Einmal Europa und zurück

Hedy und Herbert Veltkamp sind wieder in Xanten.
Hedy und Herbert Veltkamp sind wieder in Xanten.
Foto: WAZ FotoPool
Hedy und Herbert Veltkamp haben den Traum von der grenzenlosen Freiheit verwirklicht, ihre Wohnung verkauft und sind mehr als ein Jahr lang mit dem Wohnmobil gereist

Xanten..  Manche Träume brauchen Zeit, damit sie wahr werden können. Denn es ist etliche Jahre her, als Hedy und Herbert Veltkamp in einem Restaurant im Burgund mit einem Wohnmobilbesitzer ins Gespräch kamen. Der Holländer hatte keine feste Bleibe mehr, sondern nur noch dieses Wohnmobil und reiste damit kreuz und quer durch die Weltgeschichte. Was für eine Geschichte! Kein Wunder, dass Herbert Veltkamp das Funkeln in den Augen seiner Frau richtig deutete und sagte: „Nur noch ein Wohnmobil? Das schmink’ dir mal ab.“

Einfach bleiben, wo es gefällt

Gesagt, aber nicht getan. Der Traum von der unendlichen Freiheit lebte weiter, Anfang der 90er Jahre machten Veltkamps sogar einmal probeweise Urlaub mit dem Wohnmobil von Freunden. Aber erst, als sie vor wenigen Jahren überlegten, dass ihre Maisonettewohnung in der Xantener Innenstadt zwar traumhaft war, aber viel zu groß für sie beide und außerdem in einem Haus ohne Aufzug, da wurde das Wohnmobil wieder Thema. Und irgendwann war es so weit. Hedy (67) und Herbert (75) Veltkamp verkauften die Wohnung, schafften sich ein Wohnmobil an, und machten sich auf den Weg nach und durch Europa. Für mehr als ein Jahr.

Die Route über Österreich, Slowenien, Kroatien, Kalabrien, Sizilien, Sardinien, Gardasee und Tschechien sagt eine Menge aus, aber sie erzählt natürlich nicht die ganze Geschichte. Rund ein Jahr sind Herbert und Hedy Veltkamp jetzt wieder zurück in Xanten, sie schwelgen immer noch in Erinnerungen.

Reiselustig war das Paar schon immer, es hat viel gesehen von der Welt, aber früher fehlte es an der Zeit, einfach dort zu bleiben, wo es ihnen gefiel und zu genießen. Zwei Monate kroatische Inselwelt, vier Wochen Venedig, die Aufzählung könnte endlos weitergehen und macht den Zuhörer ziemlich neidisch. Genau wie die vielen anderen kleinen Begebenheiten, die das Ehepaar mitgebracht hat.

Da war der kleine Winzerhof auf Sizilien, der zwei Stellplätze für Wohnmobile anbot. Die Frau des Besitzers war Deutsche, rasch war klar, das ist ein Stellplatz mit Familienanschluss, mit vielen gemeinsamen leckeren und lustigen Essen, einem 13-jährigen Sohn der Familie, der als Dolmetscher fungierte, wenn Veltkamps Hilfe brauchten. Als Xantener sind Veltkamps mit den Römern vertraut, „aber welche Schätze Römer und Griechen auf Sizilien hinterlassen haben, ist sehr beeindruckend“, sagt Herbert Veltkamp. Natürlich haben beide Goethes Italienreise gelesen, standen dort, wo Goethe seinen Lieblingstempel verortet hatte „und konnten das Schwärmen gut nachvollziehen. Der Blick rundherum ist unübertrefflich.“

Ganz oft sind Veltkamps an den offiziellen Campingplätzen vorbeigefahren, um wirklich schöne Stellen zu finden. Wie in einem Hafen, in dem schon ein Schweizer Paar campierte. Ob das sicher sei, wollten Veltkamps wissen. Sogar sehr. Vor kurzem war den Fischern Diesel gestohlen worden, jetzt kontrollierte ein Sicherheitsdienst. Als der gegen 22 Uhr im Hafen zum Dienst erschien, gab es Espresso für alle, nette Gespräche - so richtig gemütlich, bella Italia eben. Auch ein Weihnachtsfest haben sie in Italien verbracht, ebenfalls eine Erinnerung, die bleibt.

Rangieren mit sechs Metern

Sich an ein Wohnmobil zu gewöhnen, ist nicht immer einfach. Heute können Veltkamps darüber lachen, aber wahrscheinlich hat er ganz schön geschwitzt an dem Tag, an dem sie irgendwo in Südeuropa in einer schlecht ausgeschilderten Baustelle gestrandet waren. Bitte wenden - mit einem sechs Meter langen Gefährt nicht gerade einfach, wenn kein Platz ist. „Das dauerte rund zehn Minuten, bis wir dort wieder raus waren. 20 Zentimeter vor, 20 Zentimeter zurück...“

Am meisten hatte sich Hedy Veltkamp auf Sardinien gefreut und sich auf die Suche nach einem der letzten Paradiese machen wollen. Und ausgerechnet dort hatte sie einen Unfall, ein Sturz, ein gebrochenes Handgelenk, und an das, was sie in dem italienischen Krankenhaus erlebt hat, möchte sie am liebsten nicht mehr denken. Ihr Mann, der im Wartezimmer saß, hörte sie durch mehrere Flure vor Schmerzen schreien. Da war die Europatour kurzfristig zu Ende, Veltkamps flogen nach München, wo ihre Tochter lebt, Hedy Veltkamp ließ sich operieren, machte eine Reha - und die Reise ging weiter.

Seit rund einem Jahr sind Veltkamps wieder in Xanten und haben in der Beek ein neues und auch traumhaftes Häuschen gefunden. Das Wohnmobil wollten sie eigentlich verkaufen, aber das tat dann doch zu weh, sagt Hedy Veltkamp. Deshalb reisen sie weiter. Nicht mehr mehr als ein Jahr, sondern kürzer. Aber wer weiß...

Hedy und Herbert Veltkamp haben keine Sekunde bereut, sich auf das Abenteuer eingelassen zu haben. Die Künstlerin Hedy Veltkamp drückt das so aus: „Die inneren Bilder wirken nach, davon kann ich bis an mein Lebensende malen.“

 
 

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