Esperanto-Freunde treffen sich in Xanten

Helmut
Helmut
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Mi parolas Esperanton! Kaj vi? Volontärin Maxi Overfeld macht den Selbstversuch und lernt Esperanto kennen.Aktuell treffen sich rund 100 Menschen in Xanten, um die internationale Kunstsprache zu leben.

Xanten.  Bonan tagon! Mia Nomo estas Maksi. Welche Sprache das ist? Mi parolas Esperanton! – Ich spreche Esperanto! Eine von zahlreichen Plansprachen, jedoch die einzige voll ausgebildete. Nur wenige können die „Intanacia Lingu“ fließend sprechen, Helmut Klünder ist einer von ihnen. Der Rentner beherrscht Esperanto, so wie er der deutschen Sprache mächtig ist, sagt er. Ich hingegen, mi komprenas nenion – ich verstehe nichts, noch nicht.

Zum Anfängerkurs an diesem Morgen bleibt die Gruppe der Teilnehmer überschaubar, fünf Schüler sind anwesend, mit mir sind es sechs. Desinteresse? Wohl kaum, schließlich haben sich in dieser Woche rund 100 Teilnehmer zur jährlichen Frühlingswoche des Deutschen Esperanto-Bundes eingefunden, der morgendliche Anfängerkurs gehört zum Programm. Getagt wird in der Xantener Jugendherberge von morgens bis abends, schon am Frühstückstisch ist die Sprache präsent. Bonvoli doni la buteron – Bitte gib mir die Butter, Kafon(Kaffee), Bulko (Brot) oder Mielo (Honig). Esperanto, soweit man hört. Kein Wunder, denn die Teilnehmer kommen von überall her: Belgien, Frankreich, Ungarn, sogar aus Kanada sind Esperanto-Fans angereist, um das Programm noch bis zum 21. April mitzuerleben. Vorträge werden gehalten, Ausflüge und kulturelle Veranstaltungen angeboten.

Filme mit Esperanto-Untertitel

Sogar Filme mit Untertitel zeigen die Veranstalter. Heute ist die deutsche Komödie Pappa ante Portas an der Reihe. „Die Filme hat mein Sohn untertitelt“, erzählt Helmut Klünder stolz. Der ist mit der Sprache großgeworden. Die Ehefrau spricht es und sogar der Großvater kannte die rund 120 Jahre alte Sprache. Klünder unterrichtet in dieser Woche die Anfänger. Das Alter spielt keine Rolle, der jüngste Besucher ist nicht mal ein Jahr alt, der älteste ist weit über 70. Esperanto sei einfach, eben leicht zu lernen. „Aber das Klischee, dass einfach überall ein O drangehangen wird, stimmt aber nicht“, mahnt Klünder. Gestern stand das Alphabet auf dem Plan, er wiederholt es noch einmal: Q, W, X, Y fehlen, aus einem X wird zum Beispiel ein KS. Subjekt, Prädikat, Objekt gibt es nicht, „die Reihenfolge der Worte ist frei wählbar“. Unregelmäßige Verben sucht man vergebens. Komma-Regeln? Kann, muss aber nicht. „Es ist üblich, dort ein Komma zu setzen, wo der Redner eine Pause macht.“

Heute sind einfache Sätze an der Reihe, Klünder nennt es „Überlebenstraining“. Wie geht es dir? Wo kommst du her? Wo gibt es Essen? Wo ist die Toilette? Um Esperanto jedoch nutzen zu können, heißt es, Vokabeln pauken. „Und dran bleiben“, sagt Christine Menzel. Gemeinsam mit ihrem Mann Tobias lernt sie seit dem vergangenen Jahr Esperanto. Warum? „Wir reisen viel und kommunizieren gerne. Durch die Kurse und Treffen lernt man viele internationale Leute kennen“, erzählt Tobias Menzel. Sie sind gemeinsam mit ihren Kindern aus Schwerte angereist. Beim Abendbrot Esperanto sprechen, das funktioniere noch nicht, sagt Mutter Christine, „aber den Einkaufszettel schreiben wir schon ganz gut“.

Die Sprache lernen, um internationale Leute kennenzulernen, Freunde wiederzutreffen oder einfach aus Interesse an Sprachen seien die wesentlichen Motive, die Kunstsprache zu leben, sagt Klünder. Nationale Grüppchenbildung gibt es hier nicht, alles wirkt familiär und vertraut, man kennt sich eben, „teilweise schon seit Jahrzehnten“, wirft Helmut Klünder ein.

Esperanto ist neutral, international, leicht und lebendig, heißt es, aber eben keine Weltsprache. Schade sei das natürlich schon, aber nicht verwunderlich. „Dahinter steckt eben keine einflussreiche Interessengruppe“, sagt Klünder. Jeder, der Esperanto spreche, habe es freiwillig gelernt, „doch freiwillig lernen heute nur noch wenige eine Fremdsprache“. Ich für meinen Teil verlasse den Kurs ein wenig schlauer, sprechen, kann ich Esperanto jedoch noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden...

 
 

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