Nutrias werden in Rheinberg zum Problem

Peter Bußmann
Ein Nutria-Weibchen im Wasser.
Ein Nutria-Weibchen im Wasser.
Foto: WAZ FotoPool
Die Tiere haben sich zu einem massiven Sicherheitsrisiko in Orsoy entwickelt. Weil sie Gänge in den Deich graben. Auch Jäger können das Problem nicht lösen.

Rheinberg-Orsoy.  Der Blick vom Orsoyer Deich hinunter in das Rheinvorland ist idyllisch. Grüne Wiesen, am Fuß des Deichs schlängelt sich ein kleiner Bach entlang, der dem Rhein zufließt. Ein paar junge Enten, die ersten Küken der Stockenten, paddeln gegen die Strömung. Sträucher säumen das Bachufer. Derzeit gibt es aber ein großes Problem, besser gesagt sogar zwei Probleme. Die Nutrias und die hohen Bäume, aber auch das Strauchwerk entlang des Lohgrabens, so heißt der Bach, stellen eine hohe Gefährdung für die Sicherheit des Deiches dar. Probleme, die Deichgräf Viktor Paeßens, der die Verantwortung für die Sicherheit hat, kennt. Der Wasserlauf, der wie ein friedlicher ruhiger Bach aussieht, wird zum Rhein abgeführt. Er wäre aber längst trocken, wenn hier nicht das Wasser als Folge des Bergbaus unter Binsheim abgepumpt werden müsste. „Das geschieht in der Verantwortung der Lineg.“

Reine Pflanzenfresser

Die Linksniederrheinische Entwässerungsgenossenschaft arbeitet in enger Kooperation mit dem Deichgräfen. Denn der Lohgraben ist zu dessen großem Problem geworden. Es sind die fremdartigen Bewohner, die eigentlich aus Amerika stammen, in Pelzfarmen gehalten wurden. Die Nutrias haben sich zum massiven Sicherheitsrisiko entwickelt – auch die Stadt Moers kann davon ein Lied singen.

„Der Lohgraben führt direkt am Orsoyer Deich entlang“, erklärt Paeßens. Und der ist längst von den Nutrias besiedelt. Die sind reine Pflanzenfresser, legen ihre Behausung unterirdisch an. Dazu graben sie Gänge in ihre Burg, regelrechte Höhlen – und die führen in den Fuß des Deiches. Nicht nur Erdrutsche in größerem Umfang verursachen die Tiere. Die Höhlen gehen bis in den Deich hinein.

„Der Lohgraben geht direkt am Deichfuß vorbei. Den haben wir vor einiger Zeit mal für zwei Wochen entwässert.““ Dabei sahen der Deichgräf und seine Mitstreiter die Misere. „Extrem viele Bauten der Nutrias gehen in den Deich hinein.“ Ständig schließe man die Bauten, doch dann entstehen wieder neue. Deshalb wurden jetzt einige Jäger mit Sondererlaubnis beauftragt, die Nutrias, die die Standsicherheit des Hochwasserschutzbauwerks gefährden, zu erlegen. Die Nutrias sind kein jagdbares Wild, daher gibt es eine besondere Genehmigung, die ständig erneuert wird. Doch in den Griff zu bekommen ist das Problem so nicht.

Die Nutrias sind nicht das einzige Problem, das der Lohgraben der Deichsicherheit beschert. Die großen Pappeln waren mit ihrem Wurzelwerk tief in das Bauwerk gedrungen. Auch das Strauchwerk, inzwischen wie die Bäume entfernt, bedrohte den Deich. „Wenn eine große Pappel bei einem Sturm umgefallen wäre, hätten ihre Wurzeln ein tiefes Loch in den Deich gerissen.“ Die sind inzwischen gefällt, aber die Nutrias weiter da. So bleibe nur eine Lösung: „Der Lohgraben wird verlegt werden“, so der Deichgräf.

Auch die Lineg plant wohl derzeit, den Bachlauf weiter ins Vorland zu verlegen. Hinter dem Deichtor Orsoys wird er dann wieder an die Stadt herangeführt, von dort zum Rhein fließen. Eine Zwangslösung. „Die können leben, wo sie wollen“, so Paeßens. „Nur nicht am Deich. Da haben sie nichts zu suchen.“ Das sei nicht mehr zu verantworten. Ob mit der Verlegung aber auch die Fremdlinge verschwinden, ist fraglich. „Die brauchen sandigen Boden, in dem sie ihre Gräben und Höhlen bauen“, meint er. Doch ein neuer Graben könnte einen lehmigen Boden bekommen, der den Nutrias nicht gefällt.

Der Deichgräf und seine Mannschaft stehen jetzt noch vor einer anderen Herausforderung. „Wir beginnen mit umfangreicher Deichsanierung direkt nach dem 1. Mai. Die Bagger rollen schon an.“ Die werden im Orsoyer Land arbeiten.

Auch in Ossenberg gibt es tierische Probleme. Da sind es die Kaninchen, die Löcher in den Deich graben. „Wenn wir die heute zustopfen, sind die morgen wieder auf.“ So macht auch die Tierwelt dem Deichgräfen zu schaffen.