Ton, Steine, Scherben

Björn Zängle zeigt die archäologischen Funde aus dem Baugebiet.
Björn Zängle zeigt die archäologischen Funde aus dem Baugebiet.
Foto: WAZ FotoPool
Auf Aumund-Grundstück fanden Archäologen auch Bierkrüge aus dem Mittelalter

Rheinberg..  Dass hinter den abgefrästen historischen Fassaden am Fischmarkt nicht gearbeitet wird, kann man nicht sagen – allerdings nicht so, wie es sich Bauherr Franz-Walter Aumund und Architekt Martin Hebgen gewünscht hätten. Auf dem Grundstück ist ein Hotel geplant, Kategorie Drei Sterne Superior. Doch seit rund zehn Wochen graben dort statt Bauarbeitern die Archäologen und Techniker des Archäologiebüros Archbau den Boden im Auftrag des LVR-Amtes für Bodendenkmalschutz um.

In dieser Zeit haben die Experten auf dem Grundstück bereits jede Menge Exponate, vom Mittelalter bis zur früheren Neuzeit, gefunden sowie einen Brunnen und einen Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert freigelegt. Bierkrüge aus dem 14. und 15. Jahrhundert, mehrere Tonschüsseln sowie die Überreste einer Pfeife aus dem 17. Jahrhundert haben sie bislang ausgegraben. Und die Arbeit ist noch nicht beendet.

Wann die Bagger für das Hotel wieder anrollen können, weiß Architekt Martin Hebgen jedenfalls noch nicht, der gestern gemeinsam mit dem beim LVR für den Kreis Wesel zuständigen Archäologen Martin Vollmer-König einen Überblick über die bisherige Arbeit gab.

Unschätzbare Dimensionen

Allerdings: wie lange die Baustelle bereits ruht, das weiß er ziemlich genau: „Ende September sind wir bei zwölf Wochen.“ Normalerweise seien in einem Bauplan für solche Unwägbarkeiten vier Wochen eingeplant.

Die Kosten beziffert der Architekt auf eine sechsstellige Summe, ohne genauer zu werden. Dass die Summe weiter wächst, ist aber zumindest nicht ausgeschlossen. „Die Archäologie hat Dimensionen, die man nur bedingt abschätzen kann.“

Alles wird freigelegt, begutachtet, bewertet. Was ist erhaltenswert und wo reicht die reine Dokumentierung des Fundes? Mit diesen Fragen beschäftigt sich LVR-Archäologe Martin Vollmer-König. Und zwar in enger Abstimmung mit dem Bauherrn und dem Architekten, wie er betonte.

Die Zeiten, in denen der Polier den Archäologen von der Baustelle jage, seien schließlich weitestgehend vorbei, sagte Vollmer-König gestern. Es gehe auch nicht um die mutwillige Behinderung von Bauvorhaben, sondern gewissermaßen um eine gesunde Koexistenz. Ihm sei wichtig, offen zu klären, wie man mit jenen Funden umgeht und wo sie möglicherweise in die Planung eingebettet werden könnten, auch um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Gewölbe bleibt erhalten

Wie beispielsweise der Gewölbekeller. „Den wollen wir reaktivieren“, kündigte auch Architekt Hebgen an. In den Gemäuern sei ein Weinkeller denkbar. Anders sieht es indes für den Brunnen aus, den die Archäologen ausgegraben haben. Der werde abgetragen, weil er mit den Plänen für die Küche kollidiere.

Auch für Fundstücke wie Tonscherben oder Bierkrüge wolle man in den Räumen des Hotels einen geeigneten Platz finden, um die Geschichte des Ortes zu dokumentieren, sagten Hebgen und Archäologe Vollmer-König einmütig. Bis es soweit ist, dauert es, dauert es allerdings noch ein wenig. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes sei für Anfang 2015 geplant, so Martin Hebgen.

 
 

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