Närrischer Adel feierte in Ossenberg

Das Prinzentreffen der KAG Ossenberg in der Remise im Schlosshof war ein voller Erfolg. Trotz ausgefallener Heizung.
Das Prinzentreffen der KAG Ossenberg in der Remise im Schlosshof war ein voller Erfolg. Trotz ausgefallener Heizung.
Foto: Christoph Karl Banski
Glanzvolles Prinzentreffen in der Schlossremise. Mehr als 52 Vereine aus verschiedenen Regionen kamen nach Rheinberg.

Rheinberg-Ossenberg..  Festlich angestrahlt war Ossenbergs idyllisches Schloss am Freitagabend. Eine zauberhafte Kulisse erwartete Niederrheins närrischen Adel. Die großen Bäume im weiträumigen Schlosspark erstrahlten in Blau und in Rot, von versteckten Scheinwerfern ebenso wie das große Schlossgebäude angeleuchtet. Zwei lange Reihen brennender Ölfackeln zeigten den Weg in die alte Remise, die vor Jahren nach einem Orkan wieder in neuem Glanz entstand.

Seit fünf Jahren ist sie Ort des Prinzentreffens in der närrischen Session. Inzwischen gibt es alljährlich Rekordzahlen närrischer Tollitäten. Dieses Jahr hatten sich stolze 52 angesagt. Prinzessinnen, Prinzen, Prinzenpaare, Dreigestirne oder närrische Eigenarten wie der Hoppeditz und die „Attacke“ Karin Raimondo, eine Närrin aus Twisteden, wo man zwar einen Verein der Karnevalsfreunde, aber keine Prinzen oder Prinzessinnen kennt. Stattdessen sorgen dort Hoppeditz mit seiner fast mannshohen Teufelsgeige, einem närrischen Wildwuchs aus Bass und Schlagzeug und die Attacke, die bunte Närrin mit dem mehrfach gewundenen Signalhorn, für Stimmung.

Hier und da ein Alaaf

Die Twistener Attacke war es, die mit dem Horn das Signal zur Eröffnung des diesjährigen Prinzentreffens gab. Das begann vor 13 Jahren im Ahnensaal des Schlosses, einem zauberhaften Rokkokosaal. Acht Jahre lang waren Saal und Schloss selbst Ort des Prinzentreffens. Zwar waren es die Ossenberger, die damals einer der ersten Karnevalsvereine des Niederrheins waren, die zu einem Treffen der närrischen Tollitäten einluden. Längst wird es in einigen Orten kopiert, doch das Original ist Ossenberg mit der zauberhaften Kulisse, die Herzogin Karen von Urach und Herzog Wilhelm Albert zur Verfügung stellten. Doch die Bezeichnung niederrheinisches Prinzentreffen macht man Ossenbergs Karnevalsverein KAG neidisch streitig. So bescheiden sich die Ossenberger, die auch die Urväter der Kevelaerer Prinzenwallfahrt sind, mit dem Titel Prinzentreffen.

Das wurde zum 13. Mal ein großer Wurf. 52 Vereine waren angesagt, einige mehr kamen. Während der närrisch prinzliche Adel, selbst Bauer und Jungfrau waren darunter, in langer Kavalkade in die Remise zog, erlebten die Begleiter im Festzelt an der Kirchstraße ein tolles Programm, zu dem die Tollitäten später wieder hinzu stießen. Vom Bergischen Land bis an die niederländische Grenze und weit aus dem Münsterland kamen sie angereist. Auch Ingeborg Gartz, Landespräsidentin der Föderation Europäischer Narren machte ihre Aufwartung.

Horst Neumann, Präsident der KAG, konnte neben den herzöglichen Hausherrn Bürgermeister Hans-Theo Mennicken und Ossenbergs Prinzessin Caroline I. samt Adjutanten Tobias begrüßen. Scherzhaft ulkte er: „Es ist sehr schön hier, wenn mal die Heizung läuft.“ Die, von den Karnevalisten mittags aufgestellt, hatte rechtzeitig zum Prinzentreffen die Arbeit eingestellt. Was keinen störte. Denn die gute Laune der Tollitäten sorgte nicht nur für Stimmung, sondern auch schnell für Wärme. Selbst der Herzog ulkte. „Es hätte mich auch gewundert, wenn zum 13. Treffen alles geklappt hätte.“ Sonst klappte alles wie am Schnürchen. Die Stimmung war großartig. Attacke Karin Raimondo griff immer wieder zum Horn, die Helau-Rufe häuften sich, verschämt mischte sich auch mal ein Alaaf dazwischen.

„Eine ganz tolle Sache“

Für Prinzessin Caroline wurde es Schwerstarbeit. Jedem der weit über halben Hundert Tollitäten, manche der fast 60 Vereine hatten Paare oder sogar Dreigestirne, wie zum Beispiel das Kamp-Lintforter Karnevalskomittee Kolping mit Prinz Ralf I, Bauer Sven I. und Jungfrau Michael(a) I., mitgebracht. So konnte Caroline für sich in Anspruch nehmen, die meist geküsste Frau des Abends zu sein. Auch der Chronist der NRZ bekam ihren Orden, durfte eine hübsche leibhaftige Karnevalsprinzessin küssen.

Das Prinzentreffen in Ossenberg lockte sie alle. Auch René Schneider, SPD-Landtagsabgeordneter aus Kamp-Lintfort, war begeistert. „Ich bin zum ersten Mal hier. Eine ganz tolle Sache.“ Im Landtag habe man gerade über deutsches Brauchtum und Weltkulturerbe diskutiert. Auch der Karneval gehöre dazu, meinte er. Dass es in der Remise kalt war, störte ihn wie auch den närrischen Adel nicht im Geringsten. Die KAG-Damen reichten reichlich Wärmendes und Schnittchen.

Man hielt es mit Präsident Neumanns launischer Entschuldigung: „Ich habe mehr Bier und Sekt bereit gestellt. Und heißen Kaffee haben wir auch.“ Da hatte er die Lacher auf seiner Seite. Ossenbergs Karnevalsprinzessin hatte anders vorgesorgt, lupfte das lange Kleid. Dicke wollene Leggins kamen zum Vorschein. Natürlich närrisch bunt. Dass mit der Heizung was schief lief, darüber lachte sie nur. „Vor fünf Jahren war ich als Kinderprinzessin im Schloss. Da löste sich auf einmal der Reifrock und fiel runter.“ Darüber hatte sie noch mehr gelacht.

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