Solvay will nicht Buhmann wegen Bergschäden sein

Das ESCO Salzbergwerk fungierte als Schachtzeichen im Projekt der Ruhr 2010. Foto: Ulla Michels
Das ESCO Salzbergwerk fungierte als Schachtzeichen im Projekt der Ruhr 2010. Foto: Ulla Michels

Rheinberg.. Nicht nur der Kohlebergbau verursacht Schäden an Häusern. Auch der Salzbergbau bleibt nicht ohne Folgen. Die Solvay, die Salz unter Rheinberg abbaute, fürchtet nach dem Abzug der RAG künftig als Buhmann in Sachen Bergschäden herhalten zu müssen.

Wer das Wörtchen Bergschäden hört, der denkt automatisch an den Kohleabbau. Ist ja auch kein Wunder angesichts der Schäden an Häusern, Straßen und Kanälen gerade am Annaberg und in Alpsray.

Der Abbau unter Rheinberg ist vorbei. Was zwar nicht bedeutet, dass es keine Schäden mehr geben wird, aber trotzdem befürchtet die Solvay nach dem Abzug der RAG künftig als Buhmann in Sachen Bergschäden herhalten zu müssen. Und zwar überall dort, wo in den vergangenen Jahrzehnten Salz abgebaut worden ist.

Risse am Mauerwerk

1926 begann der Steinsalzabbau im Bergwerk Borth. Anfang 2002 verkaufte die Solvay das Werk an die Esco. Was aber nicht heiße, sagen Reinhard Maly und Dr. Manfred Inkmann, dass die Solvay sich aus ihrer Verantwortung ziehen wolle. Maly ist Markscheider und Geschäftsführer der Cavity, einer Solvay-Tochter, die sich um die Auswirkungen des Abbaus und die Regulierung der Bergschäden kümmert. Inkmann wiederum ist Geschäftsführer der Horizon Immobilien, die Solvay-Immobilien verwaltet.

Zwischen 50 und 100 Hauseigentümer meldeten sich pro Jahr bei Cavity. Aber, so Maly, “nicht jeder Schaden ist automatisch ein Bergschaden. Schließlich gibt es außerhalb von Bergbaugebieten auch Gebäudeschäden.“ Risse am Mauerwerk könnten viele Ursachen haben. Dazu gehörten fehlende Dehnungsfugen, schwache Fundamente, Schwankungen im Grundwasser oder die Beschaffenheit des Bodens.

So habe es jüngst Fälle in Borth gegeben, dort hatten die Hauseigentümer vermutet, es handele sich um Bergschäden. Cavity habe einen unabhängigen Gutachter eingeschaltet, sagt Maly, der zu folgendem Ergebnis gekommen sei: Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Salzbergbau ein „zusätzlich wirkendes Initial“ sei, aber Hauptursache der Schäden sei die Bodenbeschaffenheit. Denn dort gebe es einen alten Rheinarm und seit 2004 einen sehr niedrigen Grundwasserstand. Hier sei ein Fall abgeschlossen, Cavity habe angeboten, sich mit einem Drittel zu beteiligen.

Maximal viereinhalb Meter gesenkt

Im Vergleich zum Kohlebergbau senke sich beim Salzabbau der Boden nur langsam, gleichmäßig und vor allem sehr großflächig ab. In Borth wird im so genannten Kammerpfeilerbau abgebaut. Hier wird also nicht wie in einem Kohleflöz komplett ein Hohlraum geschaffen, dann noch darüber und darunter abgebaut, sondern in einzelnen Salzkammern. Dazwischen blieben Pfeiler stehen, so dass sich über die Jahre nur sehr flache Senkungsmulden bilden würden.

1926 begann die Solvay mit dem Abbau in Borth, seitdem habe sich der Boden über den ehemaligen Abbaufeldern maximal um viereinhalb Meter gesenkt. Die größten Senkungen treten nach Angaben der Fachleute in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Abbau auf. Danach würden sie deutlich abnehmen. Bis heute seien - je nach Lage - bereits bis zu 80 Prozent der prognostizierten Senkungen eingetreten.

3200 Messpunkte gibt es über den Abbaufeldern, an 250 Privathäusern werden zudem regelmäßig Schieflagen gemessen. Eine Prognose: Zwischen Ginderich und Menzelen senke sich der Boden noch um etwa einen halben Meter, in Büderich um rund einen Meter.

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