Verbrechen im Alten Rathaus Rheinberg?

Hauptkommissar Hubert Knobel, Polizistin Edeltraud Hackstein und Detektiv Klaus Lang kamen zum Tatort.
Hauptkommissar Hubert Knobel, Polizistin Edeltraud Hackstein und Detektiv Klaus Lang kamen zum Tatort.
Foto: Peter Bußmann
Sonntag tobte brutale Kriminalität mit Blut in der Küche und neben einem offensichtlich die Treppe herunter gestürzten Rollstuhl – alles nur gespielt!

Rheinberg..  Scheinbar friedlich steht es zwischen dem Alten Markt und dem Fischmarkt: das Alte Rathaus, unscheinbar, fast ein wenig schüchtern neben den alten Bürgerhäusern und dem prächtigen Underberg-Palais im Zentrum der Stadt Rheinberg am Niederrhein. Doch der gotische Backsteinbau ist ein besonderes Schmuckstück, wurde 1449 mit spitzer Turmhaube und Zinnenfries erbaut, zählt zu den ältesten Rathäusern am Niederrhein – und ließ am Sonntag die Besucher erschauern. Dort, wo einst nüchterne Bürokraten und Schreibtischhengste ihr Beamtendasein fristeten, tobte Sonntag offensichtlich brutale Kriminalität. Blut in der Küche, viel Blut neben dem offensichtlich die Treppe herunter gestürzten Rollstuhl, ein zerrissener Brautschleier am Balkon, daran hängend der Rest einer Leiter mit zerbrochenen Sprossen, darunter die aufs Pflaster gesprühten Umrisse eines Menschen. Kurz vor zehn Uhr kommt er herangebraust, der markante signalfarbene Streifenwagen der Polizeiwache Rheinberg. Kurz drauf das, was man aus jedem Krimi kennt: Der Hauptkommissar und sein Adjutant knien mit ihren Lupen am Boden, sichern Spuren. Manche Radler vom Radwandertag näherten sich neugierig.

Das Stichwort „Tatort Altes Rathaus“ alarmierte die Polizei? Was ist geschehen? Was alles offenbart sich am Tatort? Der Rheinberger Profikriminalist Hauptkommissar Hubert Knobel rückte Sonntagmorgen mit seinen Kripokollegen und dem Spurensicherungsteam an. Eifrig sicherten sie Spuren, befragten Zeugen. Die band der kauzige Kriminalist gleich mit in die Ermittlungen ein.

In all den Jahren seit 1449 sah das dreigeschossige gotische Rathaus vieles. Es war unter anderem Verwaltungsgebäude, Fleischbank oder Getreidelager, Versammlungs- und Fest-, aber auch Ratssaal, war Gefängnis und Spritzenhaus, jahrelang auch Polizeiwache. Dass es einmal, wie gestern, ein kriminalistischer Tatort war, der Zeugen und den Kriminalpolizisten vor viele Rätsel stellte, das verdankt es der neueren Geschichte. Seit das Jugendamt vor vielen Monaten auszog, stand das Gebäude leer.

Ein Trägerverein Altes Rathaus Rheinberg will es zum Wohle der Rheinberger Bürger mit Leben füllen, hatte bereits vor Wochen sich und seine Ziele vorgestellt: Das alte Gebäude soll wieder eine Begegnungsstätte von und für alle Rheinberger werden, so das Ziel. Doch nur die wenigsten Bürger kennen sich im Inneren aus, das alte achteckige, enge Treppenhaus, das hinauf zum Zwiebeltürmchen führt, den uralten verwinkelten Gewölbekeller.

Mit einem Tag der offenen Tür wollte der neue Trägerverein unter dem Vorsitz von Ex-Bürgermeister Hans-Theo Mennicken das alte Gemäuer bekannt machen. Dazu kam ihnen eine pfiffige Idee, die sie im Rahmen des 25. Niederrheinische Radwandertages wahr machen wollten: das Alte Rathaus als Tatort zu benutzen. „Es ist eine tolle Möglichkeit, viele Menschen auch außerhalb Rheinbergs zu erreichen und auf das Alte Rathaus aufmerksam zu machen“, sagte Ludger Jackowiak vom Trägerverein. „Aber auch Einheimische kennen das Alte Rathaus entweder gar nicht oder nur aus früheren Zeiten.“ Zum einen, so Jackowiak, lud der Verein Besucher und Radler zu einer Stärkung ein mit Kuchen, belegte Brötchen, Sekt, Bier und Limonade standen bereit, zum anderen hatte sich der Verein ein ungewöhnliches Programm für die Besucher an diesem Tag ausgedacht. „Wir haben das alte Rathaus komplett als Tatort inszeniert“, verrät Jackowiak. „Teilweise sehr skurril und kurios.“

So begegneten die Besucher Sonntag regelmäßig Hubert Knobel alias Klaus Wittmann – dem Kommissar, der Unterstützung brauchte. Klaus Lang war einer seiner Assistenten, Edeltraud Hackstein als Polizistin unübersehbar. Ein Rahmenprogramm gab es, musikalisch mit Lore Rabe und Christiane Fischer-Wiggering. Monika Hildner führte durch die Underberg-Ausstellung und dienstbare Geister erklärten, wie die drei Etagen später aussehen könnten. Kreuze auf den Mauern bedeuteten: Die kommt weg. Es war eine pfiffige Möglichkeit, den Trägerverein um das Alte Rathaus in den Mittelpunkt zu rücken und zu zeigen, welche Schätze, welche Geschichte sich hinter den alten Mauern verbirgt. Große und kleine Rheinberger konnten ihr Wissen um ihre Stadt in einem (Lügendetektor-)Test „Wahr oder falsch?“ überprüfen. Sowohl der Eintritt als auch die Bewirtung waren frei. Über eine Spende zum Erhalt und Ausbau des früheren Stadtmittelpunktes freuten sich die Mitglieder. „Unser Wunsch ist es, dass der frühere Kern der Stadt auch heute noch geschätzt wird“, betonte Jackowiak. Gastronomie, Kultur und Tourismus: Das einstige Rathaus soll künftig vielen Ansprüchen gerecht werden. Daran arbeiten die Vereinmitglieder schon länger. „Unser größter Wunsch ist es, dass die Rheinberger ihr altes Rathaus wieder entdecken.“

 
 

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