„Ich habe nie aufgegeben“

David Behre in Aktion.
David Behre in Aktion.
Foto: picture alliance / Mika
Paralympics-Teilnehmer David Behre las in der Gemeindebücherei Sonsbeck in Auszügen aus seinem Buch „Sprint zurück ins Leben“. Der Läufer möchte den Menschen viel zurückgeben

Sonsbeck..  „Manchmal juckt mir der große Zeh“, schmunzelt David Behre bei seiner Lesung in der Gemeindebücherei Sonsbeck. Nach 45 Minuten gespanntem Zuhören forderte David Behre die Gäste auf Fragen zu stellen. Tief beeindruckt und fast sprachlos über das Schicksal, das David Behre erleiden musste – er verlor bei einem Eisenbahnunglück beide Beine – wollten die Zuhörer etwas über die Zukunftspläne des Paralympics-Teilnehmers erfahren. Und der smarte Sportler hatte jede Menge zu erzählen. „Ideen gibt es viele, wir denken über die Gründung eines Rehazentrums für schwerstverunfallte Menschen – wie ich selbst – nach, vielleicht hier am Niederrhein.“ Auch die Gründung einer Stiftung zur Unterstützung von schwerstverunfallten Menschen sei in der Planung, so David Behre.

Profisportler ohne Beine

„Auf jeden Fall möchte ich viel zurückgeben“. Und das kann man nach Auszügen aus seinem Buch „Sprint zurück ins Leben“ sehr gut nachvollziehen. Immer wieder sind seine Worte im Buch geprägt von Dankbarkeit vielen Menschen gegenüber und vor allem dem Sport, seinem Hobby und Beruf.

Denn wer hat Bronzemedaillen-Gewinner David Behre nicht bei den Paralympics in London gesehen? Er startete neben Oscar Pistorius – ebenfalls wie Behre ein Profisportler ohne Beine – und schildert in seinem Buch detailreich das Rennen im Londoner Olympiajahr.

Zuvor war David Behre seit seinem fünften Lebensjahr im Motocross-Sport erfolgreich. Aber das Schicksal ging am 8. September 2007 einen anderen Weg. Unweit seines Elternhauses geschah der schlimme Unfall, als Behre mit seinem Rad auf einem Bahnübergang von einer Lok erfasst wurde und bei diesem Unfall beide Beine und beinahe auch sein Leben verlor. „Eigentlich gab es gleich drei Wunder“, erzählte Behre dem Publikum.

Bei der Lesung aus dem Buch „Sprint zurück ins Leben“ ist schon das Titelbild ein Statement für die Lebensenergie, die in dem jungen Sportler steckt. Auf Rennprothesen, den so genannten Blades, eilt er einer herannahenden Lok davon. Mit Entschlossenheit und großen Zielen: „Ich will Rio – die nächsten Paralympischen Spiele – rocken“. Denn große Ziele schaffen auch mehr Motivation, findet David Behre. „Ich bin süchtig nach Erfolg und habe großen Hunger aufs Siegen! Der Profisport ist und bleibt mein Leben! So lange ich da erfolgreich sein kann, mache ich weiter.“

Eines hat David Behre aber nie getan: „Ich habe nie aufgegeben, das kam einfach nicht in Frage. Ich habe nie gedacht: Jetzt bin ich ein Krüppel und das Leben ist zu Ende.“

Beeindruckt haben auch Behres Schilderungen, wie er es Stück für Stück geschafft hatte, auf Prothesen sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Dank moderner Technik, viel Übung und Training hat David Behre heute einen „runden“ Gang. „Im Alltag merkt keiner, dass ich Prothesen trage.“

 
 

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