Rheinberger Bürger planen Mahnwache

Betroffenen wollen in Kürze vor dem Solvay-Firmengelände eine Mahnwache abhalten.
Betroffenen wollen in Kürze vor dem Solvay-Firmengelände eine Mahnwache abhalten.
Foto: Ulla Michels
Rund 250 Bürger kamen zum Infoabend über die Auswirkungen des Salzbergbaus. Gründung einer Bürgerinitiative steht bevor.

Rheinberg/Büderich..  Absinkender Boden und daraus resultierende Risse an ihren Häusern – mit diesen Problemen haben die Bürger in Büderich, Ginderich, Perrich und Werrich zu kämpfen. Auch die angrenzenden Orte Wallach, Borth, Rheinberg, Alpen, Menzelen, Birten und Xanten sind betroffen. Grund dafür, so ist man sich im Rheinbogen sicher, ist der Salzabbau, den die Firma Solvay hier über Jahrzehnte betrieb. Cavity, jenes Unternehmen, das von der Solvay für die Regelung solcher Schäden installiert wurde, hingegen bestreitet, dass die Risse an den Gebäuden vom Salzabbau herrühren und weigern sich die finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Folge für die Betroffenen sind kostenintensive Prozesse mit teuren Gutachten.

Im Kohlebergbau gibt es für solche Fälle eine Schiedsstelle, im Salzbergbau nicht, beklagt Wilhelm Fischer, einer der drei Betroffenen aus Ginderich und Büderich, die am Dienstagabend zu einer öffentlichen Versammlung luden. Das Problem dabei, so erläuterte Landtagsabgeordneter Norbert Meesters, sei, dass das Bergbauunternehmen einer solchen Schiedsstelle zustimmen muss. Doch der Salzbergbau sperrt sich.

Der einzige gangbare Weg, das wurde in der Diskussion, zu der rund 250 Bürger gekommen waren, schnell klar, ist öffentlichen Druck auszuüben und Cavity so zu einem Konsens zu zwingen. Deshalb scheint auch der nächste Schritt offensichtlich: die Gründung einer Bürgerinitiative.

Auf verlorenem Posten

Denn wer versucht allein gegen Cavity vorzugehen steht auf verlorenem Posten. Beispielhaft ist dafür die Geschichte von Werner Schweickert, der den Prozess gegen Cavity verlor und nun auf den Kosten in Höhe von rund 60000 Euro sitzenbleibt. „Ich kam mir vor wie der kleine David vor dem riesigen Goliath. Ich hatte aber keine Steinschleuder“, beschreibt er das Gefühl von Machtlosigkeit. Da wäre eine Schiedsstelle hilfreich gewesen. Zum einen laufen Verfahren über Schiedsstellen wesentlich schneller ab, zum anderen trägt die Stelle die Kosten selbst, wenn der Schaden nicht durch den Bergbau verursacht wurde. Zudem ist hier der Kontakt zu unabhängigen Schlichtern und Sachverständigen gegeben. Neben der Gründung einer Bürgerinitiative wollen die Betroffenen in Kürze vor dem Solvay-Firmengelände eine Mahnwache abhalten.

Die tatsächliche Bergruhe nach Salzabbau tritt übrigens erst nach etwa 150 Jahren ein. „Es werden noch viele Generationen betroffen sein“, weiß Hermann Norff aus Büderich.

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