Immer ein Vorbild für die Jugend

Elisabeth Haas erinnert sich an ihren Bruder Karl Leisner.
Elisabeth Haas erinnert sich an ihren Bruder Karl Leisner.
Foto: Kleve
Motorradwallfahrt zum Gedenken an Karl Leisner - Seine Schwester erinnert sich

Kleve.  Das erste, was Elisabeth Haas in den Sinn kommt, wenn sie an ihren Bruder Karl denkt, ist eine typische Anekdote: „Als ich zehn Jahre alt war und er nach Münster ging, da sagte er immer: Elisabeth, du kannst so schön Koffer packen. Kannst Du mir den Koffer packen?“ Als Jüngste der fünf Geschwister bekam die kleine Elisabeth wenig von ihrem Bruder mit. „Er war ja acht Jahre älter, hat mit mir nicht gespielt, dafür war ich zu klein.“ Am 12. August 1945 starb Karl Leisner in München, das Grab befindet sich in der Krypta des Xantener Domes. Dass ihrem Bruder wie zuletzt mit einer Motorradwallfahrt nach Xanten gedacht wird, freut Elisabeth Haas, die heute in Kleve lebt. „Das Andenken an Karl ist mir sehr wichtig, solange ich dabei sein kann.“

Im Blickfeld der Gestapo

Was von ihrem Bruder in Erinnerung bleiben soll, da hat Elisabeth Haas eine klare Vorstellung. „Dass er ein gutes Vorbild bleibt für die Jugend, das war immer sein Streben.“

Karl Leisner studierte in Münster Theologie, leitete die Klever Jugend, organisierte Reisen nach Brüssel zur Weltausstellung, in die Schweiz, nach Rügen. Die heute 90-Jährige blättert in Alben mit Fotos und Aufzeichnungen ihres Bruders. Dass sich Karl so intensiv dem katholischen Glauben zuwenden würde, lag in der Familie begründet. „Die Religiosität stammt von den Großeltern.“ Der Glaube sei von den Eltern vorgelebt worden, der Vater habe Karl Leisner aber die Entscheidung offen gelassen, das Priesterstudium fortzusetzen. „Er ist nicht unter Druck Priester geworden.“

Schon früh nach der Machtergreifung hatte die Familie Leisner mit den Nazis zu tun. Der Vater landet als Leiter der Gerichtskasse am Klever Amtsgericht wegen eines angeblich verfassten „anonymen Briefes“ für acht Tage im Gefängnis. Als Diözesanjungführer geriet auch Karl ins Blickfeld der Gestapo. „Er wurde mehrfach vom Direktor vorgeladen, mit der Begründung, sie dürften in der Schule nicht die Richtlinien der katholischen Jugend einbringen.“ Schon früh begriff Karl Leisner, welche Gefahr von den Nazis ausgeht.

Elisabeth Haas liest eine Passage aus den Aufzeichnungen vor – ein Gespräch mit zwei Klassenkameraden über Nazis und Gleichschaltung. „Den Deutschen, der nicht Nazi ist, muss man doch als Bruder allerwenigstens dulden, als Christ lieben. Wie lässt sich das mit dem Geist des Christentums verbinden?“, argumentiert Leisner. Die Gründung der Nationalkirche, die Auflösung der katholischen Arbeitervereine hat er da schon im Blick. „Und übermorgen sind wir dran.(...). Aber ich lasse mich nicht zwingen, denn ich bin frei.“

Im März 1939 wird er zum Diakon geweiht, eine schwere Lungentuberkulose zwingt ihn zur Erholung nach St. Blasien im Schwarzwald. Dort wird er von den Nazis verhaftet. Zunächst landet Leisner in einem Gefängnis in Freiburg, dann in Mannheim. Danach kommt er ins Konzentrationslager nach Sachsenhausen, im Dezember 1940 dann nach Dachau. Dort bricht auch seine Lungenkrankheit wieder hervor.

Der Bischof von Clermond, der zufällig in Dachau eingewiesen wird, weiht ihn im Konzentrationslager Sachsenhausen im Dezember 1944 zum Priester. Dass Karl Leisner überlebt, ist pures Glück. „Zweimal haben ihn Leute, die ihn kannten, von der Liste gestrichen.“ Am 4. Mai 1945 wird das KZ befreit, der schwer kranke Leisner kommt dann ins Lungensanatorium Planegg bei München und stirbt dort. 1996 wurde Karl Leisner von Papst Johannes Paul II. in Berlin seliggesprochen.

 
 

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