Morgen tanzt der Kessel

Tino Reminder (rechts) und Helfer Bogdan Apacheitei machen den Musik-Express flott.
Tino Reminder (rechts) und Helfer Bogdan Apacheitei machen den Musik-Express flott.
Foto: WAZFotoPool
Gestern schwitzten die Helfer. Kirmes ist ein Kinderspiel – für die Besucher. Die Arbeit machen andere

Rheinberg..  Ein bisschen Klischee muss sein: schweißglänzender Rücken, Muckis, Fluppe im Mund, Kette am Hals und eine beeindruckende Metallstange auf der Schulter. Kosta ist bei 30 Grad ein Kirmeshelfer wie aus dem Bilderbuch. Einer von zweien, die gestern auf dem Rheinberger Markt mit Danny Reminder an seinem Fahrgeschäft „Kesseltanz“ schufteten.

Aus Kalkar ist der 28-jährige Schausteller gestern Morgen angereist. Dass er nur eine Stunde geschlafen hat, sieht man dem Duisburger nicht an. „Wir haben bis heute Morgen um sechs in Kalkar abgebaut.“ Ausruhen geht nicht. Morgen um 12 Uhr wird der „Kesseltanz“ zur Rheinberger Kirmeseröffnung seine erste Runde vor der St. Peter Kirche auf dem Marktplatz drehen und Danny wird im Kassenhäuschen Chips für 2,50 Euro verkaufen.

Papa Tino und sein Musikexpress

Im Winter hat Schausteller-Familie Reminder den hüpfenden Hexenkessel neu angeschafft. Zum ersten Mal haben sie das neue Fahrgeschäft, das die Gäste ordentlich durchschütteln wird, mit nach Rheinberg gebracht. Nebenan werkelt Papa Tino am Musikexpress. „Den haben wir schon seit 32 Jahren“. Wie viele Einzelteile müssen zusammengebaut werden? Tino Reminder lacht. „Keine Ahnung, ich habe das noch nie gezählt.“ Er wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Es sind auf jeden Fall zu viele.“ Vier LKW-Ladungen voll hat das Duisburger Team noch vor sich – und trotzdem tragen sie gerne extra fürs Foto ein schweres Saxofon ins Bild. Danke!

Jetzt hoffen die Schausteller, dass sich die Schufterei auch auszahlt. Und dabei hilft für so ein Saisongeschäft neben fröhlichen Kirmesbesuchern wie immer nur gutes Wetter. Dennoch: Danny Reminder wird das Unternehmen des Vaters in jedem Fall weiter führen. Schausteller sein – das ist sein Leben.

Geschwitzt wurde gestern nicht nur auf dem Marktplatz. Ein paar hundert Meter weiter auf der Festwiese hat Klaus mit der Hitze zu kämpfen. „Klaaaaus, wo gehört die Stange hin???“ Manfred Hammes ist unüberhörbar genervt. Wenig Schlaf, hohe Temperaturen, da liegen die Nerven schon mal blank.

Der Mönchengladbacher war schon oft mit seinem Crêpe-Stand in Rheinberg. Diesmal hat er auch sein Kinderkarussell mitgebracht. Und da Helfer Klaus mittlerweile den richtigen Platz für die Stange mit der Nummer 9 gefunden hat, lässt das Gerüst so langsam erahnen, dass hier ab Freitag bunte Gefährte ihre Runden drehen.

Hündin Joyce kläfft im Hintergrund. „Halt den Hund fest“, ruft Manfred Hammes seiner Frau zu. „Da kommt der Autoscooter.“ Langsam bahnt sich der riesige Transporter seinen Weg über die Wiese. „Da kommt der Autoscooter“, freuen sich auch die Bürgerschützen. Denn damit hat auch die letzte Attraktion das Rheinberger Kirmes-Gelände erreicht.

Richtig viele Helfer tummeln sich am Gefechtsstand, der mit rot-weißen Barrieren abgesperrt ist. Der Kugelfang muss aufgebaut werden. Geschätzte 30 Schützen der Dreiergemeinschaft sorgen dafür, dass hier am Montag um die Königswürde geschossen werden kann. „Wir machen das alle ehrenamtlich“, sagt Wolfgang Januscheck, Schriftführer der Bürgerschützen.

Wo steckt der Kirmes-Wirt?

Und wo steckt Kirmes-Wirt Michael Zajuntz? Der Mann, bei dem die Fäden des Rheinberger Spektakels zusammenlaufen, war gestern schwer beschäftigt. Handy – Leitung belegt. Suche nach dem Herrn auf dem Festplatz – schwierig.

„Der ist bestimmt gleich wieder da“, schätzt ein Mitarbeiter. Seine Leckerschmeckerbude stand jedenfalls am Nachmittag schon. Denn Zajuntz organisiert ja nicht nur den Kirmesplatz, er muss sich als Gastronom vor Ort auch um sein eigenes Angebot kümmern. Gebrutzelt wurde gestern an seinem Stand natürlich noch nichts. Aber es war schon zu lesen, was ab morgen über die Theke geht. Rollmops zum Beispiel. Und Matjes. Und Bratwurst. Natürlich!

 
 

EURE FAVORITEN