Eine Mauer des Schweigens

Rheinberg.  Ein Jahr Schirm - (k)ein Grund zum Feiern? Aus der Schutzinitiative Rheinberg Mobilfunk setzt es massive Kritik an der Verwaltung.

„Als wir uns vor einem Jahr gegründet haben, wussten wir noch nicht, dass es mal einen Euro-Rettungsschirm geben wird“, zwinkerte Michael Lefknecht, Sprecher der Schutzinitiative Rheinberg Mobilfunk, kurz: Schirm, jetzt. Einen anderen Grund zum Schmunzeln hatten die Mitglieder der Bürgerinitiative bei der Sitzung zum ersten Geburtstag kaum.

Auf den Gesichtern war eine gewisse Ratlosigkeit zu erkennen, als es um die Frage ging, wie die Arbeit weitergehen soll. „Wir haben ja gar keine andere Wahl, als uns weiter zu bemühen, die Lokalpolitiker für unsere Sache zu gewinnen“, so Lefknecht.

Dabei hat die Schirm, die sich wegen des geplanten Baus eines neuen Mobilfunkmastes in Vierbaum gründete, in den vergangenen zwölf Monaten Vieles erreicht. Lefknecht listete auf: „Der neue Mast steht noch nicht, das kann als Erfolg verzeichnet werden.“

Antrag abgeschmettert

Zudem habe die Initiative im gesamten Stadtgebiet zahlreiche öffentliche Treffen organisiert, bei denen Experten über die Gefahren der Funkstrahlung informierten. Ein Infoblatt wurde 10 000-fach verteilt, die Mitgliederliste der Schirm ist auf 73 Personen sowie rund 30 Sympathisanten angewachsen, es wurden Logo und Homepage entworfen und viele Gespräche geführt.

„Das Gespräch mit dem Mobilfunkbetreiber O2 war enttäuschend, unser Bürgerantrag wurde im Umweltausschuss abgeschmettert und die beiden großen Parteien SPD und CDU haben sich bislang kaum mit uns beschäftigt“, nannte Lefknecht auch die Misserfolge. Bei der Verwaltung sei man sogar auf eine „Mauer des Schweigens“ gestoßen. „Der Technische Beigeordnete Dieter Paus nimmt uns doch gar nicht ernst“, klagte eines der Schirm-Mitglieder.

Dennoch gaben sich alle Anwesenden, es waren 15 Bürger erschienen, weiter kämpferisch. „Wir lassen uns nicht entmutigen.“ Zumal es jüngst positive Signale gegeben habe. „Die SPD-Vertreter haben sich unserem Ansinnen gegenüber sehr aufgeschlossen gezeigt“, betonte Lefknecht. Mit den Grünen und den Linken sei die Zusammenarbeit ohnehin gut. Und auch die CDU habe Beratungsbedarf signalisiert.

Wandel in anderen Ländern

Rheinbergs CDU-Chef Ulrich Hecker, blieb der Versammlung dann aber doch trotz vorheriger Zusage unentschuldigt fern. Paus hatte sich im Vorfeld entschuldigt, will nicht auf die Forderungen der Schirm reagieren, ehe nicht ein angekündigtes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gefällt ist.

„Dieses Urteil hat gar nichts mit uns zu tun, aber die Stadt weigert sich, vorher mit uns Gespräche zu führen“, ärgerte sich Karl-Heinz Isselhorst.

„Die Argumente sind auf unserer Seite“, so Lefknecht. Nicht umsonst setze sich zum Beispiel in Österreich, Polen, Russland und Frankreich die Einstellung durch, vor den Folgen der Mobilfunkstrahlen gerade für Kinder zu warnen. „Auch die Weltgesundheitsorganisation und der Europarat haben sich dem angeschlossen.“ Und Studien bewiesen auch, dass die Fruchtbarkeit von Männern unter der Handystrahlung leide.

 
 

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