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Mina hat Spaß mit dem Ferienprogramm.
Mina hat Spaß mit dem Ferienprogramm.
Foto: Privat
Das NRZ-Ferienprogramm für Familien mit schmalem Geldbeutel startete gestern im Haus der Generationen in Rheinberg. Volksbank-Azubis verstärken das Helferteam

Rheinberg..  Solche Sätze ist Katharina Wachs von ihren Kunden nicht gewöhnt. Das eine Kind, hört sie von der besorgten Mutter, muss nach dem Essen eine Tablette nehmen, das andere hat eine Erdbeerallergie und das dritte ist ein wenig schüchtern und braucht besondere Aufmerksamkeit. Neuland für die 20-jährige Kati, die sonst mit Zahlen jongliert. Die junge Frau aus Rheinberg absolviert gerade eine Ausbildung bei der Volksbank Niederrhein. Ein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern die Möglichkeit einräumt, über den Tellerrand zu schauen, sprich in andere Bereiche hineinzuschnuppern und dort mitzuarbeiten. „Seitenwechsel“ heißt die Aktion, und in diesem Jahr profitiert das Ferienprogramm für Familien mit schmalem Geldbeutel davon. Gestern war der Auftakt, und insgesamt vier Azubis der Volksbank verstärken das Helferteam im „Haus der Generationen“.

Seit sieben Jahren organisieren das Diakonische Werk im Kirchenkreis Moers und der Caritasverband Moers-Xanten mit Unterstützung der NRZ und vielen ehrenamtlichen Helfern ein Ferienprogramm für Kinder aus Familien, die finanziell nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das Projekt „Seitenwechsel“ hatte Bernard Bauguitte, Leiter des Diakonischen Werks in Rheinberg, immer schon interessiert. Er sprach verschiedene Firmen an. Sandra Müller-Grüne, bei der Volksbank Niederrhein zuständig fürs Personal, musste nicht lange überlegen, um zu sagen: „Da machen wir mit. In anderem Rahmen haben wir das schon einmal gemacht.“ Anderer Rahmen heißt in diesem Fall, dass die Azubis aus dem zweiten Lehrjahr bei den Kunden der Volksbank Firmenluft schnuppern. Bei einem Landwirt zum Beispiel oder einem Handwerker. Um Verständnis zu wecken, wenn der Kunde ein Anliegen hat. „Wenn jemand für einen Traktor einen Kredit von 200 000 Euro haben möchte, ist das natürlich eine Riesensumme. Aber wenn jemand die Verhältnisse kennt, hinter die Kulissen geblickt hat, dann kann er das ganz anders beurteilen.“

Die Teilnahme am Ferienprogramm ist für die Volksbank, die den Organisatoren seit Jahren mit einer großzügigen Spende unter die Arme greift, eine Premiere, soziale Projekte gab es bisher nicht für die Auszubildenden.

Vier von ihnen sind in dieser Woche im „Haus der Generationen“ mit von der Partie, wo unter dem Motto „Ich bau’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“ rund 50 Kinder spielen, singen, malen, bauen, kurz, kreativ sind. Mit Kati ist Annika Krüsmann an diesem Morgen für die Anmeldung eingeteilt. Haben die Kinder alle ein Namensschild, was ist zu beachten, gibt es Allergien, dürfen sie fotografiert werden – der Andrang ist groß, und zwischendurch wird’s auch mal unübersichtlich, aber die beiden jungen Frauen bleiben ganz gelassen. Kein Wunder, beide haben Erfahrungen im Umgang mit Kindern. Annika hat bereits in der Grundschulbetreuung mitgemacht, Kati bei anderen Ferienprogrammen. „Ich arbeite gerne mit Kindern“, sagen sie wie aus einem Mund. Kinder seien ehrlich, meistens fröhlich, „kurz, es macht einfach Spaß“. Und sie machten Erfahrungen, die sie in ihren Beruf einfließen lassen könnten. Das sieht auch Sandra Müller-Grüne so. Für die Entwicklung der Persönlichkeit sei die Erfahrung mit „Seitenwechsel“ eine sehr gute Sache. Ihre Azubis seien nicht leichtfertig an die Sache herangegangen, sondern hätten sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, dass das Engagement in diesem Ferienprogramm auch viel Fingerspitzengefühl erfordere. Sie sei sehr gespannt auf die Reaktionen. Die erste gab’s gestern gleich von Annika am Ende des Auftakttages: „Sehr schön.“

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