Verdi holt bei Betriebsratswahl im Amazon-Lager 15 von 21 Sitze

Sabine Busch bei einer Blitzaktion vor dem Amazon-Zentrum.
Sabine Busch bei einer Blitzaktion vor dem Amazon-Zentrum.
Foto: WAZ FotoPool
Betriebsratswahl bei Amazon mit hoher Wahlbeteiligung - Jetzt stehen viele Formalitäten an.

Rheinberg.. Solche Nachrichten würde Sabine Busch am liebsten jeden Tag hören. Mit großem Erfolg, nämlich überwältigender Mehrheit hat die Verdi-Liste die Betriebsratswahl bei Amazon gewonnen, freut sich die Gewerkschaftssekretärin.

Pausen und Tarife

21 Kolleginnen und Kollegen sitzen im neuen Betriebsrat, 15 Mandate davon haben die Verdi-Bewerber geholt. Insgesamt waren vier Listen angetreten, eine von Verdi, drei aus Mitarbeiterkreisen. Die verbleibenden sechs Sitze teilen sich die übrigen drei Listen, sagt Wahlvorstand Tim Schmidt, der auf Platz 1 der Verdi-Liste kandidiert hat. Rund 2800 Mitarbeiter hätten wählen können, etwa 800 fehlten durch Urlaub und Krankheit, von den 2000 übrigen haben 1900 gewählt.

Ein verdienter Sieg, lobt Sabine Busch. Der Wahlkampf des Verdi-Teams sei sehr gut gewesen, es habe unzählige Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen gegeben, der Einsatz habe sich am Ende ausgezahlt.

Gegen 21 Uhr am Mittwochabend, wesentlich früher als erwartet, hatte das Ergebnis festgestanden. Die sieben Vollmitglieder des Wahlvorstandes und die sieben Ersatzleute hatten damit einen langen Tag hinter sich gebracht, ein Teil der Mannschaft war bereits um sechs Uhr morgens angerückt, um das Wahllokal einzurichten.

Jetzt stehen eine Menge Formalitäten an. In den nächsten 14 Tagen sind die Aufgaben zu verteilen, da geht es um die konstituierende Sitzung, die Wahl des Betriebsratsvorsitzenden, die Besetzung der Ausschüsse, die Regelung der Freistellungen. Fünf Mitglieder des Betriebsrates werden für ihre Arbeit freigestellt. Ein Betriebsrat braucht auch ein Büro. Schmidt geht davon aus, dass das Gremium in das alte Büro des jetzigen Mitarbeiterforums ziehen wird. Eines der ersten Probleme, das der Betriebsrat anpacken dürfte, ist das Thema Pausenregelung. Die Zeiten sind knapp und ein Teil der Pause geht verloren durch die aufwendigen Sicherheitsschleusen.

Für Verdi ist das Thema Amazon mit der Betriebsratswahl nicht erledigt. Die Gewerkschaft werde das Unternehmen und die Kollegen im Betriebsrat weiter begleiten, sich außerdem darum kümmern, im Betrieb gewerkschaftliche Strukturen wie Vertrauensleute aufzubauen. „Wir bleiben am Ball.“

Außerdem ist das leidige Thema Geld ein wichtiger Punkt für Verdi. Die Gewerkschaft möchte, dass die Amazon-Mitarbeiter nach dem Einzelhandelstarif bezahlt werden. Amazon sage, wenn überhaupt, dann höchstens nach dem Tarif für die Logistikbranche. Aber Amazon sei ein klassischer Versandhandel, kein Logistiker, und müsse seine Beschäftigten auch entsprechend bezahlen, so Sabine Busch.

 
 

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