Ein Streifen zu viel?

Christoph Girschik
Der Radweg am Innenwall in Rheinberg wurde mit einer neuen Markierung versehen - dadurch ist der Breite deutlich eingeschränkt.
Der Radweg am Innenwall in Rheinberg wurde mit einer neuen Markierung versehen - dadurch ist der Breite deutlich eingeschränkt.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Proteste gegen die neue Fahrradschutzspur auf dem Innenwall. Kritiker befürchten Kollisionen zwischen Autos und Fahrradfahrern

Rheinberg.  Der gerade erst markierte Fahrradschutzstreifen auf dem Innenwall erregt die Gemüter in Rheinberg. Dabei handelt es sich um einen Streifen für Fahrräder, der an den rechts parkenden Autos vorbeiführt und durch unterbrochene Linien gekennzeichnet ist.

Der Rheinberger Friedrich-Wilhelm Kathagen protestiert: „Es kann doch wohl nicht sein, dass auf einer Straße mit nicht einsehbaren Kurven ein Fahrradweg so angelegt wird, dass der für die KFZ-Spur verbleibende Rest der Straße an einigen Stellen nur noch 1,9 Meter breit ist.“

Auch Dr. Reinhard Bassier sieht den neuen Streifen kritisch: „Wo die Straßenbreite partout nicht für eine normale Fahrspur, separaten Radweg und Parkstreifen reicht, da kollidieren dann zwangsweise Fahrspur und Radweg miteinander. Eine solche Fahrbahnmarkierung schafft Unsicherheiten.“

Der zuständige Beigeordnete Dieter Paus wirbt für den neuen Fahrradstreifen: „Es handelt sich nicht um einen Radweg, sondern um einen Schutzstreifen.“ Die Markierung dient dazu, den Rechten der Radfahrer gegenüber den Autofahrern mehr Geltung zu verschaffen.

Die Regeln: Autos dürfen den durch Leitlinien markierten Schutzstreifen nur bei Bedarf überfahren. Dabei dürfen Radfahrer nicht gefährdet werden. Beim Überholen muss ein seitlicher Mindestabstand von 1,50 Metern zum Radfahrer eingehalten werden. Außerdem ist das Parken auf dem Schutzstreifen verboten. Radfahrer müssen auf dem Schutzstreifen bleiben.

Paus: „Wir haben den Schutzstreifen eingerichtet, weil der eigentliche Radweg, der links unter den Bäumen verläuft, von vielen Radfahrern nicht angenommen wird.“ Dieser Radweg führt über eine Aschebahn und eine Steigung. Radfahrer können ihn auch nur erreichen, wenn sie von der Straße Kamperhof oder der Beguinenstraße aus den Innenwall queren. Dieter Paus hofft jetzt, dass der neue Schutzstreifen nach einer Eingewöhnungszeit von Rad- und Autofahren akzeptiert wird.

Innerorts ist der Radschutzstreifen nicht neu. Seit 1997 steht er in der Straßenverkehrsordnung. In Rheinberg hat die Stadt mit dem sogenannten Verkehrssicherheitselement zum Beispiel auf der Bahnhofstraße gute Erfahrungen gemacht.

Unübersichtlicher Innenwall

Wie sich der Streifen auf dem unübersichtlichen Innenwall bewährt, muss sich noch zeigen. Kritiker bemängeln, dass die gestrichelte Linie Autofahrern suggeriere, dass Radfahrer und Autofahrer eine jeweils eigene Spur haben. Es entstehe der Eindruck, dass gefahrlos überholt werden könne, obwohl der Sicherheitsabstand eigentlich gar nicht eingehalten werden kann.