Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen bei Amazon in Rheinberg

Die Gewerkschaft Verdi verteilte in Rheinberg Flugzettel. Sie will die Belegschaft von Amazon erreichen und diese bei der Errichtung eines Betriebsrats unterstützen. Foto: Markus Weißenfels / WAZ FotoPool
Die Gewerkschaft Verdi verteilte in Rheinberg Flugzettel. Sie will die Belegschaft von Amazon erreichen und diese bei der Errichtung eines Betriebsrats unterstützen. Foto: Markus Weißenfels / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Die Gewerkschaft Verdi hat so einiges zu bemängeln an den Arbeitsbedingungen bei Amazon in Rheinberg: Vorgesetzte gingen respektlos mit Mitarbeitern um, Menschen seien auf ihre Arbeitskraft reduziert, Arbeitshetze und Leistungsdruck seien Alltag. Mittelfristiges Ziel ist ein Betriebsrat, so die Gewerkschaft.

Rheinberg.. Natürlich hat sich Peter Z. (Name geändert) ab und zu über seinen Arbeitgeber geärgert. Wenn der Tag mal wieder besonders stressig war, er locker 20 bis 30 Kilometer laufen musste, ihm der Scanner an seinem Wagen trotzdem mitteilte, dass seine Leistung noch nicht ausreichend ist und wenn von der Pause mal wieder eine Menge Zeit verloren ging, weil vor der Sicherheitsschleuse eine lange Schlange war. Und trotzdem: Der junge Mann war froh, einen Job bei Amazon zu haben.

Bis es Stress mit den Abrechnungen gab, nicht das Geld ausgezahlt wurde, was ihm laut Stundenzettel eigentlich zugestanden hätte und das Personalbüro ihn mehrmals abgewimmelt hatte. Peter Z. arbeitet bei Amazon in Rheinberg. Und er ist kein Einzelfall, sagt die Gewerkschaft Verdi. Sie sieht viele Missstände in dem Werk. Das mittelfristige Ziel der Gewerkschaft ist, dort einen Betriebsrat zu installieren. Dafür verteilten Verdi-Sekretärin Sabine Busch und ihre Kolleginnen und Kollegen rund um den Firmenkomplex an der Alten Landstraße Infomaterial an die Amazonbeschäftigten.

Wieder Entlassungen

Schon vor vier Wochen waren Sabine Busch und ihre Mitstreiter zu einer Blitzaktion in Rheinberg gewesen, „und das ist gut gelaufen“, sagt die Verdi-Frau. Folgende Knackpunkte gibt es für die Gewerkschaft bei Amazon: Vorgesetzte gingen respektlos mit ihren Mitarbeitern um, Menschen seien auf ihre Arbeitskraft reduziert, Arbeitshetze und Leistungsdruck seien der Alltag. Überstunden würden zwangsweise und auch in letzter Minute angeordnet, falle auf der anderen Seite in bestimmten Zeiten nicht genug Arbeit an, würden die Mitarbeiter nach Hause geschickt. Auch Samstagsarbeit werde kurzfristig angesetzt.

Die ohnehin knappen Pausen - laut Sabine Busch ist die erste Pause erst nach mehreren Stunden erlaubt - würden durch lange Wege und Kontrollen an den Schleusen verkürzt. Zudem würden die Mitarbeiter durch technische Geräte permanent überwacht. „Menschenwürdige Arbeitsplätze - auch bei Amazon“, so die Forderung der Gewerkschaft. Bei Amazon Rheinberg gibt es aktuell keinen Betriebsrat. Dafür ein so genanntes Mitarbeiterforum. Das, bestätigten Mitarbeiter, sei auch gewählt worden, aber Hilfe, bekomme man dort nicht. Im Übrigen, ergänzt Sabine Busch, habe ein Mitarbeiterforum keinerlei Rechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz.

Mittlerweile hat sie Kontakte zu Amazon-Mitarbeitern, bekommt Mails und Briefe, zudem gibt es Foren im Internet, unter anderem bei Facebook. Um einen Betriebsrat gründen zu können, braucht die Gewerkschaft aber eine breitere Basis als bislang in der Belegschaft.

Grüne begleiteten Aktion

Ein Problem dabei: Wie lange sind die Beschäftigten bei Amazon? Mitarbeiter haben erst in den vergangenen Tagen wieder Kündigungen erlebt, auch von solchen Kollegen, die zum Beispiel einen Vertrag bis Ende des Jahres gehabt haben. Ihr Verdacht: Amazon beginnt gerade mit der Schulung von Mitarbeitern für weitere Werke, unter anderem in Koblenz. Wie die Rheinberger einst in anderen Werken eingearbeitet wurden, so sei jetzt zu erwarten, dass künftige Kollegen für Koblenz in Rheinberg geschult und so das Personal aufstocken würden.

Die Rheinberger Grünen haben am Donnerstag die Verdi-Aktion begleitet und begrüßt. Natürlich, sagt Ursula Hausmann-Radau, habe auch ihre Fraktion der Ansiedlung zugestimmt. Aber man dürfe doch nicht nur auf die Gewinne schauen und Dinge wie Arbeitsbedingungen und Bezahlung ausblenden. Man könne doch nicht wegschauen, wenn Menschen „auf Teufel komm’ raus ausgebeutet werden“.

Amazon wird sich in der kommenden Woche zu den Vorwürfen äußern.

EURE FAVORITEN