Patientendaten in Sekundenschnelle

Bei der Zertifikatsübergabe: Sven Kunstmann (Prokurist und eBI Projektleiter), Bettina am Orde (Geschäftsführerin der Knappschaft), Michael Derksen (Geschäftsführer SJH) und Dr. Olaf Nosseir (Chefarzt der Chirurgie)
Bei der Zertifikatsübergabe: Sven Kunstmann (Prokurist und eBI Projektleiter), Bettina am Orde (Geschäftsführerin der Knappschaft), Michael Derksen (Geschäftsführer SJH) und Dr. Olaf Nosseir (Chefarzt der Chirurgie)
Foto: Nein
Das Xantener St. Josef-Hospital ist als erstes Krankenhaus im Kreis für das System eBI zertifiziert

Xanten..  Seit drei Tagen ist Kurt nun krank, eine Besserung ist nicht in Sicht. Seine Frau vermutet etwas Schlimmeres, schließlich lag er vor Kurzem noch mit einer Lungenentzündung mehrere Wochen krank im Bett. Sie entschließt sich, mit ihm ins Krankenhaus zu fahren. Während Kurt dort untersucht wird, kümmert sich seine Frau um die Formalitäten.

Welche Medikamente nimmt ihr Mann? Hat er Vorerkrankungen, wo war er wenn zuletzt in Behandlung und was müssen die Ärzte beachten? Was früher eine Menge Zeit in Anspruch nahm, kann heute in wenigen Sekunden erledigt werden; vorausgesetzt man ist bei der Knappschaft versichert und die Behandlung findet in einem Partnerkrankenhaus der Krankenkasse statt. Zu diesen zertifizierten Krankenhäusern gehört seit gestern auch das St. Josef-Krankenhaus in Xanten als erstes in den Kreisen Kleve und Wesel. Das System, über das das Krankenhaus seine Daten erhält, heißt „Elektronische Behandlungsinformation“, kurz eBI. Doch wie funktioniert es?

Ohne Einwilligung dürfen Patientendaten bekanntlich nicht an die Klinik weitergegeben werden. Die Auskünfte, die diese über den Versicherten erhält, sind vertraulich und beinhalten wichtige gesundheitliche Angaben, welche die Knappschaft über den betreffenden Kunden durch beispielsweise Abrechnungen erhalten hat. Zu diesen Angaben zählen unter anderem Gewicht und Größe, aber auch der Body-Mass-Index (BMI) und der S-Kreatinin-Wert des Patienten, der bei der Medikation und Therapie der Behandlung eine wichtige Rolle spielt.

Laut Knappschaft erklärten sich nach aktuellem Stand 150 000 von knapp 1,7 Millionen Kunden mit der Nutzung eBIs einverstanden, das sie seit Juli 2013 nutzt. Schwerpunktmäßig kommt es in NRW, im Saarland und in der Lausitz in mehr als 30 Krankenhäusern zum Einsatz. Laut der Geschäftsführerin der Knappschaft, Bettina am Orde, kommen durch diese Datenübermittlung keine Mehrkosten auf die Versicherten zu, auch erhöhte Zusatzbeiträge würden nicht anfallen.

Neben den genannten Werten erhält das behandelnde Krankenhaus von der Knappschaft eine Liste der Krankenhausaufenthalte und der Medikamente, die dem Patienten in den vergangenen zwölf Monaten verschrieben wurden. Anhand dieser Anamnese-Unterstützung erhält der behandelnde Arzt einen Überblick über den individuellen Gesundheitsstand des Patienten und kann entscheiden, welche Medikation angebracht ist. Auch hierfür kann er eBI zu Hilfe nehmen: Eine Eingabe ins System später zeigt es ihm an, ob die vorgeschlagene Medikation zu vorangegangenen Behandlungen passt. eBI zeigt dabei sogar mögliche Komplikationen der vorgeschlagenen Medikamente an. Der Arzt kann sich an diesen Berechnungen orientieren, die Hoheit liegt jedoch immer noch bei ihm.

Dr. Olaf Nosseir, Chefarzt der Chirurgie am Josef-Hospital: „Das System bietet große Vorteile und vereinfacht die Medikation.“ Gerade für die Medikation sei es ein Vorteil, die Anamnese genau zu kennen. Bettina am Orde betont, dass es das Ziel sei, eBi auch ambulant anzubieten. Momentan sei jedoch erst einmal eine stationäre Weiterentwicklung des Programms geplant.

eBI ist gerade für die Knappschaft von großer Bedeutung, weil dort ein Großteil der Versicherten im Durchschnitt knapp 15 Jahre älter ist als die Versicherten anderer gesetzlicher Krankenkassen. Gerade in dieser Personengruppe haben Versicherte häufiger mit Dauermedikation und/oder Polymedikation (Einnahme mehrerer Medikamente) zu tun. Auch gibt es dort mehr Patienten mit multimorbiden Erkrankungen – es liegen also mehrere Erkrankungen gleichzeitig vor. Aus diesem Grund ist die Knappschaft momentan Vorreiter, wenngleich andere Krankenkassen auch die Möglichkeiten und Informationen dazu hätten. Bettina am Orde unterstreicht dabei noch einmal das Anliegen der Knappschaft: „Wir wollen Versorgung aktiv gestalten.“

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