Jetzt kann die Gemeinde kommen

Geschafft! Pfarrerin Ulrike Thölke und Kirchmeister Erich Weisser freuen sich darauf, am Sonntag mit der Gemeinde wieder die Gottesdienste in der Kirche feiern zu können. Gestern wurde noch die Orgel  gestimmt. Übrigens hat sich auch außen einiges verändert: Es gibt eine Garage mit  Jugendraum im ersten  Stock.
Geschafft! Pfarrerin Ulrike Thölke und Kirchmeister Erich Weisser freuen sich darauf, am Sonntag mit der Gemeinde wieder die Gottesdienste in der Kirche feiern zu können. Gestern wurde noch die Orgel gestimmt. Übrigens hat sich auch außen einiges verändert: Es gibt eine Garage mit Jugendraum im ersten Stock.
Foto: WAZ FotoPool / Gerd Hermann
Die evangelische Kirche in Wallach wurde komplett saniert. Einen Teil der Kosten hat die Cavity wegen der Schäden durch den Salzbergbau übernommen. Sonntag gibt’s feierlichen Wiedereröffnungsgottesdienst

Rheinberg-Wallach..  Wer sich mit alten Gemäuern befasst, der weiß, dass Überraschungen an der Tagesordnung sind. Erich Weisser ist Fachmann auf diesem Gebiet. Der Kirchmeister der Ev. Gemeinde Wallach hat sich nicht vorgedrängt, um ein solcher Fachmann zu werden. Die Ereignisse haben ihn überrollt. Denn eigentlich, so Weisser, hatten er und seine Mitstreiter im November 2011 gedacht, das war’s jetzt. Damals wurde das neue Gemeindehaus eingeweiht, und zu diesem Zeitpunkt sollte der Schlusspunkt hinter die Sanierungsarbeiten gesetzt werden. Verkehrt gedacht. In den vergangenen Monaten musste die Kirche von oben bis unten saniert werden. Immer dann, wenn es aussah, als wäre die Arbeit beendet, gab es neue Hiobsbotschaften. Aber drei Monate später kann die Gemeinde übermorgen, am Palmsonntag, endlich wieder ihren Gottesdienst in der frisch renovierten Kirche feiern.

Der Aufwand hat sich gelohnt

Los ging’s, blicken Weisser und Pfarrerin Ulrike Thölke zurück, mit einer Untersuchung des Daches im Kirchenschiff. „Da war teilweise etwas weggefault.“ Als nächstes entdeckten die Handwerker etliche Risse im Gebäude, die Haken, die die schweren Metallplatten an den Dachkanten festhalten sollen, waren komplett marode und hätten im Ernstfall nichts mehr festhalten können, die Kirchenfenster drohten, herauszufallen, bei Wandarbeiten am Kreuz wurde ein Hohlraum dahinter entdeckt mit einem vielleicht zweihundert Jahre alten Gemälde. Zum Glück, sagt Weisser, ohne Wert, weder kirchengeschichtlich noch kunsthistorisch. Sonst hätte der Kirchmeister, der in der Gemeinde für die Finanzen zuständig ist, gleich die nächste Rechnung bezahlen müssen. Die Denkmalbehörde hatte keinerlei Einwände, der Hohlraum durfte wieder verschlossen werden.

Der ganze Aufwand hat sich aber gelohnt. Hell und licht präsentiert sich die Kirche aus dem Jahr 1446, mit neuem Anstrich, Elektrotechnik und mehr. Wer genau hinschaut, entdeckt Dinge, die früher nicht da waren. Am Ende der Rundbögen im Altarraum zum Beispiel. Diese Endstücke waren vorher grau überstrichen, jetzt entdeckten die Maler dort Gesichter, die in die Bögen gemeißelt worden waren. Die sind frei gelegt und deutlich zu erkennen.

24 000 Euro hat der Kirchmeister der Ev. Gemeinde Wallach pro Jahr für Sanierungsarbeiten zur Verfügung. In den nächsten Jahren muss Weisser kürzer treten, die Reparaturrücklage ist erschöpft, denn ins Gotteshaus wurden rund 100 000 Euro gesteckt. Was ihm wichtig ist: Einen Teil der Summe hat die Cavity übernommen, die die Schäden aus dem Salzbergbau reguliert. Nur knapp 50 Meter entfernt von der Kirche wurde abgegraben. Ende des vergangenen Jahres, so Weisser, hätten sich alle Beteiligten an einen Tisch gesetzt und sich „absolut einvernehmlich geeinigt“. Keiner habe sich vom anderen über den Tisch gezogen gefühlt, die Cavity, lobt er, habe sich maßgeblich an den Kosten beteiligt, „da kann man wirklich nicht meckern“. Und: „Das ist die Meinung des gesamten Presbyteriums.“ Neben der Cavity setzt die Gemeinde auch auf die Sparkasse, wenn’s um Hilfe geht, ein Antrag an die Kulturstiftung sei unterwegs.

Weisser und Ulrike Thölke ärgern sich oft darüber, wenn pauschal gesagt, werde, Kirchen hätten viel Geld. Sicher, da gebe es das eine oder andere Grundstück, das sie besitzen würden. Aber auf der anderen Seite verpflichte Eigentum eben auch. Und Eigentum der Gemeinde seien auch Denkmäler wie die Kirche, in die viel Geld gesteckt werden müsse. In Wallach 24 000 Euro im Jahr. Mindestens.

EURE FAVORITEN