Krank wegen Elektrosmog

Elektrosmog kann Menschen, die sensibel reagieren, das Leben schwer machen. Foto: Ingo Otto
Elektrosmog kann Menschen, die sensibel reagieren, das Leben schwer machen. Foto: Ingo Otto
Foto: WAZ

Rheinberg. Wenn Menschen unter Elektrosmog leiden, kann das schmerzhaft sein. Eine Betroffene erzählt ihre Leidensgeschichte: Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe. Ärzte therapierten nur die Symptome.

Als junge Frau war sie gesund. In ihrem kaufmännischen Beruf arbeitete sie mit der alten Schreibmaschine, dem Schnurtelefon. Dann kamen Computer, Funktelefone, Handys, Mikrowelle. Es war ein schleichender Prozess, sagt Heike, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte: Unwohlsein, Kopfschmerzen, nach einer Stunde abgeschlafft, wenn sie am Computer arbeitete. Und Schlaflosigkeit.

Die Ärzte, die sie aufsuchten, meinten, Rat zu wissen, verschrieben Medikamente, Schlaf- oder Beruhigungstabletten, sie bekam Cortisonspritzen. Was nicht positiv für ihre Gesundheit war. Keiner der behandelnden Ärzte suchte nach den Ursachen. „Die therapierten nur die Symptome“, lacht sie bitter. Inzwischen ist sie berufsunfähig, weil andere Krankheiten hinzu kamen.

Woher kamen die Ursachen für Schlaflosigkeit, Unruhe und das Schlappsein? Das fand erst ein Spezialist heraus: Ein Umweltmediziner. Der empfahl, einen Baubiologen einzuschalten, nach elektromagnetischen Feldern, nach Elektrosmog im Umfeld zu suchen. Der wurde fündig, fand vielfältige elektromagnetische Felder in Haus und Umfeld. Seit die minimiert sind, geht es Heike wieder besser.

Alles nur Einbildung?

„Ich bin elektrosensibel“, weiß sie heute. Die Diagnose stellte der Umweltmediziner. „Wenn ich eine Viertelstunde vor dem PC sitze, kriege ich Stiche, geht es mir schlecht.“ Vor 15 Jahren ging es los: „Ich fühlte mich am Arbeitsplatz erschöpft, konnte mich nicht konzentrieren.“ Zu Hause gab’s Computerspiele. „Ich wurde nervös, habe das anfangs ignoriert.“ Natürlich gab´s ein Funktelefon. „Frauen telefonieren gerne lange“, lächelt sie. „Nach einer halben Stunde wurde mir warm, aber auch unwohl.“ Die Konzentration nahm rapide ab.

„Bildest du dir das alles ein?“, fragte sie sich. Heute weiß sie es besser. „Typische Symptome elektrosensibler Menschen“, sagt Michael Lefknecht, Umweltmediziner aus Duisburg. „Der normale Arzt ist gar nicht ausgebildet, dass zu erkennen. Die klassische Medizin behandelt die Symptome, forscht nicht nach solchen Ursachen.“ Das tut der Umweltmediziner, von denen es nur wenige gibt.

„Ich erlebe es in meiner Praxis: Die Zahl elektrosensibler Menschen steigt ständig an.“ Gründe: Immer mehr elektromagnetische Felder, immer mehr Funkstrahlung. Die würde sich, so Lefknecht, der auch Sprecher der Schirm, der Schutz-Initiative Rheinberg Mobilfunksmog ist, nach Angaben der Telekom in den nächsten fünf bis zehn Jahren versechzigfachen.

„Ich habe die Problemfälle in meiner Praxis sitzen“, sagt er. „Schlaflosigkeit, Kopf- und Muskelschmerz ist das ganz große Problem.“ Handy, Mobiltelefon (DECT), Computer (WLAN), Mikrowelle, Babyphone etc. und die Funkmasten erzeugen Funkwellen.

Als Spinnerin abgestempelt

Lefknechts Rat: Einen erfahrenen Baubiologen holen. Der rät oft: Netzfreischalter für Schlafräume, Funkwellen und elektromagnetische Felder abschirmen. „Da gibt es viele Möglichkeiten“, so Lefknecht. Den Patienten geht es dann wieder besser.

„Man wird als Spinner abgestempelt“, sagt Heike. Sie möchte sensibilisieren. „Wir können der Technik nicht davon laufen.“ Aber vorsichtiger damit umgehen. „Die Probleme des Elektrosmogs werden totgeschwiegen. Es muss mehr Aufklärung betrieben werden“. Meist habe man den eigenen Funkturm im Haus, wie die Funktelefone mit nicht ungefährlichem DECT-Standard.

Aufgerüttelt wurde sie durch die Diskussion um den künftigen Sendemast in Rheinberg-Vierbaum. „Nach ungefährlichen Alternativstandorten suchen“, bittet sie Rat und Verwaltung der Stadt. Um elektrosensiblen Menschen zu helfen. Da herrsche noch zu oft der Glaube „Was man nicht sieht, ist nicht da“. Wie die nicht ungefährliche Funkstrahlung. Das kann der Umweltmediziner nur bekräftigen. Er wünscht ein Umdenken. „Wir können Handys, Funktelefone, Computer nicht mehr abschaffen. Aber sensibler damit umgehen und das alte Kabel benutzen. Es gibt Tausende Menschen, die gar nicht wissen, dass ihre Krankheitsbilder davon stammen.“

 
 

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