„Manchmal muss ich schauspielern“

Die neue Karnevalsprinzessin des KAG Ossenberg ist Caroline Lehmann.
Die neue Karnevalsprinzessin des KAG Ossenberg ist Caroline Lehmann.
Foto: WAZ FotoPool
Caroline Lehmann ist mit 21 Jahren die jüngste Prinzessin des KAG Ossenberg

Rheinberg-Ossenberg..  Ihr Herz schlägt für den Karneval und das schon solange sie denken kann. Platz für etwas anderes ist kaum in ihrem Leben und jetzt ist Caroline Lehmann auch noch gekürt worden: zu Prinzessin Caroline I. – jüngste Würdenträgerin des Karnevals-Ausschusses Gemütlichkeit Ossenberg. „Aus Jung wird Alt, aus Klein wird Groß“ heißt ihr Motto, schließlich kennt sich die 21-Jährige im Geschäft aus, vor fünf Jahren durfte sie sich bereits Jugendprinzessin nennen.

Der Terminplan der jungen Auszubildenden ist prall gefüllt, hier eine Sitzung, da ein Auftritt. Aber was macht so eine Prinzessin eigentlich? „Gute Frage“, antwortet Caroline Lehmann. „Ich repräsentiere den Verein, animiere die Leute zum Feiern und mache Stimmung.“ Gut gelaunt sein, lächeln und winken, das fällt der jungen Prinzessin nicht immer leicht. „Klar, habe ich auch mal keine Lust. Manchmal muss man eben gut schauspielern können.“ So wie Anfang Januar, als sie eigentlich lieber zu Hause bleiben wollte, weil sie krank war. „Doch wenn man dann die Leute sieht, ist man wieder in einer anderen Welt. Es lenkt einen ab.“ Schließlich wurden aus den Karnevalskollegen irgendwann Freunde, aus dem Karnevalsverein ein Teil des Lebens.

Angefangen habe alles in der ersten oder zweiten Klasse, da entdeckte Caroline Lehmann das Tanzen bei der Borther „Zipfelgarde“ für sich. In Ossenberg ging es ab der dritten Klasse weiter, im Kinderkarnevalskomitee der KAG.

In die Wiege gelegt, wurde ihr das närrische Gen jedoch nicht. Mutter Gudrun war ein Karnevalsmuffel, der Vater Marius reagiert verhalten auf die Bewerbung zur Prinzessin – mittlerweile hat sich die Abneigung jedoch gewandelt: Gudrun Lehmann ist zweite Vorsitzende, Marius Lehmann Schriftführer beim KAG Ossenberg. Bruder Tobias tut es ihr sogar gleich, er tritt in dieser Session als ihr Adjutant auf, begleitet seine große Schwester bei den Auftritten.

Mit 16 wählte sie der Verein zur Jugendprinzessin. Bereits da keimte der Wunsch, irgendwann große Prinzessin sein zu dürfen. „Ich bin damals nach meinem letzten Auftritt vom Wagen runter und habe nur geweint.“ Eine Chance auf den Titel hatte sie erst ab dem 18. Lebensjahr. Bis dahin bleibt sie dem Karneval treu und moderiert unter anderem die Kinderkarnevalssitzung. Der Weg auf die Bühne fällt ihr jedoch nicht immer leicht. „Ich hab jedes Jahr vor meinem ersten Auftritt Bammel, aber nach den ersten Worten, fällt die Last ab.“ Schüchtern sein, bringe in diesem Business eben nichts. „Man kann nicht nur stumm in der Ecke sitzen. Ich war schon immer eine Rampensau“, lacht die 21-Jährige.

Ausbildung zur Kauffrau

Umso mehr erstaunt ihre Berufswahl. Nach dem Schulabschluss beginnt Caroline Lehmann eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel; pompös, laut und bunt ist hier nichts – so soll es auch sein. „Hier bin ich eher zurückhaltend, es ist eben eine andere Umgebung.“ Der Karneval solle sie schließlich vom stressigen Alltag ablenken, „es ist Entspannung“.

Platz für Hobbys bleibe neben Beruf und Narrenzeit kaum noch, auch die Sanitätsdienste beim Deutschen Roten Kreuz, wo sie seit Jahren ehrenamtlich tätig ist, leiden unter den vielen Verpflichtungen. „Beim Deutschen Roten Kreuz bin ich momentan nicht mehr ganz so aktiv“, das letzte Mal im November. Auch die Freunde kämen manchmal zu kurz, gibt die Karnevalsprinzessin zu. „Im Moment kann ich am Wochenende nicht mehr feiern gehen. Aber die Freunde haben Verständnis.“

Gedanken um die Zukunft macht sich die 21-Jährige nicht. In eineinhalb Jahren möchte sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Und bis dahin? „Genieße ich, wie es gerade ist.“ Der Karneval spiele jedoch auch weiterhin eine wichtige Rolle.

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