Walter radelt durch die Session

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Foto: Gisela Weißkopf/WAZFotoPool

Rheinberg-Ossenberg.. Die Ossenberger Narren wählten ihren Prinzen, es ist Walter I, der Radelnde. Sarah I., die Strahlende, kümmert sich um den jecken Nachwuchs.

Gut, dass Ossenbergs katholischer Pfarrer Thomas Burg nicht im Pfarrhaus neben der Kirche, sondern in Borth wohnt. Sonst hätten ihn wohl die lautstarken Helau-Rufe, die auf dem gegenüber liegenden neuen Dorfplatz erst ein wenig zögerlich, doch dann recht lautstark ertönten, ins Zweifeln gebracht, ob er vielleicht das Weihnachtsfest verschlafen hat? Hatte er keinesfalls. Denn in Ossenberg, direkt neben seiner katholischen Kirche, gehen die Uhren der Karnevalisten ein wenig anders. Während anderswo, zum Beispiel im närrischen Rheinberg oder in Orsoy, der Elfte im Elften, also der 11. November, der Tag aller Narren ist, startet man im Windschatten des großen Chemiewerkes schon zwei Monate früher. Genauer gesagt: Immer am letzten Wochenende der Sommerferien, am Samstag vor dem Schulbeginn.

Am Samstag war es mal wieder so weit. Sommerliche Hitze auf der einen, Prinz und Narrenkappe auf der anderen Seite – irgendwie hatte man noch Probleme, das einzuordnen. Doch es war keine sommerliche Fata Morgana: Ossenbergs Narren, organisiert im Karneval Ausschuss Gemütlichkeit (KAG), kürten ihre Regenten der am 11. November beginnenden närrischen Session. Diesmal allerdings unter den Augen aller: Erstmals auf dem neuen Dorfplatz im Schatten der Kirche. „Wir wollen einfach näher dran sein an den Bewohnern des Ortes“, sagt Horst Neumann, 2. Vorsitzender des KAG. Bislang hatte man das stets auf der Sportplatzanlage des SV Concordia und im dortigen Vereinsheim getan. Das Ganze lief somit dann doch ein wenig an den Ossenbergern vorbei. „Wo kann man das besser als mitten im Ort, vor dieser tollen Kulisse“, betonte Horst Neumann. Also wagte man den Ortswechsel. Und hatte auf Anhieb Erfolg. Recht voll wurde es schon nachmittags, der Abend entsprechend lang.

Startschuss für
das Sommerfest

Um 17 Uhr ging es los: Präsident Karl Caniels gab den Startschuss für ein kleines Bürgerfest, das „Sommerfest“ , wie er es nannte, besonders aber für die Prinzenwahlen. Zunächst war es die Jugendabteilung, die Ernst machte. Sie wählte zum sechsten Mal den Regenten für Ossenbergs jugendliche Narren: Prinzessin Sarah I., die Strahlende, bürgerlich Sarah Wesselbaum, heißt das neue närrische Oberhaupt. Seit vielen Jahren ist sie Karnevalistin, erst in Beekerwerth, seit einem Jahr in der Jugendabteilung des KAG. Mit der Tanzgarde Red Devils wurde sie schon zweimal Stadtmeister.

Ihre Adjutantinnen sind Michelle Nühlen und Katharina Opgenorth, ebenfalls bei den Red Devils aktiv.

Die Spannung stieg, als sich gegen 19 Uhr Senatoren und Elferratsmitglieder zur Geheimsitzung zurückzogen. Was in Klausur beraten wurde, bleibt geheim, nur das Ergebnis zählte: Neuer Ossenberger Prinz ist Walter I., der Radelnde (Walter Witte), seine Adjutanten sind Wilfried Koppers und Marius Lehmann.

Auch Prinz Walter hat erste karnevalistische Erfahrungen in Duisburg gesammelt, ist wie seine Adjutanten Elferratsmitglied. Er diente bereits Prinz Ludger I. und Carsten I. als Adjutant.

„Ach wär ich nur ein einzig Mal ein junger Prinz im Karneval“ legte der Discjockey passend auf, als Walter I. von seiner Vorgängerin, Prinzessin Angelika I., die Karnevalsmütze überreicht bekam. „Den Schlüssel übergebe ich dir sehr ungern“, schmunzelte die scheidende Prinzessin.

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