keine Erklärung. Christian Chwallek vom Nabu Ortsverein Alpen hat die Vermutung, dass nicht nur der milde Winter zur Population der Wespen beiträgt: „Es gehören ja noch andere Komponenten dazu. Der milde Winter alleine ist kein Merkmal.“ Er vermutet, dass auch das frühreife Obst dazu beitrage, dass es in diesem Sommer bisher nur wenige Wespen gab. „Die Früchte sind dieses Jahr früher reif. Da verschiebt sich die ganze Nahrungskette.“ Im Zusammenhang mit der Wespenplage verweist der Alpener auf die Stadt Rheinberg, die derzeit eine Mückenplage erleben soll.

Mücken in Rheinberg

Sein Nabu-Kollege aus Rheinberg, Wilfried Ingensiep hingegen weist diese Information zurück: „Ich komme zwar gerade erst aus dem Urlaub wieder, aber eine Mückenplage habe ich in Rheinberg noch nie erlebt.“ Schließlich sei die Frage ja auch, wann eine Plage als solche definiert wird. „Mücken legen ihre Larven in Gewässern ab. Und da sind die Rheinwiesen ein gern gesehener Ort.“ Ob es diesmal aber mehr Mücken als in den vergangenen Jahren gibt, kann er Experte nicht beurteilen. „Mittlerweile wird ja an den Rheinwiesen ein Mittel gespritzt, dass die Pflanzen nicht schädigt, aber die Mückenplage eindampft. Doch man darf nicht vergessen, dass Insekten auch immer Nahrung von anderen Tieren, wie den Vögeln ist“, gibt Ingensiep zu bedenken.

Zurück zu den Wespen. Seine Vermutung, warum es in diesem Jahr weniger schwarz-gelbe Wespen gibt, hängt mit dem Verbreitungsgebiet zusammen. „Die Temperaturen im Winter sind den Wespen meiner Meinung nach egal. Die heimischen Tiere nisten sich im kältesten Winter in warmen Nischen ein. Ein eiskalter Winter trifft nur die eingewanderten Arten von den warmen Kontinenten.“ Habe es die erste Generation durch die Saison geschafft, wird die Zweite umso stärker.

Wer ein Experte für Bienen ist, der kennt sich erfahrungsgemäß auch mit Wespen aus. So hat Ernst Berns seine eigene Vermutung, warum die Wespen sich in diesem Sommer nicht in so großer Fülle zeigen, wie erwartet. „In einem milden Winter kommen die Insekten in ihrer Winterpause immer wieder raus. Das haben viele offensichtlich nicht gut verkraftet.“ Allerdings, so sagt er, sei der Sommer noch nicht vorbei und da könnten vermehrt noch Wespen und Mücken auftauchen.

Doch was ist zu tun, wenn man plötzlich von einer Schar aus Wespen und Mücken umzingelt ist? Wenn zum Beispiel ein Nest direkt an das Haus gebaut wurde? „Erst einmal Ruhe bewahren“, sagen alle Experten. Denn wenn man panisch auf das Nest schlägt oder die Wespen regelmäßig stört, werden sie aggressiv. „Wenn das Nest an einer Stelle hängt, wo es nicht stört, einfach dabei belassen. Ansonsten einen Fachmann zur Hilfe rufen, der das Nest umsetzt“, rät Christian Chwallek. Töten sollte man die Tiere möglichst nicht, denn sie dienen als wichtiges Glied im Naturkreislauf.