Hobby-Gladiatoren trainieren in Xanten

Gladiatoren unter sich: Im APX gab es interessante Einblicke für die Zuschauer.
Gladiatoren unter sich: Im APX gab es interessante Einblicke für die Zuschauer.
Foto: WAZ FotoPool
Die Gladiatorengruppe „Amor Mortis“ trainierte in der Arena des Archäologischen Parks in Xanten. Trainer Mark Schrader erklärte dabei, worauf es bei den Profisportlern der Antike ankam und warum Hollywood ein falsches Bild vermittelt.

Xanten.. Am Wochenende wurde der neu gestaltete Ausstellungsbereich, das Amphitheater, stilecht eingeweiht. Die Gladiatorengruppe „Amor Mortis“, deren Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren, gab den Besuchern im weiten Rund mit einem Schautraining Einblicke in die römische Kampfeskunst.

Schon beim Einlauf wurden die Darsteller vom Publikum mit viel Applaus gefeiert. Bevor später Schaukämpfe Mann gegen Mann stattfanden, trainierten die zwölf Gladiatoren in unterschiedlichen Kostümen und Bewaffnungen zunächst mit ihren Schwertern an Holzpfählen. „Stich, Schnitt und dabei schöne flüssige Bewegungen. Und auf die Fußstellung achten. Direkt am Körper kannst du den Schnitt auch durchziehen“, schallten die Anweisungen von Trainer Mark Schrader durch die Arena. Was so martialisch klingt, ist in Wirklichkeit nur Show, heute wie damals. Denn Gladiatoren waren sehr wertvoll. Ihre Ausbildung begann mit dem achten Lebensjahr, ihren ersten Auftritt hatten sie in der Regel im Alter von 19 Jahren.

Römische Tugenden

„Wenn ein Gladiator ums Leben kam, musste der Veranstalter der Gladiatorenschule den Schaden ersetzen – und der war beträchtlich“, erklärte Schrader, der im realen Leben Archäologe ist. „Beruflich beschäftige ich mich mit Baustrukturen. Menschen darzustellen, ist ganz was anderes“, so der Kölner. Ein Gladiator zu werden, beginnt tief im Innern, behauptet er. Es ist das Verlangen, römische Tugenden wie Mut, Selbstbewusstsein und Todesverachtung zu verkörpern. Gerade letztere ist den Freizeit-Gladiatoren besonders wichtig. „Jeder muss sich mit dem Tod auseinandersetzen, sonst kommt Angst ins Spiel.“ Weil die bekanntlich ein schlechter Ratgeber ist, besinnen sich die Heldendarsteller auf ihren Namen, denn „Amor Mortis“ heißt übersetzt „Die Todesliebenden“.

Diese sehen sich übrigens nicht als Schauspieler, sondern als eine Sportlergruppe. „Jeder von uns hat einen sportlichen Hintergrund. Ich bin Leichtathlet, andere kommen aus dem Kampfsport. Wer nicht durchtrainiert ist, riskiert Verletzungen“ sagte Markus Schrader. Einmal monatlich treffen sich die Mitglieder zum Training in Köln, dazwischen hält sich jeder nach einem speziellen Plan fit.

Und der hat es in sich, denn schließlich hat „Amor Mortis“ den Anspruch, die Kampfkünste aus allen römischen Provinzen zu rekonstruieren. Das hat sich herumgesprochen, im Terminkalender der Interessengemeinschaft sind Auftritte in Italien, Frankreich und Großbritannien ebenso vermerkt wie Darbietungen in den Landesmuseen von Köln, Bonn oder Halle. Dafür opfern die insgesamt 16 Männer oft ihren gesamten Urlaub. Am liebsten aber zeigen sie ihre Kampfeskünste im Xantener Amphitheater. „Die Arena ist für uns was Besonderes, weil sie die Einzige mit Sandboden ist. Gladiatoren haben barfuß gekämpft und hier können wir das auch.“

Den inzwischen rund 200 Besuchern in der Arena gefiel das, sie belohnten jede gelungene Szene mit Applaus. Dass manch ein Zuschauer sich Gladiatoren etwas anders vorgestellt hatte, liegt an der oft klischeehaften Darstellung, sagt Schrader. „Gladiatoren in Schützenpanzern und Tunika gibt es nur in Hollywood. Es gab damals keinen Uniformzwang, jeder durfte sich anziehen, wie er wollte.“

 
 

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