Im Wiesenhof Rheinberg werden die Bewohner möglichst nicht mehr fixiert

Ganz hoch für die Pflege, ganz niedrig, um Stürze zu verhindern: Im Pflegezentrum „Am Wiesenhof“ gibt es neue Betten – von links Dörte Schültingkemper, Markus Wehr, Laura Jetten und Carina Oosterman.
Ganz hoch für die Pflege, ganz niedrig, um Stürze zu verhindern: Im Pflegezentrum „Am Wiesenhof“ gibt es neue Betten – von links Dörte Schültingkemper, Markus Wehr, Laura Jetten und Carina Oosterman.
Foto: arfi
Mit Betten, die ganz tief abgesenkt werden können, sollen Stürze verhindert werden.

Rheinberg..  Freiheitseinschränkende Maßnahmen wie zum Beispiel Gurte an Füßen, Armen, Rumpf, Bettgitter, festgestellte Rollstuhlbremsen, verschlossene Türen oder das Ruhigstellen durch Medikamente: Sie gehören zu den umstrittensten Möglichkeiten, mit denen pflegebedürftige Menschen zu Hause oder in Betreuungseinrichtungen konfrontiert werden. Manchmal sind sie notwendig, um eine Selbstgefährdung oder das Beeinträchtigen anderer Menschen auszuschließen. Allerdings kann der Einsatz dieser Maßnahmen direkt zu Verletzungen oder zu Spätfolgen führen, wenn der Betreuungsbedürftige sich nicht mehr so bewegen kann, wie es der Gesundheit zuträglich ist. Auch psychische Schäden können eine Folge dieser Maßnahmen sein: Depression, Aggression, Stress, Verlust der Selbstständigkeit, Verschlechterung der Lebensqualität und des allgemeinen Zustands.

Das Pflegezentrum „Am Wiesenhof“ an der Xantener Straße hat sich bereits vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, diese die Freiheit einschränkenden Maßnahmen zu reduzieren. „Das war uns schon lange ein Anliegen“, erzählte am Dienstag Brigitte Kiesendahl, die Leiterin des Wiesenhofs. „Wir haben mit kleinen Hilfsmitteln mit Hüftprotektoren begonnen, die Verletzungen bei Stürzen so gering wie möglich halten sollten.“ 2013/14 begann dann die Qualifizierung von Wiesenhof-Personal an der Universität Witten/Herdecke. Auch mit Vertretern des Amtsgerichts Rheinberg – Maßnahmen zur Fixierung bedürfen grundsätzlich eines von Gericht zu erlassenden Beschlusses – gab es Gespräche. „Wir wollten auch zur Sicherheit der Mitarbeiter wissen, ob wir von solchen Beschlüssen abweichen dürfen“, so Kiesendahl. Die Auskunft lautete: Die Pflegekräfte seien die Fachleute, die beurteilen könnten, ob eine Fixierung wirklich notwendig ist.

Gerade in der letzten Zeit hatte es eine steigende Zahl derartiger Beschlüsse gegeben. Mit Hilfe dieser Freiheitseinschränkung sollten Stürze verhindert werden, die zu gravierenden Verletzungen führten bei Menschen, die nicht sicher stehen oder gehen können. Um nicht immer Bettgitter einsetzen zu müssen, wurden im Wiesenhof so genannte Signalmatten vor den Betten angeschafft. Sobald sie betreten werden, geben sie einen Ton ab und das Pflegepersonal weiß Bescheid, dass es schnell reagieren muss.

Der „letzte große Schritt“, wie Kiesendahl ihn nennt, sind Niedrigstbetten, die jetzt für alle 150 Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Sie können bis auf 20 Zentimeter über dem Boden so weit heruntergefahren werden, dass ein unruhiger Bewohner, wenn er das Bett verlässt, nicht mehr stürzen, sondern höchstens herausrollen kann. So sind Verletzungen ausgeschlossen. Wer seine Getränke auf dem Nachttisch nicht mehr erreicht, bekommt Halter am Bett angebracht. Damit die Bewohner mobil bleiben oder wieder werden, gibt es Kraft- und Koordinationstraining im Haus, unterstützt durch Physiotherapeuten.

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