Ein Traumberuf - Friedhofsgärtner in Alpen

Friedhofsgärtner André Koppers hegt und pflegt seine 450 Gräber. Dabei ist er gerne kreativ.
Friedhofsgärtner André Koppers hegt und pflegt seine 450 Gräber. Dabei ist er gerne kreativ.
Foto: NRZ
Seit mehr als 25 Jahren hegt und pflegt Friedhofsgärtner André Koppers sein ganz persönliches grünes Paradies. Den eigenen Garten vernachlässigt er zwar, aber am Friedhof hängt des Gärtners Herzblut

Alpen..  Er beschreibt sich als den zweiten Seelsorger nach dem Pastor und hat in seinem Beruf schon so einiges gesehen. Festnahmen nach der Beisetzung, Erbschaftsstreitigkeiten, Schlägereien und Enkel, die in Handschellen zur Beerdigung kamen. Und dennoch liebt Friedhofsgärtner André Koppers seinen Beruf. „Es lebe der Friedhof“, ist sein Lebensmotto. Und auch das einer Kampagne gegen das Friedhofssterben, die er aktiv unterstützt.

Für den 47-Jährigen ist die Friedhofskultur ganz wichtig. Deshalb geht er in seiner Arbeit so auf. „Ich hebe die Gräber aus, mache die Beisetzungen, die Hallen-Dekorationen und Kränze“, erklärt er seine Tätigkeit. Der Friedhof ist sein ganz persönliches „grünes Paradies“. Am glücklichsten ist er, wenn ihm die Hinterbliebenen freie Hand lassen: „Der Reiz ist es, wenn die Leute sagen ‘mach mal’“. Dann kommt sein Computer zum Einsatz. Er gestaltet die Gräber erst visuell und vor allem immer passend zum Grabstein.

Eine robuste Rahmenbepflanzung, einen Bodendecker, wie Ilex Crenata, ein wenig fein geschnittene Pinienrinde und ein Viertel farbenfroher saisonaler Bepflanzung sind für den dreifachen Vater die Grundbausteine für ein schönes Grab. „Ilex wächst langsamer als Buchsbaum, ist aber auch weniger anfällig für Krankheiten“, verrät der Experte. Am schönsten findet er die Gräber einer ganz normalen Erdbestattung mit Sarg.

Bei seiner Arbeit mit den Blumen und Gewächsen versucht Koppers immer einen Bezug zu den Verstorbenen herzustellen: „Einem Spargelbauern haben wir mal ein Bouquet aus roten Rosen und dickem weißen Spargel gemacht“, erzählt er. Ein Kapitän habe zu seiner Beerdigung ein Blumen-Bouquet in Form eines Ankers bekommen, ein Taubenzüchter eine Taube gestaltet aus Rosen und Gerbera.

Keine Berührungsängste

Berührungsängste mit den Toten hat er keine. „Ich habe schon viele Verstorbene und Mumien gesehen“, sagte er. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, Knochen und mumifizierte Tote umzubetten. Er stört die Totenruhe allerdings nur ungern. „Die letzte Seilfahrt ist die letzte Seilfahrt.“

Allerdings kämen manchmal Angehörige, die nach der Bestattung ihre Angehörigen doch noch gerne umbetten würden. Vor allem wenn diese auf einem Wiesengrabfeld bestattet seien. Manche Nachkömmlinge wünschten sich dann doch lieber ein „echtes“ Grab für ihre Lieben. Auch Koppers findet den Trend zur Bestattung in gemeinschaftlichen Rasengräbern ärgerlich: „Wir haben schon ein Drittel Rasengräber bei uns – ein typisch amerikanisches System“. Diese Gräber ziert ein schmuckloser Grabstein, ansonsten sind sie überzogen von Wiese. „Die Friedhofskultur befindet sich im Wandel“, weiß der Fachmann. Viele Menschen gingen zwar noch zum Grab, wollten aber nichts mehr daran machen. Gerne springt der Friedhofsgärtner dann ein und kümmert sich um den letzten Garten der Verstorbenen. Mit jedem seiner 450 Gräber beschäftigt sich Koppers alle ein bis zwei Wochen. Dem Trend zum Rasengrab kann er nichts abgewinnen. Da ginge das Schöne am Friedhof verloren. Und schließlich habe er während seiner Lehre mehr gelernt, als nur das Rasenmähen.

„In der Ausbildung zum Friedhofsgärtner sind alle Gartenbauberufe vereint. ‘Ihr seid die Kirsche der Gartenbautorte’“, hätten seine Lehrer in der Berufsschule immer gesagt.

Memoriam Garten als Alternative

Er habe aber nicht generell etwas gegen Gemeinschaftsgräber, wenn sie gärtnerisch gestaltet seien. Den „Memoriam Garten“, nennt er als lebendige Alternative zu den Rasengräbern.

Hätte er die Wahl, würde er auch heute wieder den Beruf des Friedhofsgärtners ergreifen. „Ich wollte ursprünglich Landmaschinenmechaniker werden, aber ich arbeite lieber draußen als in Hallen“. Außerdem kenne er alle seine Toten mit Namen. Da gerät sein eigener Garten daheim allerdings schon mal in Vergessenheit.

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