Warten verbindet

Foto: Christoph Karl Banski
Theatergruppe „Die Rabenmütter“ feiern Premiere von „Elternsprechtag“

Rheinberg..  Eine Tür, eine Schulwand, ein paar Stühle - so schlicht und effektvoll stellte sich das Bühnenbild im „Kultpool“ des Amplonius-Gymnasiums für das Publikum dar, dass gespannt auf die erste Erwachsenen-Aufführung der Theatergruppe „Die Rabenmütter“ wartete.

Seit 2001 hatte die Theatergruppe mit Stücken wie „Ritter Rost macht Urlaub“, „Alarm auf der Sonneninsel“ und „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ unterhaltsames Kindertheater gestaltet. Mit der Neuformierung des Ensembles im vergangenen Jahr - insgesamt fünf der acht Akteure standen diesmal neu auf der Bühne - hatte sich ein neuer Horizont aufgetan.

„Wir wollten halt mal was Neues machen“, bekannte Regisseurin und „Urgestein“ Beate Spira, die auch den Text zu dem neuen Stück verfasst hatte. Mit „Elternsprechtag“ hatte man ein dem Ambiente angemessenes Thema gewählt. „Das kennen hier halt sehr viele“, schmunzelte sie. Und mit Wolfgang Närdemann und Werner Gubesch waren erstmals sogar zwei „Rabenväter“ mit von der Partie.

Das Stück hatte sie als szenischen Liederabend ohne festen inhaltlichen Faden angelegt - das Verbindende war das Warten der Eltern auf ihre Elternsprechstunde. „So kann man auch die Rollen besser verteilen, hat verschiedene Charaktere“, beschrieb Spira die Idee hinter dem Ganzen. Und teilte bei der Begrüßung gleich das Publikum in verschiedene Chorteile ein, um später mehrstimmig „Der Hahn ist tot“ zu intonieren.

Die 95 unterhaltsamen, abwechslungsreichen Minuten - mit Livemusik einer vierköpfigen Band unter der Leitung von Ludger Möllengraf - begannen gleich mit einem furiosen Aufreger. Eilig rannten Mütter und Lehrerinnen von der Tribüne aus wie aufgescheuchte Hühner im Saal umher und sangen sehr treffend „Weg da“ von Hermann van Veen.

Danach wechselten die verschiedenen Charaktere mit ihren originellen Kostümen auf der Bühne, führten Handygespräche, plauderten miteinander, verließen ob der Wartezeit die Bühne. Oder frotzelten über Lehrer und ihren Hang zum Einschlafen während des Unterrichts, wie Trude Schimmerlos (Regina Möllengraf). Treffend war dann auch deren Liedeinsatz „Morgens bin ich immer müde“ von Trude Herr.

Zwischendurch wurde mal über Literatur im Unterricht diskutiert - was Silke Leveringhaus als „Aishe Öztürk“ dazu veranlasste, die Geschichte des „Hamlet“ als coolen Rap rüberzubringen. Herzschmerz nahm sich Angelika Kohl als „Anne Tretschok“ bei der Darbietung des Vicky-Leandros-Songs „Ich liebe das Leben“ zur Brust. Und einen Hauch Romantik versprühten Werner Gubesch als Vater und Ulrike Hermans als Lehrerin bei ihrer zarten gesanglichen Annäherung zu dem Toten-Hosen-Stück „Du lebst nur einmal“.

„Da macht es Bumm“

Abgerundet wurde das Ganze durch die burschikose Figur von Kalle Müller, dem Mann für alles in der Schule, der mit den Kindern gerne Fußball spielt - und der folgerichtig das Gerd-Müller-Lied „Da macht es bumm“ von der Bühne schmetterte. Und mit der gesanglich sehr überzeugenden Bärbel Melchers, die die „Seeräuber-Jenny“ aus Brechts „Dreigroschenoper“ interpretierte.

Das Publikum dankte den Akteuren zurecht mit viel Applaus - und am 2. Februar nächsten Jahres haben diejenigen, die das Stück nicht gesehen haben, im Xantener Siegfried Museum eine neue Chance.

 

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