Poesie in Rheinberg

Andy Strauß (links) liest gemeinsam mit Sulaiman Masomi aus seinem Buch „Ein Kanacke sieht rot“.
Andy Strauß (links) liest gemeinsam mit Sulaiman Masomi aus seinem Buch „Ein Kanacke sieht rot“.
Foto: Lukas Hübinger
Wo einst Männer ihren Bizeps modellierten und Schweiß auf den Boden tropfte, ist nun die Kultur eingezogen. Kunst, Musik und Redekunst. Das „Studio Artlon“ bietet Kultur, die die Rheinberger begeistert. Das MAP-Festival gehört zu den absoluten Highlights im Jahr und dazu gehört auch der Poetry Slam.

Rheinberg. Wo einst Männer ihren Bizeps modellierten und Schweiß auf den Boden tropfte, ist nun die Kultur eingezogen. Kunst, Musik und Redekunst. Das „Studio Artlon“ bietet Kultur, die die Rheinberger begeistert. Das MAP-Festival gehört zu den absoluten Highlights im Jahr. Zu den reinen Konzerten gesellen sich eine Ausstellung und seit zwei Jahren ein Poetry Slam. Dieser literarische Hochgenuss hat sich zu einem festen Bestandteil des Programms entwickelt.

Von Anfang an dabei

„Ich war von Anfang an dabei und bin ein treuer Fan des MAP“, sagte Bürgermeister Hans-Theo Mennicken in seiner kurzen Rede zu Beginn. Dann kamen die drei Männer auf die Bühne, auf die alle gewartet haben: Sulaiman Masomi, David Grashoff und Andy Strauß. Die etwas provisorisch anmutende Bühne im ehemaligen Sportstudio „Fitline“, in dessen Ecke noch ein altes Trainingsgerät stand, war mit bläulichem Licht beleuchtet, mit einer riesigen Maske und einer braunen Coach bestückt. Den Anfang machte Sulaiman Masomi mit einer schwarzhumorigen Kurzgeschichte über eine Ausländergruppe, die Nazis mit umgekehrter Psychologie provozierten: „Nazis sind Neger!“

Von da an ging es in Schussfahrt an jedem noch so kleinem Tabu vorbei. Sex, Rassismus, Liebe, Tod, Gewalt, Drogen, Sprache wurden in ihre Bestandteile zerpflückt und in genialen Texten wieder zusammengesetzt.

Zum Totlachen

Dreist, ohne jede Hemmung, kein Thema war zu Ernst, um nicht einen Witz darüber zu machen. Die Wendungen sind stets überraschend, die Pointen immer zum Totlachen. „Das lag vor allem daran, dass mein Körperbau, der einer unterernährten Gottesanbeterin glich“, begründete David Grashoff die Tatsache, dass er in der Schule zum beliebtesten Opfer zählte und sich sogar die Schläger darum schlugen, wer ihn für den Rest des Jahres zusammenschlagen durfte.

„Pluto, der Patron der Gescheiterten“, beschreibt sich Masomi aus der Sicht vom ehemaligen Planeten Pluto. Alle drei Redekünstler trieben den Gästen im vollkommen ausverkauften „Studio Artlon“ die Lachtränen in die Augen. Mit irrer Erscheinung, Gestik und Mimik untermalte Andy Strauß seine teilweise vollkommen absurden Texte, die sich mit jedem Satz auf eine höhere Stufe der Absurdität schraubten.

„Glücklicherweise habe ich eine starke Walnussallergie. Wenn ich meinen Krankenhausurlaub brauche, muss ich nur fröhlich eine Walnuss knabbern.“ Wie alles bei MAP ist auch der Poetry Slam ein riesiger Erfolg und verspricht einen fantastischen Abend. Mit dem finalen Text des Abends zeigte Sulaiman Masomi noch einmal, wie viel Talent in ihm steckt. Eine komplexe Diskussion zwischen den Elementen der deutschen Sprache, mit dem todkranken Genetiv im Saal und der Epik als Redeführer. Wahnsinnig ausgetüftelt und facettenreich. Kaum zu glauben, dass jedes Gedicht, jede Geschichte, bloß den Köpfen dieser drei Männer entsprungen ist.

 
 

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