Im Vallan den Krieg überlebt?

Der Turm im Stadtpark: Der Vallan.
Der Turm im Stadtpark: Der Vallan.
Foto: Peggy Mendel
Ein britischer Kommandant des Rheinberger Kriegsgefangenenlagers hat in seinen Memoiren festgehalten, wie eine jüdische Familie im Vallan Unterschlupf fand. Für die Stadtarchivarin ist diese Geschichte neu, deshalb bittet sie um Hinweise.

Rheinberg..  Hat eine jüdische Familie den Zweiten Weltkrieg im Spanischen Vallan Unterschlupf gefunden und ist so den Nazi-Häschern entgangen? Das ist eine Geschichte, die Colonel Thomas Durrant, der britische Kommandant des Rheinberger Kriegsgefangenenlagers, in seinen Memoiren festgehalten hat.

Danach wurde er bei einem Spaziergang durch die zerstörte Stadt von einem Mann angesprochen, der sich als jüdischer Kunsthändler vorstellte und den Krieg mit Frau und Tochter versteckt im Vallan überlebt hatte. Rheinberger hätten ihn in dieser Zeit beschützt. Durrant kaufte dem Mann ein Landschaftsbild des tschechischen Malers R. Koseticik gegen eine große Menge Zigaretten ab. Das Bild befindet sich heute noch im Familienbesitz, es gehört der Tochter des Colonels, die in Australien lebt.

Späte Anerkennung in Yad Vashem

Eine spannende Geschichte, die bislang in Rheinberg vollkommen unbekannt ist, sagt Stadtarchivarin Sabine Sweetsir. Entdeckt wurden die Memoiren vom Amerikaner Merrit P. Drucker und dem Briten Duncan Wade, die seit geraumer Zeit die Geschichte des Rheinwiesenlagers in der Stadt erforschen. Im Herbst hatte Durrants Tochter Rheinberg besucht und mit dem Bürgermeister gesprochen.

Mit Ausnahme von Durrants Memoiren gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse über den Vallan als Versteck. Die Stadtarchivarin und ihr Team hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung. Jede noch so kleine Information könnte nützlich sein. Falls sich die Ereignisse bestätigen lassen, könnten die Rheinberger, die den verfolgten Juden geholfen haben, eine späte Anerkennung im Holocaust-Gedenkzentrum Yad Vashem in Israel erfahren.

Das Gelände rund um den Vallan im heutigen Stadtpark gehörte in früheren Zeiten zum Krankenhaus. Der Vallan selbst war Teil einer Isolierstation und ausgebaut. In der Nachkriegszeit wiederum sollen dort auch Menschen gewohnt haben. Wenn sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie es der Colonel schildert, dann geht Sabine Sweetsir nicht davon aus, dass es sich um eine jüdische Familie aus Rheinberg wie die Silberbergs und die Rothschilds gehandelt habe. Deren Schicksale sind bekannt, zuletzt durch die Verlegung der Stolpersteine.

 
 

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